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02.02.2014 Von: BNA GERMANY®

Exklusiv-Interview mit Dabboo Ratnani

Dabboo Ratnani ist zweifelsohne der bekannteste Bollywood-Star-Fotograf. Er kann auf eine bisher über 20-jährige Karriere zurückblicken. Mit BNA GERMANY traf er sich im Januar in Mumbai zu einem exklusiven Interview, in welchem er Einblicke in seine Karriere und vor allen in seine Arbeit an seinem jährlich veröffentlichten Kalender gibt. Der Dabboo Ratnani-Kalender ist so exklusiv wie seine Fotos einmalig sind. Uns hat er diesen legendären Kalender, der gerade frisch aus dem Druck gekommen ist, als Geschenk überreicht. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview:


Dabboo Ratnani

Dabboo Ratnani mit BNA GERMANY®-Chefin Alexandra Ccahuana Tito

BNA GERMANY: Können Sie uns sagen, wann Sie die Fotografie für sich entdeckt haben und welchen Weg Sie gegangen sind, um heute der berühmte Bollywood Star-Fotograf zu sein, der Sie sind?

Dabboo Ratnani: Ich habe bereits zu meiner Schulzeit begonnen, mich für Fotografie zu interessieren. Anfangs dachte ich, es wäre nur ein vorübergehendes Hobby und habe auch nie darüber nachgedacht, ein professioneller Fotograf zu werden. Aber ich fand mehr und mehr Gefallen an diesem Hobby und traf dann einen halbprofessionellen Fotografen, dessen Arbeiten mir sehr beeindruckt haben. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich entschied, dass ich auch professioneller Fotograf werden wollte. Mit 16 Jahren habe ich dann meine erste gute Kamera gekauft.

BNA GERMANY: Erinnern Sie sich noch daran, welches Modell Ihre erste Kamera war?

Dabboo Ratnani: Ja, das war eine Minolta SRT 101. Ein halbes Jahr später kaufte ich mir dann eine Nikon mit Nikkor-Objektiven. Ich entschied mich dann, neben meinem Studium als Assistent für verschiedene Fotografen zu arbeiten. Ich dachte mir, wenn es mit der Fotografie nicht klappen sollte, kann ich immer noch in das Geschäft meines Vaters einsteigen. Daher war das Studium für mich nicht so wichtig. Ich habe dann in den kommenden vier Jahren mit einem Fotografen zusammengearbeitet, durch welchen ich auch viele eigene Aufträge erhielt. 1993 wurde der Film "Aatish" von Regisseur Sanjay Gupta gedreht. Er war ein Freund meines Bruders und ich fragte ihn, da er für den Film 40 Tage in Mauritius drehen wollte, ob ich als Setfotograf mitkommen könnte. Ich wollte kein Geld dafür, lediglich meine Filmrollen sollten bezahlt werden und ich bot an, auch die Promotion für den Film zu machen. Sanjay Gupta und der Produzent willigten ein. Während der Dreharbeiten auf Mauritius lernte ich einen Choreografen kennen, der kurz darauf für "Baazigar" arbeitete und mich engagierte. Und so lernte ich dann Shahrukh Khan und Kajol kennen. Ich kannte Shahrukh schon viele Jahre vorher, seit er nach Mumbai gekommen ist; traf aber Kajol zum ersten Mal. Das war alles 1993. 1994 wurden diese beiden Filme dann releast und die ganzen Fotos wurden in diversen Magazinen veröffentlicht. Das war der Moment, wenn jeder Notiz von meiner Arbeit nahm und sich fragten, wer dieser neue Fotograf ist. Mehr und mehr Aufträge folgten und von dann an, begann ich als professioneller Fotograf zu arbeiten. Obwohl ich in meiner Anfangszeit für einen Fotografen gearbeitet hatte, der auf Werbung spezialisiert war, lag mein Interesse im Film. Ich wollte Film-Fotograf werden, obwohl es zu jener Zeit viel cooler angesehen wurde, Werbe- oder Fashion-Fotograf zu sein, weil die Arbeit beim Film schlecht angesehen war und einem kaum Respekt entgegen gebracht wurde.

BNA GERMANY: Wie ging es dann weiter?

Dabboo Ratnani: Ich machte einfach weiter. Ich arbeitete für viele Filme und wirkte an deren Publicity mit. Ein Job führte zum nächsten und ich bekam mehr und mehr Arbeit. Und ich bekam dann bald auch Aufträge für Magazine wie "Stardust" oder "Filmfare".  

BNA GERMANY: Wo sehen Sie den Unterschied zwischen Film-Shootings und Werbe-Shootings?

Dabboo Ratnani: Für mich selbst hat es eigentlich noch nie einen Unterschied gemacht, eher für andere Menschen. Ich fotografiere Menschen, dabei ist es egal, ob es Werbe-Shootings, Fashion-Shootings oder Film-Shootings sind. Von daher sehe ich da keinen großen Unterschied. Nachdem ich mehr und mehr bekannt und erfolgreich mit meinen Film-Shootings wurde, begannen sogar viele Werbe-Fotografen, ebenfalls Film-Shootings zu machen. Ein Unterschied besteht jedoch darin, dass dein Name, wenn du Film-Shootings machst, genannt wird und du dadurch bekannt wirst, was in der Werbung eher selten der Fall ist. Von daher war es plötzlich für viele Fotografen viel interessanter und cooler, Film-Shootings zu machen, um sich einen Namen zu machen.

BNA GERMANY: Wann und warum haben Sie sich dazu entschieden, einen eigenen Kalender herauszubringen?

Dabboo Ratnani: Das war 1999, dass ich meinen ersten Kalender herausbrachte, für das Jahr 2000; das neue Millennium. Und ich überlegte, was für ein Geschenk könnte ich meinen Freunden und Geschäftspartnern zu diesem besonderen Ereignis machen. Ich suchte zwölf meiner Bilder aus, die ich für meinen ersten Kalender nehmen konnte, darunter Aishwarya Rai Bachchan, Sonali Bendre und Kajol. Hauptsächlich die Schauspielerinnen, mit denen ich 1999 besonders viel zusammengearbeitet hatte. Ich druckte 1.000 Exemplare dieses Kalenders und verschickte sie an meine Freunde aus dem Medien- und Filmbereich und die Leute mochten die Idee. Sie sagten mir dann, dass ich damit jedes Jahr weitermachen müsse. Und so begann ich dann seit 2000 explizit für den Kalender Fotoshootings zu machen. Der Kalender für 2001 hatte erstmals 24 Fotos; zwölf Schauspieler und zwölf Schauspielerinnen.

BNA GERMANY: Seit 15 Jahren bringen Sie also den Kalender heraus?!

Dabboo Ratnani: Ja, es ist ein Trend geworden. Ich verlange kein Geld für den Kalender und verkaufe ihn auch nicht. Wenn ich anfangen würde, den Kalender zu verkaufen, zu kommerzialisieren, dann wäre er nicht mehr exklusiv und die Kunst würde auch verloren gehen. Heutzutage geht es doch nur noch darum, für alles bezahlt zu werden. In meinem Kalender-Projekt geht es jedoch nicht darum, sondern um die Kunst und dass du die Arbeit genießt. Wenn ich den Kalender jetzt verkaufen würde und Geld damit verdienen würde, wäre es sehr tricky, da die Schauspieler ja unentgeltlich für den Kalender posieren, ich sie nicht bezahlen muss. Ich will keinen Profit daraus schlagen. Das würde ihnen und mit ein schlechtes Gefühl geben. Daher bleibt der Kalender unverkäuflich und als etwas ganz Besonderes, Exklusives. Das ist auch der Grund, warum die Schauspieler immer wieder mit mir zusammenarbeiten; eben weil sie wissen, dass ich den Kalender niemals verkaufen würde. Die Beziehungen miteinander sind viel wichtiger, als Geld.

BNA GERMANY: Wie lange arbeiten Sie an einem Kalender, inklusive der Vorbereitungen und der Shootings?

Dabboo Ratnani: Das Konzept und die Ideen entwickle ich eigentlich das ganze Jahr über. Die Shootings finden dann meist zwischen November und Dezember statt. Manchmal sind einige Schauspieler jedoch zu dieser Zeit mit Filmdrehs beschäftigt, sodass ich dann auch schon früher mit ihnen das Kalender-Shooting mache. Ich überlege mir genau, welche Art von Fotos ich noch nicht gemacht habe oder gern machen würde und lasse mich da von verschiedensten Sachen inspirieren. Da ich oft mit den gleichen Schauspielern über die Jahre hinweg zusammenarbeite, muss ich mir genau überlegen, wie ich sie unterschiedlich aussehen lasse.

BNA GERMANY: Woher nehmen Sie die Inspirationen? Studieren Sie die Werke anderer Fotografen?

Dabboo Ratnani: Inspirationen erhalte ich von überall her. Das Leben liefert die Inspirationen. Man studiert Menschen, man studiert Orte und Situationen. Es ist schon passiert, dass ich in einem Restaurant essen war und plötzlich dachte, dass dieses Restaurant eine coole Shooting-Location wäre. Als ich eines Tages auf dem Weg in mein Büro war, sag ich jemanden auf dem Dach eines Taxis sitzen. Im Kalender habe ich dann jetzt ein ähnliches Shoot mit Kajol gemacht, wie sie im roten Kleid auf einem Taxi sitzt. 

BNA GERMANY: Wenn Sie die Inspirationen aus Situationen oder Locations haben, wissen Sie dann sofort, mit welchem Schauspieler Sie diese Situation shooten wollen, welcher Schauspieler am besten dazu passt?

Dabboo Ratnani: Wenn ich eine coole Location finde, versuche ich mit vorzustellen, welchen Style die Person auf dem Foto haben sollte. Wenn ich das Hard Rock Café wähle, denke ich mir zuerst, dass ein Mann hier besser hinpasst. Dann überlege ich, was der Typ tragen sollte; eine Lederjacke vielleicht oder was auch immer. Und dann erst überlege ich, welcher Schauspieler am besten passen würde. Jemand vielleicht wie Abhishek Bachchan. Beim Taxi-Shooting habe ich mir überlegt, der genug Mumm für ein solches Shooting haben würde und verrückt genug ist und entschied mich für Kajol.

BNA GERMANY: Wie genau geht dann ein Shooting vonstatten und wieviele Leute sind dann am Set?

Dabboo Ratnani: Die Schauspieler haben fast alle ihre eigenen Makeup-Künstler, die sie dann zum Shooting mitbringen. Ich stelle die Stylisten und Assistenten. Meine Frau Manisha arbeitet mit mir zusammen.

BNA GERMANY: Seit wann beziehen Sie Tiere in Ihre Shootings mit ein? Sie haben ja ein wunderschönes Shooting mit Arjun Rampal und einem Hund gemacht. Arbeiten generell sehr oft mit Hunden, aber auch Katzen...

Dabboo Ratnani: Ich liebe Tiere über alles und ich habe schon immer mit Tieren geshootet. 

BNA GERMANY: Arbeiten Sie eigentlich mit einer analogen oder einer digitalen Kamera?

Dabboo Ratnani: Als ich angefangen habe, habe ich mit analogen Kameras gearbeitet. Seit 2004 arbeite ich jedoch mit Digital-Kameras. 

BNA GERMANY: Wieviel Photoshop steckt in Ihren Fotos?

Dabboo Ratnani: Wie jeder Fotograf arbeite ich auch mit Photoshop, aber ich glaube nicht daran, meine Fotos mit solchen Tools zu überstrapazieren. Lediglich kleinere Korrekturen hier und dort werden durch Photoshop vorgenommen. Ich will meine Fotos noch nach Fotos aussehen lassen und nicht nach künstliche Poster. 

BNA GERMANY: Welche größeren Projekte stehen für Sie in diesem Jahr noch an?

Dabboo Ratnani: Ich habe viele Aufträge für Werbeshootings mit Stars, Fashion-Shootings und Magazin-Shootings. Nichts Besonderes also, sondern das, was ich eigentlich die ganzen Jahre über bereits mache.

BNA GERMANY: Gibt es einen Traum von Ihnen, den Sie verwirklichen wollen?

Dabboo Ratnani: Ich habe eigentlich keine Pläne für die Zukunft. Aber vielleicht werde ich einen Film drehen als Regisseur. Jedoch verfolge ich dieses Ziel jetzt nicht wirklich. Ich bin Fotograf aus Leidenschaft und habe in diesem Job wirklich genug zu tun und er bringt mir vollkommene Zufriedenheit. Ich genieße meinen Job so sehr, dass ich mir nicht vorstellen kann, jemals damit aufzuhören.

BNA GERMANY: Sie reisen ja oft nach Deutschland. Wie ist Ihr Eindruck von Deutschland?

Dabboo Ratnani: Ja, ich komme sehr oft nach Deutschland. Ich liebe dieses Land einfach. Ich bin sehr oft in Hamburg und Köln. Mein technisches Equipment erwerbe ich von einer Firma in Hamburg und arbeite mit ihnen sehr eng zusammen. Ich habe auch viele deutsche Freunde und es ist schön zu wissen, dass es in Deutschland so viele Bollywood-Fans gibt und Menschen, die auch mich kennen.

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