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04.08.2013 Von: BNA GERMANY®

Teil 5: Die indische Filmindustrie beginnt Fuß zu fassen

Wer glaubt, das Indische Kino sei nach dem ersten eigenen Spielfilm wie in einem Märchen plötzlich mit vielen Aktivitäten durchgestartet und die Inder hätten die Filme wie Fische das Wasser gesucht, der ist leider auf dem Holzweg. Indien mag 1913 den ersten Spielfilm gedreht haben und es mag auch genügend Unternehmer gegeben haben, die das Geschäft fortführen und weiterentwickeln wollten, aber es lagen noch zahlreiche Probleme auf diesem Weg in der Zukunft vor ihnen.


Gul-E-Bakawli

Gul-E-Bakawli

Baburao Painter

Baburao Painter

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte große Auswirkung auf das Indische Kino. Die Financiers weigerten sich, weiterhin Geld in eine Industrie zu stecken, die vollständig von im Ausland produziertem Material abhängig war. Der Import von Rohfilm und anderen Materialien wurde eine wirtschaftliche Unwägbarkeit, als der Krieg auf dem Europäischen Kontinent eskalierte. Sogar Phalke, der kurz zuvor großen Erfolg verbuchen konnte, musste mit einem winzigen Budget auskommen. Er verlangte von seiner Belegschaft, dass sie auf die Hälfte ihres Gehalts verzichten sollte und besetzte die Rolle des jungen Krishna in „Kaliya Mardan“ mit seiner 7jährigen Tochter Mandakini. Phalke wendete sich nun dem Trickfilm zu und drehte unter Zuhilfenahme von Streichhölzern Dokumentationen wie „How Films are made“. Phalke hatte selbst einen Auftritt im Kurzfilm „The Magic of Prof. Kelpha“, in welchem er auch sein Talent für Spezialeffekte unter Beweis stellte. Bis auf den Zeitraum des Ersten Weltkrieges war Phalke sehr aktiv.

1916 unterstützte R Nataraja Mudaliar, ein Händler für Automobil-Ersatzteile, die „India Film Company“ und baute ein Stummfilmkino in der Miller´s Road in Purasawalkkam, Madras. Er war von Steven Smith, einem britischen Filmemacher, der Nachrichtenbeiträge über die sozialen Aktivitäten von Lord Curzon, dem Vizekönig von Indien, verfasste, in der Technik des Filmdrehens ausgebildet worden. Mudaliars erster Stummfilm in Spielfilmlänge war „Keechaka Vadham“ (1917), ein mythologischer und religiöser Film in tamilischer Sprache. Obwohl in der Stummfilmzeit Sprachen kaum beachtet wurden, schuf Mudaliar „Drowpadhi Vastraharanam (1918), „Lava Kusa“ (1919) und „Rukmani Satyabhama (1920) alle in tamilischer Sprache. Er richtete sich sein eigenen Studio in seiner Heimatstadt Vellore ein. Allerdings wurden seine Träume zerstört, als ein Feuer sein Studio vernichtete und er dadurch schwere finanzielle Verluste erlitt. Er verließ das Filmgeschäft für immer.

Das indische Kino ist genau wie das Kino anderer Länder eine Geschichte von Höhen und Tiefen, in denen es manchen gut und anderen schlecht erging. Eine solche Geschichte auch die des Raghupathy S Prakash, dessen Vater ihn ins Ausland schickte, damit er eine Ausbildung im Bereich Filmproduktion erhalten sollte. Prakash lernte im Londoner „Baker`s Motion Picture Studio“ und besuchte auch Deutschland und Hollywood. In Hollywood arbeitete in den Teams von Kinolegenden wie Cecil B DeMille und David Wark Griffith mit.

Ein kurioser Vorfall ereignete sich im Zusammenhang mit Prakashs erstem Film „Meenakshi Kalyanam“ (1920). Genau wie Phalke fand auch Prakash es schwierig, Künstler zu finden, die in seinem Film schauspielen würden. Er besetzte die Rollen der hinduistischen Gottheiten deshalb mit Anglo-Indern. Es wiesen ihn sogar einige Bühnendarsteller verächtlich ab, als er ihnen Rollen in seinem Kinofilm anbot, da sie keine Möglichkeit hatten, Bühnendialoge zu sprechen. Andere wiederum lehnten die Mitarbeit in seinem Film ab, weil sie glaubten, sie würden nach dem Blick in die Kamera impotent werden.

Als Prakash seinen Film schließlich vorführte, hatten alle Bilder abgeschnittene Köpfe, der Film stellte sich als eine „kopflose Vorstellung“ heraus. Manche dachten, dies sei ein Fluch der Götter dafür, dass Nicht-Hindus die Götterrollen übernommen hatten. Allerdings überprüfte Prakash seine Kamera und fand heraus, dass der Linsen-Mechanismus einen Defekt hatte. Das Filmprojekt wurde jedenfalls fallengelassen.

In späteren Jahren richtete sich Prakash ein eigenes Filmentwicklungslabor in seinem Haus ein. Er benutzte hölzerne Trommeln und Rollen, um den Film per Hand zu entwickeln. Dieses Labor wurde als „Hand and Tank Lab“ bekannt und wurde einige Jahre lang genutzt. Prakash ging noch einen Schritt weiter und gründete das berühmte „Roxy Theatre“, ein Kino in Madras, und produzierte viele bemerkenswerte Filme.

Das Indische Kino verdankt seine Entwicklung auch Deutschland. Ein wichtiger Neuankömmling in der Szene war 1924 Franz Osten, ein Kameramann und Filmregisseur aus Deutschland, der vielen Indern die Kunst des Filmemachens beibrachte. Dies war auch die Zeit, als die großen Namen des Indischen Kinos ihre Debüts auf die eine oder andere Weise als Schauspieler oder Drehbuchschreiber hatten. Einer davon war Vankudre Shantaram, der sein Debüt unter Baburao Painter machte. Die anderen Gründer des legendären „Prabhat Studios“ von Puna, wo sich heute das Film- und Fernsehinstitut von Indien befindet, fingen auch unter seinen Führung mit ihrem Filmschaffen an.

Es ist ziemlich paradox, dass die indische Zensurbehörde sogar heute nicht erlaubt, dass Filmküsse auf der Leinwand gezeigt werden dürfen. Schon viel früher, nämlich 1918, kontrollierte die Britische Regierung den Inhalt von Filmen auf Grundlage des einschlägigen Gesetzes, des „Indian Cinematograph Act“ von 1918. Der Schwerpunkt und Focus lag aber damals auf politischer Zensur des Inhalts und nicht auf dem Leinwandverhalten der Schauspieler, das nach britischem Standard erlaubt und nicht zu beanstanden war. Die Zensurbehörden wurden in Bombay, Calcutta und Madrad eingerichtet und der jeweilige Polizeichef war Vorsitzender der Behörde. Ein Komitee von offiziellen Beamten und Ehrenamtlichen beriet und unterstützte ihn. Die meisten Stummfilme hatten daher leidenschaftliche Kuss- und intime Liebesszenen, ohne dass dies beanstandet wurde, aber schon der Vorschlag oder Ruf nach Freiheit oder Rebellion wurde sorgfältig zensiert.

Währenddessen hatte J F Madan in Bengalen bereits ein Firmenimperium für Produktion, Distribution und Vorführung von Filmen geschaffen und damit den Grundstein der indischen Filmindustrie gelegt. Obwohl Madan sich hauptsächlich an ein elitäres Publikum wandte, ist der Beitrag dieses Unternehmens für das indische Kino erheblich und nicht zu unterschätzen, da sie die besten in Indien für ihre Filme verfügbaren Talente unter Vertrag nahmen und förderten. Sie stärkten auch die Fundamente des Kinos dadurch, dass sie prestigeträchtige Produktionen wie „Nala Damayanti“ iniierten, was einige italienische Techniker mit ins Boot holte. Madan wurde für seine technische Finesse und Überlegenheit von den Medien seiner Zeit gelobt. Im wahren Sinn des Wortes war Madan der erste Filmmogul des Indischen Kinos. Im Gegensatz zu anderen Firmen war diese Firma besser organisiert und wurde professionell gemanagt, genau wie jedes Hollywood Studio auch. Aus diesem Grund überlebte es auch so lange. 1925 brachte ein Großbrand jedoch einen herben Rückschlag, dennoch produzierten sie auch weiterhin und waren auch noch in späteren Jahren extrem erfolgreich.

Das Indische Stummfilmkino hatte sich inzwischen zu einer eigenständigen Industrie mit eigenen Schauspielern, Schreibern, Regisseuren, Finanziers, Verleihern und Vorführern entwickelt.


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