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01.02.2011 Von: BNA GERMANY®

Star-Interview mit Neetu Chandra

Schauspielerin, Model und Produzentin Neetu Chandra wurde am 20.Juni 1984 in Patna, Bihar geboren. Nach ihrem Schulabschluss ging sie nach Delhi und arbeitete dort als Model für diverse Werbekampagnen. Sie begann ihre Schauspiel-Karriere in Bollywood 2005 im Film „Garam Masala“. 2007 spielte sie in „Traffic Signal“, einem Film von Regisseur Madhur Bhandarkar, mit und gewann damit ihren ersten National Film Award. 2008 gewann sie für ihre Rolle in „Oye Lucky! Lucky Oye!“ ihren zweiten Film-Award. Im Dezember 2010 kam ihr aktueller Film „No Problem“ in die Kinos. Trotz ihres Erfolgs in der Hindi-Filmindustrie vergisst Neetu Chandra ihre Herkunft nicht: Im Februar 2011 wird ihr erster eigener Film „Deswa“, den sie zusammen mit ihrem Bruder Nitin Chandra produziert hat, veröffentlicht. Wir sprachen mit Neetu Chandra über ihr Filmprojekt und über die Hintergründe zum Film, der eine Hommage an ihre Heimat Bihar sein soll.


Neetu Chandra

Neetu Chandra

Wie begann Ihre Karriere als Schauspielerin?

Neetu Chandra: Ich begann mit der Schauspielerei vor sieben Jahren. Und ich bin jetzt auch Produzentin. Ich glaube, sogar, die jüngste Produzentin in Indien. Ich habe einen Film über den Bihar gemacht, das ist der Bundesstaat, aus dem ich komme und auf welchen ich auch sehr stolz bin.

Sie kommen aus Bihar, spielen jedoch in Hindi Filmen mit.

Neetu Chandra: Genau, ich komme aus Bihar und ich habe in einigen Hindi-Filmen mitgespielt. Man konnte mich in „Traffic Signal“ sehen, in „Oye Lucky! Lucky Oye!“ und kürzlich ja auch in „No Problem“. Aber auch wenn ich in Hindi-Filmen spiele, so schlägt mein Herz doch ganz und gar für meinen Bundesstaat. Er ist ein Teil von mir und ich fühle mich Bihar sehr verbunden. Das Problem in Bihar ist, dass wir viele gut gebildete Leute haben, die Ihre Karriere außerhalb dieses Staates machen und nie wieder zurückkehren. Bei dieser Entwicklung fürchte ich, dass Bihar eines Tages ein Staat ohne Einwohner sein wird. Mir liegt Bihar jedoch sehr am Herzen. Deswegen habe ich auch einen Film über Bihar gemacht, um das Image dieses Bundesstaates zu ändern. Um den Menschen weltweit zu zeigen, wie schön Bihar doch ist. Ich fühle mich verantwortlich dafür, durch meine Popularität für das Image Bihars und für seine Einwohner zu kämpfen.

Erzählen Sie uns doch etwas über Ihren Film.

Neetu Chandra: Alle Darsteller im Film sind Theater-Schauspieler aus Bihar. Und sie verlangten keinen einzigen Cent dafür, im Film mitspielen zu dürfen. Der gesamte Film wurde an verschiedenen Drehorten in Bihar gedreht. Und ich glaube, das ist der erste Film überhaupt, der komplett in Bihar gedreht wurde. Es gibt viele Filme über Bihar, aber die meisten dieser Filme wurden in anderen Bundesstaaten gedreht, beispielsweise in Rajastan oder Maharashtra, aber selten in Bihar. Niemand traut sich, in Bihar zu drehen, sie haben Angst. Und sie denken, dass sie Probleme bei den Dreharbeiten bekommen könnten. Aber wir hatten diese Probleme nicht. Wir drehten dort insgesamt zwei Monate und wir gaben den Menschen dort Arbeit. Über 100 Menschen von Bihar haben uns bei der Produktion geholfen und für uns gearbeitet. Ich helfe gern meinen eigenen Leuten. Ich bin eine stolze Bihari. Viele andere Menschen, die aus Bihar kommen, versuchen diese Tatsache zu vertuschen, weil sie sich schämen, aus Bihar zu kommen.

Wie sind denn die Reaktionen, wenn Sie den Leuten sagen, dass Sie aus Bihar kommen? Gibt es so etwas wie Rassismus gegen Sie oder andere komische Reaktionen?

Neetu Chandra: Ja. Das kommt daher, dass das Image von Bihar politisch gesehen sehr schlecht ist. Bihar ist noch immer ein sehr korrupter Staat. Und in dem Moment, wenn du Leuten sagst, dass Du aus Bihar kommst, schrecken sie erst einmal zurück und denken, dass du mit einer Waffe rumrennst und vielleicht jemanden töten könntest. Das sind die Vorurteile. Aber wie Sie sehen: ich bin eine sehr einfache Personen, die einfach nur versucht, etwas zu verändern. Und ich bitte auch jeden, mich dabei zu unterstützen. Vor allen sollten wir anfangen, unsere eigene Herkunft zu respektieren und darauf stolz zu sein. Leute aus Bihar respektieren ihre Herkunft nicht. Viele Politiker im Kabinett von Delhi und viele führende Wissenschaftler und Unternehmer kommen aus Bihar. Aber die meisten von ihnen verleugnen ihre Herkunft. Aber nur, wenn man sich selbst respektiert, werden dich auch die anderen respektieren.

Wie schwer war es mit diesem Hintergrund für Sie, in der Hindi-Filmindustrie Fuß zu fassen?

Neetu Chandra: Oh, es war sehr schwer für mich als Bihari, in der Hindi Filmindustrie anerkannt zu werden, vor allem auch im kommerziellen Bereich. Aber ich gab nie auf. Ich bin ein Sportler und kämpfe. Und meine Mutter hat mich immer bei meinen Vorhaben unterstützt. Sie sagt immer, dass sie mir blind vertraut. Und ich muss hier auch betonen, dass ich ohne meine Eltern und besonders ohne meine Mutter niemals da stehen würde, wo ich heute bin. So geht mein ganzer Dank an sie.

Wie ist denn die Reaktion der Menschen aus Bihar, wenn sie sehen, dass Sie als Schauspielerin und auch Produzentin erfolgreich ihren Weg gehen?

Neetu Chandra: Wie ich schon sagte, viele Menschen, die aus Bihar kommen, schaffen es, eine gute Karriere zu machen, außerhalb Bihars. Die Reaktion der Leute aus Bihar auf meinen Erfolg ist sehr gut. Sie freuen sich für mich und unterstützen mich. Sie sehen mich als Vorbild. Mit „Traffic Signal“ und „Oye Lucky“ habe ich ja auch den National Film Award gewonnen. Die Leute von Bihar wollen die Veränderung haben. Und in dem Moment, wo sie sehen, dass da jemand von ihnen für sie kämpft, kämpfen sie auch für diese notwendigen Veränderungen. Sie sagen sich 'Wenn sie es machen kann, dann können wir es auch machen'. Die Menschen aus Bihar unterstützen mich wirklich sehr, sowohl die Medien dort, als auch die Politiker. Wir haben jetzt eine neue Regierung und seit fünf Jahren wandelt sich Bihar wirklich zum Besseren. Die größte Verbesserung Dank der neuen Regierung ist, dass sich Familien jetzt wieder sicher fühlen können.

Können Sie uns vielleicht näher erläutern, welchen Unterschied es zwischen dem Bihar vor fünf Jahren und dem Bihar heute gibt?

Neetu Chandra: Ich weiß, dass ich als Kind niemals ins Kino gegangen bin. Ich kenne Filme nur vom Fernsehen. Es war einfach zu gefährlich - vor allem abends - auf die Straße zu gehen, wegen all der Korruption und vor allem, weil andauernd Leute gekidnappt wurden. Die Situation änderte sich dann aber 2005, als die neue Regierung an die Macht kam. Seit dem ist Bihar ein viel sichererer Ort geworden. Ich sehe es an meinen Freunden. Sie treffen sich jetzt draußen auf der Straße und unternehmen viele Dinge gemeinsam. Das konnten sie früher nicht. Sie gehen jetzt auch abends, wenn es schon dunkel ist, raus ins Café oder in einen Club und können sich sicher fühlen. Dies ist der beste Wandel, der passiert ist. Eben, dass sich die Familien wieder frei und sicher bewegen können und machen können, worauf sie Lust haben, ohne in Angst zu leben. Es ist eine Art friedliche Revolution, die gerade in Bihar passiert. Ganz nach dem Vorbild Mahatma Gandhis.

Wo sehen Sie sich in Zukunft?

Neetu Chandra: Ich hoffe, an der Spitze. Ich möchte weiterhin ein Vorbild für meinen Staat sein und mich für die Leute aus Bihar einsetzen. Ich möchte etwas Positives bewirken und natürlich möchte ich weiterhin ein guter Mensch bleiben und mich für andere Menschen einsetzen.


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