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Interviews (bis 2010)
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Guten Tag, heute ist der 22.11.2017 :: English ::
Sie befinden sich hier: Interviews (bis 2010) / Exklusiv Interview mit Sonu Nigam / 

Am 24.Oktober gab Indiens bekannter Sänger, der bereits viele Awards als bester Playback-Sänger gewann, in Paris ein Konzert. BNA-Germany hatte die Möglichkeit, sich mit Sonu Nigam über die Eigenheiten des indischen Musik-Geschäfts zu unterhalten, welches sich gerade im Umbruch befindet. Mireille Bausch führte das Interview:

 

BNA-Germany: Erst einmal: Gratulation zu diesem tollen Konzert.

Sonu Nigam: Danke.

 

BNA-Germany: A.R.Rahman protestiert gerade gegen die gängige Praxis in Bollywood, dass die Filmmusiker keinerlei Rechte an ihren eigenen Werken haben und nur die Produzenten sämtliche Rechte an der Musik besitzen. Haben Sie als Sänger das gleiche Problem? Wie denken Sie darüber?

Sonu Nigam: Ja, wir haben dieses Problem. Das hat aber nicht etwas mit Ungerechtigkeit zu tun, sondern eher damit, dass sich die Musik-Szene in Indien seit den letzten Jahren stark ändert. Für die Filme Musik zu machen, ist notwendig und gut, aber Sänger wie ich wollen auch als Individuum wahrgenommen werden. Daher etabliert sich gerade eine eigenständige Musik-Szene. Wenn wir unsere eigenen Alben herausbringen, mit eigenen Liedern und unabhängig von irgendwelchen Filmen, haben wir auch die Rechte an unserer eigenen Musik. Und dem nähern wir uns gerade an. Leider ist in Indien das Problem der Piraterie sehr groß, was auch schlecht für die indische Musik ist, denn wegen den ganzen Raubkopien laufen die Geschäfte schlechter. Und wenn die Geschäfte schlechter laufen, verdient man weniger Geld. Das wiederum bedeutet, dass man weniger Geld teilen kann…so ist es ein Kreislauf. Wenn also das Problem mit den Raubkopien aus der Welt geschafft ist, können wir auch auf ein offenes Geschäft zwischen Sängern, Komponisten, Produzenten und Regisseuren hoffen.

 

BNA-Germany: Wie Sie sagten, waren Sie früher nur Playback-Sänger für indische Filme. Warum werden Schauspieler und Sänger so unterschiedlich behandelt. Was glauben Sie?

Sonu Nigam: Wenn man als Sänger nur für Filme singt, hat man nicht die Möglichkeit, eine eigene Identität als Star zu entwickeln. Du bist zwar ein Star, aber nur ein zweitrangiger Star. Überall auf der Welt erfahren Schauspieler, Sportler oder Musiker die gleiche Beachtung. In Indien jedoch nicht: auf Sänger wurde immer herabgeschaut, weil sie immer im Hintergrund standen. Aber jetzt versuchen wir auch im Vordergrund zu stehen. Das ist allerdings schwer, da wir keine guten Musik-Promoter in Indien haben. Ich kann nur von mir sprechen. Ich arbeite in Indien, aber auch außerhalb Indiens. Und wenn du nach deiner individuellen Leistungsfähigkeit arbeitest, erlangst du auch eine eigene Individualität. Darum haben sich für mich letztendlich die Dinge geändert. Letztlich bin ich dabei auch sehr energisch.

 

BNA-Germany: Sind Sie sich bewusst darüber, dass Menschen aller Kulturen zu ihrem Konzert gehen. Auf dem heutigen Konzert waren nicht nur Inder, sondern auch Franzosen und sogar wir aus Deutschland?!

Sonu Nigam: (lacht) Ich bin wirklich glücklich, da mir schon gesagt wurde, dass nicht nur Asiaten zum Konzert kommen würden. Aber ich glaubte es nicht wirklich. Vor zwei Monaten war ich auf Tour durch Amerika, und dort war es genauso: Es kamen viele Amerikaner zu unserer Show. Sie verstanden unsere Sprache nicht, aber wussten, dass ich ein guter indischer Sänger bin. So wollten sie mich einfach live erleben und die Show genießen.

Das habe ich jedoch nicht hier in Paris erwartet. Aber ich hoffte es natürlich. Ich besuchte hier den Louvre und viele andere Plätze. Die Leute hier sind sehr Kunst-interessiert, bewerben Kunst – warum also nicht auch Musik.

Sie sagten, dass Sie aus Deutschland kommen. Und obwohl wir nicht die Sprache des Anderen sprechen, interagieren wir durch die Musik. Musik ist eine sehr tiefsinnige Sprache, wie die Sprache der Natur. Natur spricht in der vierten Dimension und ich denke, Musik tut das auch. Du kannst sie nicht niederschreiben, aber fühlen. So interagieren wir alle durch Musik in der vierten Dimension.

 

BNA-Germany: Welche Bedeutung hat Musik für Sie?

Sonu Nigam: Musik bedeutet für mich fachliche Kompetenz. Sie gibt mir viel Freunde und Glück, aber ich muss ein Experte werden. Daher arbeite ich ständig daran. Ich nehme die Musik niemals leicht, gar nichts nehme ich eigentlich leicht. Ich mein, wenn ich tanze, nehme ich das sehr ernst; wenn ich schreibe, nehme ich das sehr ernst… und das gleiche gilt auch beim Komponieren. So hat Musik für mich etwas mit Fachkompetenz zu tun. Ich möchte alles über Musik wissen, ich muss viel Musikhören – englische Musik, indische Klassik… und ich bekomme so ein Gefühl für Musik. Während meiner Flüge wechsele ich öfters die Musik-Kanäle; höre japanische, orientalische und manchmal sogar irische Musik. Musik ist für mich eine Art mündlichen Wissens und eine Expertise und ich muss selbst darin wachsen. Das bedeutet Musik für mich.

 

BNA-Germany: In einem anderen Interview meinten Sie, dass Sie mehr Herausforderungen brauchen. Wie meinen Sie das?

Sonu Nigam: Die Musik in Indien ist sehr einfach. Die Art Musik, an der ich arbeite, diese Expertise, die ich eben erwähnte, brachte ich mir selbst sehr schnell bei. Ich weiß, dass sich in dem, was ich vor zehn Jahren noch gemacht habe und dem, was ich heute singe, vieles geändert hat durch die Praxis und Übung und dadurch dass ich selbst gewachsen bin. Da gibt es für mich keine Herausforderungen mehr. Ich möchte etwas Härteres, Schwierigeres machen. Ich habe gerade in Amerika ein Lied für den Film „Hope And A Little Bit Of Sugar“ gemacht, ein Film mit vielen amerikanischen und indischen Schauspielern. Da machte ich die Musik etwas schwieriger für mich, sodass auch meine Stimme herausgefordert wird. Es ist so, als wenn man jemanden, der einen 100m-Lauf in 9 Sekunden laufen kann, sagt er soll ihn in einer Minute laufen.

 

BNA-Germany: Sie sagten, dass Sie sich freuen, dass so viele gekommen sind. Werden Sie wiederkommen, bzw. werden Sie auch einmal in Deutschland ein Konzert geben?

Sonu Nigam: Ja klar. Ich war vor 6 oder 7 Jahren einmal mit einem Konzert in Frankfurt. Wir brauchen jedoch gute Promoter, so wie hier der Patrick einer ist. Seine Promotion zielte nicht nur auf das asiatische oder indische Publikum. Die Konzerthalle war großartig und er sprach auch das Publikum an, dass nicht die Sprache meiner Lieder versteht. Er baute das Interesse an mir auf, weil er weiß, dass ich nicht einfach irgendein Sänger bin. Ich bin nicht einfach ein bekannter Sänger aus irgendeinem Land. Die Leute hier wissen, dass wenn sie zu meinem Konzert kommen, wahre echte Musik zu hören bekommen, anstatt irgendeiner aufgenommenen Musik, Musik die in irgendwelchen Studios entstanden ist. Ich tu auch nicht so, als wenn ich singe. Wir geben ihnen richtige Musik. Ich bin mir sicher, dass Musiker in allen Ländern daran interessiert sind, Musik von allen Teilen der Welt zu hören.

Deutschland ist ein großartiges Land. Ich weiß, dass es dort viele Musiker gibt und das Land eine reiche Musik-Nation ist – viel mehr als in Indien. Deutschland ist sehr reich an Musik, Deutsche trainieren ihre Kinder und es gibt in den Schulen auch Musikunterricht. Ich weiß – also warum sollte ich nicht auch eines Tages kommen?

 

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