Über Bollywood
Cinema_History
Golden_Oldies
Special_Features
Cover_Stories
interviews_neu
profiles
Bollywood Dance
Musik & Musiker
Bollywood im Kino
Eventankündigungen
Indien - Allg. Infos
Heilige Tiere
states
Kurioses aus Indien
indian_cooking
BNA Magazin
Bollywood Reporter
Foto-Archiv
Interviews (bis 2010)
Suche



Willkommen, heute ist der 22.11.2017 :: English ::
Sie befinden sich hier: 
< Vorheriger Artikel
01.12.2010 Von: BNA GERMANY®

Ein Geist, der noch immer in der indischen Armee dient

Sie haben sicherlich schon von den ungewöhnlichsten und spannendsten Geistergeschichten gehört, aber haben Sie auch schon einmal von einem Geist gehört, der als Soldat die Grenzen eines Landes bewacht? Ein Geist, der noch immer in der Armee dient, noch immer Sold für seine Dienste erhält, noch immer Urlaubstage für seinen jährlichen Heimaturlaub erhält und Leute, die ihn zuhause am Bahnhof willkommen heißen? Nein? Dann lesen Sie weiter…


Altar zu Ehren des Soldaten

Altar zu Ehren des Soldaten

Harbhajan Singh, ein Soldat in der Indischen Armee, war während des Indo-Chinesischen Kriegs 1968 im Dogra Regiment eingesetzt. Während des Krieges starb er in der Nähe des Nathula Passes im Himalaya-Gebirge in Sikkim, Indien. Er war am 4. Oktober 1968 gerade zusammen mit seinem Trupp auf dem Weg vom Hauptquartier in Tukla nach Deng Chukla. Es regnete stark in den Bergen. Plötzlich wurde Harbhajan Singh von einem reißenden Fluss mitgenommen und  verschwand auf Nimmerwiedersehen. Die Armee suchte nach ihm drei Tage lang, jedoch ergebnislos. Doch der Legende nach führte Harbhajan Singh selbst den Suchtrupp zu seinem toten Körper: er erschien einem seiner Soldaten im Traum, erklärte ihm, dass er nicht mehr am Leben sei und beschrieb ihm genau die Stelle, an der man seinen leblosen Körper finden würde. Zugleich sagte er seinem Kameraden, dass er weiterhin der Armee dienen wird. Sein Kamerad vergaß diesen Traum schnell wieder. Doch als ein anderer Kamerad des gleichen Trupps genau die gleiche Geschichte von diesem Traum erzählte, konnte keiner mehr von einem Zufall ausgehen. Und so begab sich der Trupp an die im Traum vom Geist des Harbhajan Singhs genannte Stelle und fand dort tatsächlich die Leiche von Harbhajan Singh. Er wurde mit vollen militärischen Ehren verbrannt und beigesetzt, nachdem sein Körper genau an der Stelle gefunden worden war, die er selbst gezeigt hatte. Der Schrein wurde nach seinem Wunsch, den er im Traum gegenüber seinen Kameraden geäußert hatte,  ebenfalls dort in den Hügeln nahe der indisch-chinesischen Grenze gebaut. 

Schon bald machten Erzählungen die Runde, dass Leute jede Nacht in dieser Gegend einen uniformierten Soldaten sehen, der auf seinem Pferd Patrouille reitet. Auch die Armee auf der chinesischen Seite will diesen einsamen Reiter schon oft gesehen haben. Der Schrein, der für Harbhajan Singh errichtet wurde, wurde bald zum beliebten Pilgerziel. Die Menschen kommen zum Schrein in der Hoffnung, vom Geist des Harbhajan Singhs eine Lösung ihrer Probleme zu erhalten.

Die Armeerzählungen behaupten noch heute, dass Harbhajan Sing, der jetzt „Baba“ (der Heilige, Anm. d. Red.) genannt wird, ein strikter Aufpasser ist und mangelnde Disziplin entsprechend bestraft.

Seit dieser Zeit unterhält die Indische Armee ein Feldbett für ihn am Nathula Pass, jede Nacht stehen seine Schuhe poliert und die Uniform einsetzbar bereit. Die Bettlaken, so sagt man, sind jeden Morgen zerwühlt und die Schuhe jeden Abend schlammig. Baba hebt noch immer seinen Sold ab und nimmt seinen Jahresurlaub. Die Soldaten in der Region glauben auch, dass im Falle eines chinesischen Angriffs Baba sie drei Tage vorher warnen wird. Auf der anderen Seite huldigen ihm kurioserweise auch die Chinesen, und während des Flaggentreffens zwischen den beiden Ländern im Grenzposten Nathula halten die chinesischen Soldaten einen Stuhl für Baba bereit. Jedes Jahr am 14. September fährt ein Jeep mit seinen persönlichen Besitztümern zum Bahnhof in New Jalpaiguri. Von dort reist ein Soldat mit diesen Sachen nach Babas Heimatort Kuka in Kapurthala im Punjab.

Jeden Monat wird ein geringer Sold an Baba Harbhajan Singhs Mutter überwiesen, sogar noch heute. Sein Name taucht noch immer in den  Gehaltslisten der indischen Armee auf.  Er wurde auch regelmäßig befördert, so wie er zu seinen Lebzeiten befördert worden wäre. Die ganze Geschichte mag sich seltsam anhören, aber der Glaube ist stärker als Fiktion und so lebt die Legende weiter. Jeder dienende oder in den Ruhestand versetzte Armee-Kommandant bestätigt die Wahrheit dieser Geschichte. Heute ist Babas Dienstrang “Kapitän ehrenhalber“.

Seine Bezüge beinhalten zwei Monate Jahresurlaub und eine Zugfahrkarte erster Klasse für seine Heimreise nach Jalandhar.  Ein Junioroffizier begleitet ihn gemeinsam mit einem Putzburschen. Seine Familie erhält die Besitztümer am Bahnhof und bringt ihn in ihr Heimatdorf.

Nach Ende des Urlaubs begleitet dasselbe Armeeteam ihn zurück, zurück auf seinen Dienstposten im Himalaya – auch heute noch. Und noch immer kommen die Menschen aus ganz Sikkim und Bengalen nach Nathula, reichem dem Geist des Soldaten Wasser und Speisen und hoffen auf ein Wunder. Und jeder Soldat oder auch Taxifahrer, der den Nathula-Pass überquert, stoppt am Schrein des toten Soldaten. Sie glauben, dass es ihnen anderenfalls, wenn sie Harbhajan Singh nicht die Ehre erweisen würden, Unglück bringen würde.


- Anzeigen -
BNA GERMANY