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01.03.2011 Von: BNA GERMANY®

Interview mit Regisseur Vishal Bhardwaj

Vishal Bhardwaj ist nicht nur Regisseur, sondern auch Drehbuchautor, Musik-Komponist und Sänger. Sein aktueller Film „7 Khoon Maaf“ mit der bekannten Bollywood Schauspielerin Priyanka Chopra in der Hauptrolle hatte gerade in Deutschland auf der diesjährigen Berlinale Premiere. Wir trafen Vishal Bhardwaj, der sich in Deutschland mit Filmen wie „Omkara“, „Kaminey“ und „Maqbool“ einen guten Namen als Regisseur gemacht hat unter anderem auch über sein kommendes Film-Projekt mit Shahrukh Khan und über seine Eindrücke von der Berlinale.


Vishal Bhardwaj

Vishal Bhardwaj

Sie begannen als Musiker und Filmkomponist, warum haben Sie ins Regiefach gewechselt?

Vishal Bhardwaj: Schon als ich als Filmmusiker in der Filmindustrie angefangen habe war ich eigentlich mehr an der Regie interessiert. Manchmal kam es vor, dass ich, nachdem ich mit meiner Musik fertig war,  begann, den Regisseuren Vorschläge zu machen, weil ich das Gefühl hatte, ich wüsste es besser und könnte das Ganze auch besser erledigen. Meine Regisseure aber dachten, ich würde mich unnötigerweise in Dinge einmischen, von denen ich keine Ahnung hatte, deshalb stand ich ziemlich schnell als Komponist ohne Aufträge dar. Die Leute hörten auf, mir neue Jobs zu geben, damit sie meine Einmischungen nicht ertragen mussten. Ich war sehr frustriert und entschied mich, selbst in Regiefach zu wechseln.

In „Maachis“ haben Sie einen recht offenen und sorgenlosen Musikstil eingeführt, warum können wir den Filmmusiker in Ihnen nicht mehr erleben?

Vishal Bhardwaj: Menschen verändern sich im Laufe der Zeiten, ob zum Guten oder Schlechten kann man da gar nicht sagen. Das gleiche ist mir passiert und ich bin aus dem Job raus gewachsen und jetzt eben Regisseur. Ich vermisse das komponieren, aber schon recht bald werde ich damit wieder anfangen und  dann komponiere ich das was ich will und wie ich es will.

20 Jahre später in Bollywood: Was hat sich geändert, wie haben Sie das erlebt?

Vishal Bhardwaj: Der ganze Ansatz im Filmgeschäft ist anders geworden. Die Filmindustrie ist heute viel professioneller als früher. Die Herangehensweise der Schauspieler hat sich ganz erheblich geändert. Früher gab es teilweise 3 bis 4 Tagesschichten und ein Schauspieler arbeitete gleichzeitig an verschiedenen Filmen. Heute verpflichten sich die Schauspieler für nicht mehr als einen Film zur gleichen Zeit. Das gleiche gilt auch für die Musik, früher arbeiteten wir in vierstündigen Schichten, aber dieses Konzept der Überstunden ist verschwunden. Das liegt daran, dass heute wir für ein viel intelligenteres und anspruchsvolleres Publikum in großen Multiplex-Kinos drehen. Die Farben im Indischen Kino habens ich auch verändert. Deshalb sehe ich in den letzten zwei Jahrzehnten ein ganzes Meer an Veränderungen in dem gesamten Bereich.

Wer ist Ihr Lieblingsschauspieler?

Vishal Bhardwaj: Mein absoluter Lieblingsschauspieler ist Naseeruddin Shah, und zur Zeit halte ich Pankaj Kapoor für den besten Schauspieler. Alle anderen sind heute auch gut, aber ich halte Ranbir Kapur für einen Schauspieler, der sich rasend schnell entwickelt. Früher gab es ja die Unterscheidung zwischen Bühnenschauspielern und Filmschauspielern. Bühnenschauspieler hatten den Ruf, ernsthaft und seriös zu sein, während Filmschauspieler mehr modeorientiert waren. Heute sind diese Unterscheidungen verschwunden und die Filmschauspieler sind genauso ernsthaft und intensiv bei ihrer Arbeit. Ob es Aamir oder Saif oder sonst jemand ist: alle sind gute und fähige Schauspieler.

Wer ist Ihre Lieblingsschauspielerin, und warum ist sie es?

Vishal Bhardwaj: Lieblingsschauspielerin aller Zeiten: Konkana Sen Sharma, aber Priyanka Chopra ist auch eine der besten ihrer Zunft.

Glauben Sie, dass sich die Schauspielstile im Laufe der Jahre geändert haben?

Vishal Bhardwaj: Ja, es hat sich im Laufe der Zeit ein natürlicherer Darstellungsstil entwickelt. Schauspieler heutzutage können ein Drama auf recht natürliche Art darstellen, das merkt man auch ganz deutlich in der Industrie.

Welchen Eindruck hinterlässt das zeitgenössische Indische Kino auf Sie?

Vishal Bhardwaj: Heutzutage hat sich das Indische Kino zu einer sich selbst unterhaltenden und in sich abgeschlossenen Industrie entwickelt, damit gehen positive und  negative Aspekte einher. Die positiven sind, dass der Film mit dem indischen Publikum überleben kann; das negative ist, dass sich die Filmemacher nicht an einem internationalen Publikum ausrichten wollen. Sie wollen einfach nichts Neues machen, um einen anderen Geschmack zu treffen. Das Ergebnis davon ist, dass das Wachstum des Kinos gerade stagniert.

Ihre Filme sind hauptsächlich Adaptionen literarischer Werke, wie z.B. „Omkara“, „Blue Umbrella“, „Maqbool“, „7 Khoon Maaf“ - gib es dafür einen besonderen Grund?

Vishal Bhardwaj: Ich habe das Gefühl, dass Literatur vielschichtiger ist und mehr Tiefe hat. Vielleicht liegt es auch dran, dass ich faul bin und nicht so wahnsinnig viele reine Drehbücher gelesen und Bühnenstücke gesehen habe, aber ich habe wirklich das Gefühl, dass Literatur einem Filmemacher viel mehr Material und Auswahl für die Arbeit gibt. Deshalb  benutze ich einfach großzügig Literatur als Grundlage meiner Filme.

Gibt es schon neue Projekte?

Vishal Bhardwaj: Nach „7 Khoon Maaf“ arbeite ich an einem Film mit Shahrukh Khan. Ich fange jetzt in diesen Tagen mit meiner Arbeit an, und Shahrukh wird dazu stoßen, wenn er mit seiner Eigenproduktion „Ra.One“ fertig ist. Wir haben fast zwei Jahre lang über dieses Projekt diskutiert.

Gibt es eine Möglichkeit, in Zukunft deutsche oder europäische Schauspieler in einem Ihrer Filme bewundern zu können?

Vishal Bhardwaj: Ich hatte einmal versucht, Franka Potente für meinen Film „Julia“ zu besetzen. Sie kam auch zweimal nach Indien und wir haben mit der Arbeit angefangen, konnten sie aber nicht zu Ende bringen. Ich würde liebend gern mit weiteren deutschen Schauspielern zusammenarbeiten.

Sie waren auf der Berlinale. Was für einen Eindruck haben Sie denn von den deutschen Fans des Indischen Kinos?

Vishal Bhardwaj: Die deutschen Fans sind fantastisch und mein Film kam sehr gut auf der Berlinale an. Ich möchte mich bei allen Deutschen für ihre Gastfreundschaft und Großzügigkeit bedanken .Sie mögen unser Kino, die Musik und die Tänze und bin sicher, dass sie davon jede Menge in meinem Film bekommen werden.


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