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04.08.2013 Von: BNA GERMANY®

Teil 3: Pioniere der Filmwirtschaft in Indien

Leute in Indien erkannten schnell das Geschäftspotential des Kinos und die Notwendigkeit, den Inhalt an die indischen Verhältnisse anzupassen, so dass er für die Inder interessanter wurde und sich verkaufte. Einer der frühen indischen Filmemacher war Hiralal Sen, Sohn eines Juristen, der seine Karriere als Photograph begann und bemerkenswerte Anerkennung erlangte. Er sah 1898 die allererste Filmvorführung in Kalkutta im „Star Theatre“, die als Doppelvorstellung die Kurzfilme eines Professors Stevensons und den Bühnenhit des „Star Theatre“, „die Blume Persiens“ umfasste. Davon angetan, drehte er seinen ersten eigenen Kurzfilm „Dancing Scenes from ´The Flower of Persia´ mit Szenen aus der Oper „Die Blume Persiens“. Professor Stevenson beriet seinen Assistenten Sen und stellt sogar seine eigene Filmausrüstung zur Verfügung, um die Tanzszenen für den Film zu drehen. Dieser Film Sens wurde im Star Theatre als Teil von Stevensons Paket bei Widerholungsvorführungen später im Jahr gezeigt. Im Jahr 1899 besorgte sich Hiralal Sen eine Filmkamera aus London und ein Vorführgerät der Firma Warwick Trading und gründete mit seinem Bruder Motilal Sen das „Royal Bioscope“. Bald begann Hiralal Sen Privatvorführungen an den Höfen der örtlichen Maharajas und begüterter indischer Adeliger zu organisieren. Er hatte weder die Technik noch das Wissen, um abendfüllende Spielfilme, wie sie in der gesamten westlichen Welt gedreht wurden, zu drehen. Deshalb begann er, mit bekannten bengalischen Theaterstücken zu experimentieren, in denen berühmte Bühnenschauspieler wie Kusum Kumari, Nepa Bose und Girish Chandra Ghosh auftraten.


Save Dada

Save Dada

Hiralal Sen

Hiralal Sen

J.F. Mandan

J.F. Mandan

Einige seiner bekannten Filme, die zwischen 1901 und 1905 gezeigt wurden, waren hauptsächlich Szenen aus Bühnenproduktionen wie „Bhramar“, „Seetaram“, „Sarala“, „Alibaba“, „Buddhadev“, „Hariraj“ und „Dol Leela“ (alle 1901), aus dem indischen Straßenleben, von Krönungsfeierlichkeiten und der Feierlichkeiten am Kaiserhofe („Delhi Durbar“) (alle in 1903). In 1904 schuf er, was als „volles und lebendiges Schauspiel“ beschrieben worden ist, nämlich einen Film namens „Alibaba und die 40 Räuber“, der mehrere Stunden lang war. Dies erfolgte jedoch erst, nachdem er einige Verbesserungen  technischer Art und Erfindungen wie die Breitleinwand, elektrische Licht-Projektion und anderes  eingeführt hatte.

Im Jahr 1906 schließlich hatte er abgesehen von einer Anzahl an Erzählfilmen, Unterhaltungsfilmen und Filmadaptionen von Bühnenstücken nicht nur eine lange Reportage über die große Teilungsbewegung in Bengalen gedreht, sondern diese auch als reguläre Veröffentlichung nach England exportiert. Abgesehen vom allerersten Spielfilm überhaupt („Alibaba“), erbrachte er seine am meisten herausragende Leistung in 1912 zur Zeit des Indienbesuch von King Georg V und Queen Mary, als er - obwohl er an Halskrebs litt und beinahe insolvent war - nahezu mühelos den Wettbewerb mit nicht weniger als vier der besten Kameramänner aus England aufnahm, die für die großen Madans (Pionierfamilie im indischen Kinogeschäft, Anm. d. Red.) arbeiteten und einem weiteren Dutzend von ihnen, die für die indische Regierung arbeiteten. Er trug den Sieg davon; er war der erste, der seinen Film mit einer breitgefächerten Berichterstattung über den königlichen Besuch herausbrachte.

Aufstieg des Mandan Theaters

Die Geschäfte des „Royal Bioscope“ liefen zwischen 1898 und 1912 gut, aber mit dem Aufstieg des „Elphinston Bisocope“ (später „Madan Theatres“), für die  J. F. Madan in einer Partnerschaft mit Pathé aus Frankreich den Anstoß gab und vieler anderer neuer Unternehmen und Firmen in Kalkutta,  begann der Abstieg des „Royal Bioscope“. Kein einziger der Sen Filme ist heute noch erhalten. Traurigerweise starb dieser Mann mit heldenhafter Vision in Armut gemeinsam mit den Früchten seiner lebenslangen Bemühungen. Die Filme, die er geschaffen hatte, wurden bei einem Studiobrand im Jahr 1917 zerstört, als 3.000 Meter Filmmaterial zu Asche verbrannten.

Harishchandra Sakharam Bhatvadekar, der auch als „Save Dada“ bekannt war, war sicherlich der erste indische Filmemacher. Als professioneller Photograph und Geschäftsmann wurde Save Dada ein Händler für Kameras und Filmausrüstungen im großen Maßstab. Er war der erste Inder, der Filmkameras aus London zu einem Preis von 21 Goldstücken schon in 1897 importierte. Während andere frühe Filmemacher seiner Zeit Auszüge aus berühmten Bühnenstücken drehten, konzentrierte  er sich darauf, das Leben auf den Straßen zu filmen. Als er Filme in Bombay drehte, entschied er sich, etwas, das näher am Leben und interessanter für die Zuschauer war zu drehen. 

Speziell dafür wurde deshalb ein Ringkampf zwischen den zwei Ringern Krishna Nahvi und Pundalik Dada geplant und in den Hängenden Gärten von Bombays (ein Park auf dem Malabar Hill, Anm. d. Red.) organisiert, so das ein Film über den Kampf gedreht werden konnte. Die zweite Hälfte des Films zeigte das Herumtollen und die Späße von Affen.  Sein bekanntestes Drehmaterial aber war über die Rückkehr von Raghunath P. Paranjpe, einem Cambridge-Absolventen, der eine besondere Auszeichnung für seine Mathematik- Leistungen hatte, mit dem Title „Sir Wrangler Mr. P. Paranjpe“ vom 7. Dezember 1901. Dies war sicherlich das früheste thematische Aktualitätenkino, das in Bombay aufgenommen wurde. Etwas später berichtete Bhatvadekar über das Delhi Durbar, das von Lord Curzon (von 1899 bis 1905 Vizekönig von Indien, Anm. der Red.) veranstaltet wurde, um die Krönung von König Edward VII im Jahr 1903 zu feiern. Es gibt zahlreiche Datumsstreitigkeiten in der Geschichte des indischen Kinos über die Produktionen von Bhatvadekar, aber sein Beitrag zur Verbreitung der indischen Kinotradition ist unbestritten.

Charles Pathé, ein Zeitgenosse Lumiéres erkannte den dringenden Bedarf, Rohfilm und Filmausrüstung selbst herzustellen, da der Import eine teure Angelegenheit war. Er löste bald das Problem, indem er nicht nur die den Rohfilm selbst herstellte, sondern auch Filme produzierte. Pathé kam bereits im Jahr 1900 nach Indien.

Anfangs sandten sie ein Filmteam nach Indien (Kalkutta), um dort einige Szenen zu drehen. Hiralal Sen, der einzige Inder mit Filmerfahrung zu dieser Zeit, gesellte sich zu ihnen und drehte mit ihnen gemeinsam, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Pathé betrieb eine Werbekampagne, um Kinovorstellungen weltweit zu verbreiten. Was Pathé den Austellern anbot war ein Paket: Eine „Baby Cinema Kamera“ sowie ein Projektor und Rohfilm für 250 Rupien. Dies versetzte den Käufer in die Lage, seinen eigenen Film herstellen und vorführen zu können. Diese Entwicklung erleichterte die internationale Verbreitung des Kinos, und auch Indien blieb nicht unberührt davon. Das Unternehmen Pathé eröffnete schließlich in 1907 sein Büro in Indien. Dies löste einen bedeutenden Schub für die Filmwirtschaft in Indien aus, da viele Unternehmer mit Pathé zusammenarbeiteten und Entwicklungsarbeit leisteten.

Ein solcher Unternehmer war J. F. Madan. Hineingeboren in eine parsische Mittelschichtfamilie von Theaterliebhabern begann Jamehedji Framhi Madan (1865 – 1923) gemeinsam mit seinem Bruder Pestonji seine Karriere als Schauspieler. Jamehedji selbst spielte in Nesserwanji Parekhs „Sulemani Shamseer“ (1873 von Elphinstone produziert) und Pestonji spielte Hauptrollen in 2 berühmten Stücken dieser Tage, „Gul e Bakavali“ und „Jehangir“. In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts kaufte Jamehedji Framji Madan zwei bekannte Theatergesellschaften, das „Elphinstone“ und das „Khatau-Alfred“ und übernahm auch deren Kreativmitarbeiter und die Rechte ihrer Produktionen.

1902 verlegte er seine Niederlassung nach Kalkutta und gründetet eine weitere Firma: „J. F. Madan & Sons“. Der erste Kurzfilm, den Madan produzierte war ein Film, der von Jyotish Sarkar über die „Große Bengalische Teilungsbewegung“ gedreht wurde. Diesen stellten sie in 1905 im Elphinstone vor. Madan machte weiter und produzierte „Bal Gangadhar Tilak´s Visit to Calcutta“ und „Procession“ in 1905, „The Terrible Hyderabad Flood „ in 1908, „The Fugitive Lamas flight to Darjeeling und Procession“ in 1910, „His Majesty King George V und Queen Marys Visit to Bombay“ in 1911,  „The Delhi Durbar and Coronation“ in 1911  (welcher aus politischen Gründen verboten wurde) und das „Baumwollfeuer in Bombay“ in 1912.

Die Aktiengesellschaft "Mandan Theatres" wird wichtigster Filmproduzent

Während andere Unternehmer ihre Tore schließen mussten, als der Hauptfilm auf die Bildfläche trat,  fächerte Madan sich auf und nutzte die Entwicklungen zu seinem Vorteil. Im Jahr 1919 wandelte er seine Firma in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen „Madan Theatres“ um und produzierte seinen ersten Film „Bilwamanal“. Dieser erzählte die Geschichte eines untreuen Ehemanns auf Abwegen, der zu seiner Frau zurückkehrt; es war auch der erste Spielfilm, der in Kalkutta produziert wurde. Madan war bekannt dafür, die besten Talente seiner Zeit anzustellen. Mehrere gewichtige Talente, die er einstellte, waren Aga Hashr Kashmiri, Betaab, Patience Cooper und Seeta Devi. In 1907 erhielt Elphinstone den Zuschlag für die Agenturrechte für Pathé. Nach dem Tod von J. F. Madan übernahm sein drittältester Sohn Jeejeebhoy Jamehedhi Madan die Firma und erweiterte das Unternehmensgebiet. In den 1920ern waren die Madans schließlich eine sehr erfolgreiche Firmengruppe und Indiens wichtigste Familie im Filmgeschäft. Indem sie Vertriebsrechte ausländischer Filme an sich zogen, konnte Madan eine Kinokette aufbauen, die sich über Indien, Burma und Ceylon erstreckte. Traurigerweise begann in den späten 30ern aufgrund eines geplatzten Geschäfts mit Columbia der Abstieg der „Madan Theatres“. J B H Wadia beschreibt in einer seiner seltenen Kommentare J. F. Madan als den „Königlichen Hoflieferanten“ („Shah Saudagar“) des Indischen Kinos.

Die Geschichte der Unternehmer ist damit noch nicht zu Ende. Andere  Wegbereiter waren Manek D Sethna, Abdullally Essofally, Swamikannu Vincent und Raghupathy Venkiah. Sie leisteten einen wesentlichen Beitrag zum Wachstum des indischen Kinos in seinen Anfangsjahren…

 

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