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01.03.2011 Von: BNA GERMANY®

Holi - Das Festival der Farben

Wenn der Frühling erwacht, entwickelt die Natur ganz eigene Farben in ihren neuen Blüten, Früchten und Blättern. Die tiefgefrorene Winterwelt weicht langsam dem indischen Sommer. Das Ende dieser Kältezeit feiert Indien mit aller Hingabe und in absoluter Feierlaune. Hindus und Sikhs zelebrieren dieses Festival, aber auch andere finden Gefallen daran. Holi wird in Indien gefeiert, in Nepal und Sri Lanka, ebenso wie in anderen Ländern, die Elemente der indischen Kultur beheimaten, die da sind: Südafrika, UK, Trinidad, Guyana, Surinam, die Fiji-Inseln und Mauritius. In Nordindien wird das Fest Holi genannt, im Osten ist es als Dolyatra bekannt, oder auch als Basanta-Utsav, das Frühlingsfestival. Gefeiert wird es am Ende des Winters am letzten Vollmond nach dem Mondkalender und fällt damit in der Regel in den Februar oder März.


Holi

Holi

Der Haupttag des Festes heißt Holi oder auch Dhuli Vandana, Dhulandi oder Dhulendi und wird gefeiert, indem die Menschen sich mit Farbpulver und eingefärbtem Wasser bewerfen. Freudenfeuer werden tags zuvor entfacht, dieser Tag ist besser bekannt als Holika Dahan (das Verbrennen von Holika) oder Chhoti Holi (kleines Holi). Die Feuer werden zur Erinnerung an die wundersame Flucht des jungen Prahlad entzündet. Die Dämonin Holika, Schwester von Hiranyakashipu hatte ihn in die Feuer verschleppt. Holika verbrannte dabei, aber Prahlad – ein treuer Anhänger des Gottes Vishnu -, entkam ohne jegliche Verletzung. In Südindien bezeichnet man Holika Dahan als Kama Dahanam. 

Es gibt viele Geschichten der Mythologie, die mit Holi in Verbindung gebracht werden. Laut der Vaishnava Theologie wurde der herrschende Dämonenkönig Hiranyakashipu von Lord Brahma damit gesegnet, dass weder eine Waffe, ein Mensch noch ein Tier ihn töten können. Nicht in einem Haus oder draußen, weder bei Tag noch bei Nacht, nicht auf der Erde und nicht im Himmel. Dieser Segen machte ihn sehr arrogant und er verbat jegliche Götterverehrung und erhob sich selbst zu einem. Sein eigener Sohn Prahlad betete aber Lord Vishnu an. Dies regte ihn so sehr auf, dass er versuchte, Prahlad zu töten. Er bat seine Schwester, der Feuer nichts anhaben konnte, Prahlad in ihrem Schoß in die Feuer zu tragen. Da passierte es, dass ihr magischer Feuerschutz nicht hielt und sie verbrannte, Prahlad aber überlebte. Grade als der Dämonenkönig seinen Sohn eigenhändig töten wollte, erschien Gott in Form einer Werkatze (eine Chimäre, halb Mensch, halb Tiger, Anm. d. Red). Dies passierte in der Dämmerung, der Gott hob den Dämonenkönig hoch und zerfleischte ihn mit seinen Nägeln.

Es gibt viele andere Geschichten, die mit dem Fest in Verbindung gebracht werden, fest steht aber die Tatsache, dass so der Frühling eingeläutet wird. 

Die Regionen von Vrindavan und Mathura im Uttar Pradesh in Nordindien, wo Lord Krishna aufwuchs, feiern 16 Tage lang. Eine seltsame Feierlichkeit dieser Gegend ist das Lathamar Holi. Hier schlagen Frauen Männer mit Stöcken und diese müssen sich verteidigen. Holi versinnbildlicht das Ende von Gewalt und Unstimmigkeiten, indem es in eine Jahreszeit der Liebe zu Frieden führt. Anderenorts dauern die Feierlichkeiten lediglich zwei Tage. Tag eins ist das Chhoti Holi (kleine Holi) und der Haupttag ist Badi Holi (Große Holi). Chhoti Holi oder auch Holika Dahan ist der Tag, an dem man Holz sammelt und an dem die Schwester des Dämonenkönigs in Flammen aufgeht, um die Zerstörung des Teufels zu symbolisieren. Badi Holi, auch bekannt als Dulehndi ist der Tag der Farben. Die Menschen spielen mit trockenen und nassen Farben, besprenkeln sich mit buntem Wasser und färben sich gegenseitig die Gesichter, teilen Essen und Trinken. Zwar mögen die tatsächlichen Feierlichkeiten nur zwei Tage dauern, die Vorbereitungen beginnen aber schon lange davor. 

Die Vorbereitung der Speisen beginnt schon Tage zuvor mit typischen Holi Snacks wie Gujhia (frittierte Teigtaschen mit Nussfüllung), Papads (kleine dünne frittierte Fladenbrote), Kanji (gegorenes Getränk aus violetten Karotten) usw. Die Gujhis gibt es in zahlreichen Variationen mit Milchkrem, Grieß und auch Trockenobst. Andere Süßigkeiten des Festes beinhalten Malpuas (süße frittierte Pfannkuchen), Mathri (frittierte Salz-Cracker), Puran Poli (frittierte süße dünne Fladenbrote) und Dahi Badas (Linsenknödel in Quarksauce), die den Gästen ab zwei Tagen vor dem Fest angeboten werden, aber auch noch Tage danach. Die Nacht vor Holi wird von den meisten Familien als Rang Pashi gefeiert. Im Rahmen des Festes gibt es ein festliches Dinner, dem ein Farbenspiel folgt. Manchmal bekommen die Gäste auch Bhang (Cannabis) in Milch oder in Laddoos serviert, wenn auch nur in kleinen Mengen. 

Das Fest hat sehr viele regionale Ausprägungen. In einigen Gegenden wirft man Kokosnüsse ins Feuer und holt sie wieder heraus. Die verbrannte Schale der Kokosnuss steht dann für die Schwester des Dämonenkönigs, Holika. Das weiße Innere der Nuß symbolisiert Prahlad, der noch lebte und zudem unberührt vom Feuer blieb.

In Bengalen gibt es eine ganz besondere Art und Weise, diese Festivitäten zu begehen. In den frühen Morgenstunden des Dol Purnima putzen die Studenten sich heraus, tragen safrangelbe Kleidung und wohlriechende Blumengirlanden. Sie singen und tanzen und werden von Saiten- und Schlaginstrumenten wie Ektara, Dubri, Veena, etc. begleitet. Holi kennt man dort auch unter den Namen Dol Jatra, Dol Purnima oder Swing Festival. In ehrenvoller Manier wird dieses Fest begangen, indem man die Vorbilder des Krishna und Radha auf eine hübsch geschmückte Sänfte hebt und durch die Hauptstraßen der Stadt oder des Dorfes trägt. Die Anhänger und Gläubigen tragen abwechselnd die Sänfte, während die Frauen um diese herumtanzen und singen. Während dieser Aktivitäten bespritzen die Männer sie mit dem bunten Wasser und dem farbigen Pulver.

In Goa ist Holi Teil des  Goanischen oder auch des Konkani Frühlings Festivals, das man auch als Shigmo in Konkani kennt. Hier handelt es sich um eines der berühmtesten Feste der Gemeinschaft der Konkani in Goa, ihrer Diaspora in Karnataka, Maharashtra und Kerala. Sigmo kennt man auch als Sisirotsava und dort dauert es ungefähr einen Monat. In Maharashtra wird Holi hauptsächlich mit der Verbrennung der Holika in Verbindung gebracht. Holi Paurnima wird auch als Shimga gefeiert. Eine Woche vor Beginn des Festes gehen die jungen Leute durch die Gemeinde und sammeln Feuerholz und Geld. Am Tag von Holi wird das Feuerholz in einem großen Haufen aufgeschichtet. Am Abend wird das Feuer dann entfacht. Jeder Haushalt bietet dem Feuergott sowohl Essen als auch Nachspeise. Puran Poli ist dabei die hauptsächliche Delikatesse und die Kinder rufen “Holi re Holi puranachi poli”. Shimga wird mit der Vernichtung des Teufels in Verbindung gebracht. Die Farbenfeierlichkeiten finden traditionellerweise am Tag des Rangapanchami statt, und zwar am 5. Tag und nicht wie im Norden am zweiten Tag. Während der Festlichkeiten sind die Menschen dazu aufgefordert, jeglichen Zwist für diesen Tag beiseite zu schieben und zu vergessen. 

Die Farben, mit denen die Menschen sich gegenseitig die Gesichter bemalen, heißen Gulal oder auch Abeer und werden aus trockenen Blumen-Pasten hergestellt. Leichte Wasserpistolen, die auch Pichkari genannt werden, dienen dazu, in einer Wasserschlacht die Farben möglichst weit verspritzen zu können. Kinder und Erwachsene finden enormen Gefallen an diesen kleinen Schlachten. Das eingefärbte Wasser ist hauptsächlich in den Farben der Tesu Blume und ist damit burgunderrot und gut für das Haar. 

Holi ist außerdem ein Musikfestival. Menschenmengen versammeln sich und singen besondere Holi Lieder. In diesen Liedern macht man sich über alles lustig, von Politik, Sex bis zu sozialen Missständen. Es werden Holi Milan Veranstaltungen organisiert, zu denen sich die ganze Gemeinschaft unter freiem Himmel versammelt und feiert. 

Zudem ist Holi das Jahresende, da es auf den letzten Tag des Hindu Kalenders und des Monats Phalgun fällt. Die Menschen beginnen auch bereits am Holi-Abend, das neue Jahr (Panchang) zu planen. Außerdem ist in dieser Zeit die Ernte bereit zum Verkauf auf den Märkten und die generelle Laune ist hervorragend. Es ist eine Zeit der Neuanfänge, sowohl im gesellschaftlichen als auch geschäftlichen Bereich. Gibt es eine schönere Art, etwas Neues zu zelebrieren, als Blumen, Farben, Essen, Getränke und Musik? Beim Holi - Fest feiert man das Leben als solches.


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