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01.06.2011 Von: BNA GERMANY®

Exklusiv-Interview mit Subhash Ghai

Subhash Ghai zählt zu den erfolgreichsten Regisseuren und Produzenten Bollywoods. Bereits 1982 gründete er sein eigenes Produktionshaus „Mukta Arts“, das er nach seiner Ehefrau Mukta Ghai benannt hat. Vor fünf Jahren hat er schließlich Mumbais erstes Filminstitut „Whistling Woods International“ im Herzen Filmcities gegründet. Nun steht die Veröffentlichung des ersten Kinofilms, der komplett mit und von den Studenten der Filmschule gedreht wurde, an. Wir trafen Subhash Ghai in Filmcity, wo er uns durch das beeindruckende Gelände von „Whistling Woods International“ führte.


Subhash Ghai

Subhash Ghai

Wir befinden uns hier in Filmcity und Ihre eigene Produktionsfirma „Mukta Arts“ befindet sich hier. Aber Sie haben hier auch vor fünf Jahren zusammen mit Ihrer Tochter Meghna Ihre eigene Filmschule „Whistling Woods International“ gegründet. Erzählen Sie uns doch etwas über diese Filmschule.

Subhash Ghai: Indien produziert jährlich bis zu 1.000 Filme und die Mehrzahl davon wird in Mumbai produziert. Und es gibt so viele Filmemacher, aber bisher hat hier noch niemand ein Film-Institut in Mumbai gegründet. Es gibt viele Talente, die eine Ausbildung verdient haben. Bisher waren wir immer auf das Star-System in Bollywood angewiesen. Aber viele Talente schlummern auch außerhalb Mumbais, sie sind im ganzen Land, selbst in den kleinsten Städten. Von meinen eigenen 18 Filmen sind 14 Blockbuster gewesen und das brachte mir ein bisschen Geld. Ich dachte, ich investiere dieses Geld in die jüngere Generation und gründe ein Film-Institut, sodass die Talente nach Mumbai kommen und alles über das internationale Kino, das regionale Kino und das Filmemachen lernen können. Sie können sich selbst und ihr Talent entdecken und entwickeln. Bevor ich die Filmschule eröffnet habe, habe ich einige Recherchen angestellt und bin um die ganze Welt gereist und habe verschiedenste Filmschulen besucht. Obwohl die Schule hauptsächlich auf indische Talente ausgerichtet ist, erfüllt sie doch alle erdenklichen internationalen Standards. Vor fünf Jahren dann bekam ich von der Regierung und Filmcity die Genehmigung, hier Land zu kaufen und darauf „Whistling Woods International“ zu errichten. Momentan haben wir 400 Studenten, davon kommen knapp 70 Studenten nicht aus Indien, sondern aus Ländern wie den USA, Spanien, Frankreich und der Schweiz.  

Knapp 15 Prozent ausländische Studenten aus dem Westen ist eine gute Quote!

Subhash Ghai: Ja, das stimmt. Wir bieten ihnen ja auch den höchsten Standard an Ausbildung, exzellente Ausstattung und die neuste Technik. Zudem ist die Ausbildung bei uns wesentlich billiger, als in Europa oder Amerika. Das lockt sie natürlich her. Wir sind so gut ausgestattet und unsere Ausbildung ist so gut, dass Hollywood unsere Schule als eine der Top 10-Filmschulen der ganzen Welt gewählt hat. Darüber sind wir auch sehr glücklich und wir möchten weitere Filmschulen auch in anderen Städten gründen, wie zum Beispiel in Hyderabad oder Goa. Wir haben auch ein Angebot aus Spanien bekommen, auch dort eine Filmschule zu gründen. Es wird also bald auch in Alicante „Whistling Woods International“ geben.

Was kann man alles während der zweijährigen Ausbildung bei Ihnen lernen?

Subhash Ghai: So ziemlich alles, angefangen beim Schauspiel, hin zum Drehbuchschreiben, Kameraführung, Cutting, Regieführen, Promotion und Marketing. Besonders stark sind unsere technischen Kurse. Wir erweitern jedoch stetig unser Ausbildungsprogramm und laden auch bekannte Filmemacher zu Gastvorlesungen ein. Naseeruddin Shah und Sudhir Mishra waren schon bei uns. Ich selbst gebe auch Vorlesungen.

Sie haben ja gerade zusammen mit ihrem Film-Institut einen eigenen Film namens „Love Express“ produziert. Das Besondere an diesem Film ist, dass er komplett mit und von den Studenten entstanden ist. Die Schauspieler sind Ihre Studenten, die Kameramänner sind Ihre Studenten, die Kostüme stammen von ihnen, und so weiter. Können Sie uns etwas über diese Filmproduktion sagen?

Subhash Ghai: Nun ich habe ja meine eigene Produktionsfirma „Mukta Arts“. Um glaubwürdig zu sein, müssen wir auch hinter unseren Projekten stehen. Und wir wollten unseren Studenten die Chance geben, einen Kinofilm zu machen, mit all der Technik und dem Wissen, das ihnen zur Verfügung steht. „Love Express“ wurde von meinen Studenten gemacht und ich habe mich bereit erklärt die Promotion für ihr Projekt zu übernehmen. „Love Express“ ist eine Liebeskomödie und zeigt vier Hauptdarsteller.

Ist das der einzige Film, der in der Filmschule produziert wurde?

Subhash Ghai: Das ist der erste Kino-Film. Aber andere Klassen aus der Schule haben auch schon einige Small-Budget-Filme produziert. Diese ganzen Filme kommen im Juni heraus. Und wir sind sehr gespannt auf die Reaktionen. Wenn die Filme in Indien erfolgreich sind, werden wir auch versuchen, sie international zu vermarkten. Das ist nicht ganz einfach, gerade weil diese Filme ohne bekannte Stars, Regisseure und Kameraleute produziert wurden. Aber deutsche Distributoren können auch gern schon jetzt kommen und die Filmrechte erwerben, wenn ihnen das Thema zusagt. Das wäre für sie billiger, als später, wenn die Filme bereits erfolgreich laufen. Wir sind da ganz offen.

Einige Ihrer Studenten haben ja nun auch schon die Ausbildung bei Ihnen erfolgreich abgeschlossen. Verfolgen Sie deren Lebensverlauf in beruflicher Hinsicht weiterhin und können sagen, was aus ihnen geworden ist?

Subhash Ghai: Ja, wir haben mit allen Absolventen noch immer regelmäßigen Kontakt. Und ich kann stolz sagen, dass über 85 Prozent unserer Absolventen eine Anstellung in den größten Produktionshäusern Indiens gefunden haben. Einige der Absolventen arbeiten jetzt auch für unsere eigene Firma „Mukta Arts“

Wie verläuft der Auswahlprozess, wenn man sich an Ihrer Schule bewirbt?

Subhash Ghai: Es gibt eine Art Accessment-Center. Man muss schon einige Erfahrungen in dem Bereich mitbringen, auf welchen man sich in der Ausbildung spezialisieren will. Zudem muss bei der Bewerbung klar herauskommen, dass man den wirklichen Willen hat, diese Ausbildung zu machen. Schließlich dauert sie zwei Jahre. Und diese zwei Jahre hält man nur durch und besteht erfolgreich, wenn es der unbedingte Wille und Wunsch ist, Filmemacher oder Schauspieler zu werden.  Zudem achten wir bei der Auswahl auch darauf, wieviel Talent jemand mitbringt. Wir führen auch in der Zeit des Auswahlprozesses viele Gespäche mit den Bewerbern. Insgesamt dauert der ganze Prozess etwa 30 Tage.

Planen Sie selbst auch momentan neue Filme?

Subhash Ghai: Ja, „Mukta Arts“ arbeitet gerade an drei Filmen. Bei einem Film, einer Liebeskomödie, führe ich selbst Regie, bei dem anderen Film – einem Thriller - wird Abaaz Mastan Regie führen. Der dritte Film wird eine Komödie sein.  Mein Film wird voraussichtlich am 24. Oktober dieses Jahres in die Kinos kommen.

Sie selbst fingen Ihre Karriere als Schauspieler an, bevor Sie Regisseur wurden. Offenbar eine gute Entscheidung, da Sie zu einem der Top-Regisseure Bollywoods gehören!

Subhash Ghai: Ja, ich fing als Schauspieler an, aber das hat mir nicht wirklich Spaß gemacht und ich war wenig erfolgreich damit. Ich fand es viel interessanter, den Job eines Regisseurs zu machen. Und noch immer liebe ich meine Arbeit; sowohl als Regisseur als auch als Produzent.

Was wünschen Sie sich sowohl privat als auch beruflich für die Zukunft?

Subhash Ghai: Zum einen natürlich, dass meine Studenten eines Tages sehr erfolgreich werden und gute Filme machen. Privat wünsche ich mir, am Strand zu liegen, irgendwo in Nizza oder anderen Orten Europas. Ich liebe Europa sehr. Europa gibt mir immer sehr viel Frieden. Ich mag auch Deutschland sehr.


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