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01.05.2011 Von: BNA GERMANY®

Exklusiv-Interview mit Anees Bazmee

Anees Bazmee begann vor 23 Jahren seine Karriere in Bollywood als Dialog-Schreiber und Drehbuchautor. Die Drehbücher zu Filmen wie „Aankhen“ mit Govinda und „Hulchul“ mit Ajay Devgn und Kajol in den Hauptrollen stammen aus seiner Feder. 1998 gab Anees Bazmee sein Regie-Debüt mit dem Film „Pyar To Hona Hi Tha“. Doch seinen Durchbruch als Erfolgsregisseur gelang Anees Bazmee erst ab 2005: Er führte Regie für Bollywood-Hits wie „No Entry“, „Welcome“, „Singh Is Kinng“ und „No Problem“. Aktuelle läuft sein neuster Film „Thank You“ in den Kinos. Auch dieser Film erntete eine Reihe von positiven Kritiken.


Anees Bazmee

Anees Bazmee

Sie haben als Autor für Drehbücher und Dialoge 1988 angefangen und schreiben bis heute alles selber. Sehen Sie denn einen Unterschied in der Arbeitsweise im Vergleich von früher zu heute?

Anees Bazmee: Ich glaube, in den letzten Jahren hat sich so ziemlich alles im indischen Kino verändert. Von der Kinematographie, zum Sound, dem Editieren, dem Stil bis hin zu den Kulissen. Was sich dabei trauriger weise nicht verändert hat, ist das Drehbuchschreiben. Ich habe selbst die Skripte für 52 Filme geschrieben und merke einfach, dass es derzeit einen absoluten Stillstand in der Qualität der Drehbücher, Autoren und Geschichten gibt. Wir suchen immer nach neuen und guten Inhalten. In diesem Bereich hat sich nicht besonders viel weiterentwickelt weil jeder von sich denkt, dass er schreiben kann. Diese Leute würden nicht davon ausgehen, dass sie in der Lage sind, eine Kamera oder das Schneiden zu händeln, aber halten sich für Autoren. Von daher sehe ich da keinerlei Verbesserung. 

In Ihren Dialogen gibt es eine Art Spontanität, die Ihre Filme interessanter als viele andere macht. Gibt es eine Technik, um so schreiben zu können?

Anees Bazmee: Ja, wenn ich die Dialoge niederschreibe, lebe ich die verschiedenen Charaktere und statt sie direkt runterzuschreiben, nehme ich sie auf und leite sie danach an eine Assistentin weiter, die das Aufgezeichnete abtippt. Ich agiere und reagiere dann wie die verschiedenen Personen. So schaffe ich es, dass die Dialoge näher an der Rolle sind und dadurch auch logischer und natürlicher wirken. 

Nach „Deewangi“, einem Thriller, haben Sie wieder die für Sie typische Stilistik der Komödie gewählt. Gibt es einen Grund für diesen Wechsel?

Anees Bazmee: Das war nur Zufall. Ich habe „Deewangi“ gemacht, einen Thriller, der leider nicht sehr gut lief. Danach folgte eine Komödie „No Entry“, die wirklich erfolgreich war. Danach entschied ich mich für Komödie, Action, wieder Komödie, dann wieder Thriller usw. Aber dann konnten meine anderen Filme nicht veröffentlicht werden und nur die Komödien schafften den Sprung ins Kino – alle erfolgreich. Von daher ist es mehr ein Versehen, dass die Menschen mich als „Meister der Komödien“ wahrnehmen. Ich habe auch romantische Filme gemacht, wie „Pyar To Hona Hi Tha“ (Die Liebe musste passieren) und viele andere Genre Filme. Derzeit ist mein Film „Thank You“ sehr erfolgreich und dies wird eventuell die Meinung der Zuschauer noch mehr bestärken. 

„Thank You“ ist bereits sehr erfolgreich und „Ready“ ist schon für die Veröffentlichung vorbereitet, was kommt als Nächstes?

Anees Bazmee: Die Projekte für die nächsten beiden Jahre sind: „No Entry Mein Entry“ und „Hera Pheri Teil 4“. In der Zwischenzeit werde ich am 3. Juni 2011 „Ready“ veröffentlichen. 

Wer ist Ihr Lieblingsschauspieler?

Anees Bazmee: Aus der goldenen Ära Dilip Kumar und Amitabh Bachchan. In der neuen Generation sind es Salman Khan, SHK, Akshay und Hrithik Roshan, natürlich nicht in dieser Reihenfolge. Tatsächlich in keiner wirklichen Rangordnung, aber gut sind sie alle.  

Und Ihre Lieblingsschauspielerin? Wen benennen Sie da und warum?

Anees Bazmee: Kajol ist eindeutig die talentierteste, aber auch Kareena Kapoor ist sehr beeindruckend. 

Denken Sie, dass sich der Schauspiel Stil in den letzten Jahren verändert hat?

Anees Bazmee: Nein, ich denke nicht, dass sich in dem Bereich viel getan hat. Heute geht es mehr um die Ausstattung, die Aufmerksamkeit durch die Medien ist höher. Die Menschen denken, dass Schauspieler heutzutage härter arbeiten, das war aber schon immer so. Einige müssen sich mehr anstrengen, bei anderen genügt das reine Talent, um so rüberzukommen wie Nana Patekar in „Welcome“ oder Irrfan in „Thank You“. Sie haben eine sorgfältige Performance geboten und das Ergebnis kann man auch auf der Leinwand sehen. Hier handelt es sich um absolutes Talent. 

Gibt es etwas aus der alten Ära, das sie heute vermissen? 

Anees Bazmee: Ja, Ich vermisse Lieder, die mit 100 Musikern aufgenommen wurden, 30 Violinisten, die alle zusammen spielten. Wissen Sie, das war für jeden Film ein unglaubliches Erlebnis. Es musste nur einer einen Fehler machen und alles ging wieder zurück auf Anfang. Jeder Musiker, jeder Sänger fühlt sich so integriert. Jeder war sich der Situation bewusst. Heutzutage sieht das komplett anders aus. Die Musik heute entsteht in einer 3 Quadratmeter großen Kabine mithilfe einer kleiner Maschine. Diese Technisierung der Musik gefällt mir überhaupt nicht. Es geht nur noch um Solisten, die haben die Überhand übernommen. 

Was ist Ihre Idee von Kino. Sollte hier die Realität widergespiegelt werden, oder Träume, oder...?

Anees Bazmee: Ich denke, Kino sollte eine Mischung davon sein. Kino über Realität, Träume, und überlebensgroßes Kino. Den Menschen sollte ein größeres Spektrum an Genres geboten werden. Meiner Meinung nach sollte das von mir gemachte Kino die Menschen berühren und ihnen in den drei Stunden beste Unterhaltung bieten. 

Sie sind auf so vielen internationalen Filmfestivals unterwegs. Was ist denn Ihr Lieblingsfilm?

Anees Bazmee: Viele, einen einzelnen kann ich hier gar nicht benennen, aber ich mag generell gerne spannendes und herausragendes Kino. 

Gibt es eine Wunschzusammenarbeit oder ein Film, den Sie gerne realisieren möchten? 

Anees Bazmee: Nein, all meine Filme entstehen aus derselben Leidenschaft. Ich entdecke mich selbst neu mit jedem Film. Ich dachte, „No Entry“ sei mein bester Film, dann kam „Welcome“. Als ich davon ausging, dass „Welcome“ mein bestes Werk ist, schuf ich „Singh is King“. Für mich ist das eine andauernde Suche. Ich erschaffe mir jedes Mal mein Wunschprojekt, wenn ich mit einem neuen Film beginne. 

Sehen Sie auch Möglichkeiten, Deutsche zu casten oder generell europäische Schauspieler in Ihren Filmen einzusetzen?

Anees Bazmee: Ja, ich glaube an eine enge Zusammenarbeit der Filmindustrien. Das ist die einzige Möglichkeit, um für Fortschritt zu sorgen. Niemand kann wachsen, wenn er sich abschirmt. Ich würde ausländische Schauspieler in Indien und in meinen Filmen willkommen heißen. 

Haben Sie Tipps für Schauspieler oder Regisseure aus Europa, die ihr Glück im indischen Kino suchen?

Anees Bazmee: Ich denke, es gibt genug Platz im indischen Kino für alle. Wenn sie aber hier aufschlagen, sollten sie bereit sein, in eine komplett neue Welt der Filmindustrie einzudringen, sie sollten gewillt sein, auch zu lernen und Dinge zu übernehmen. In meinen Augen liegt darin der Schlüssel zum Erfolg.


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