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04.08.2013 Von: BNA GERMANY®

Teil 2: Gefesselt vom Film

Die ersten Filmvorführungen in Indien 1896 verursachten einen riesigen Ansturm. Vor dem Kino im Watson's Hotel bildeten sich lange Warteschlangen, weil sich jeder das Wunder des Jahrhunderts anschauen wollte. Marius Sestier, der Repräsentant der Lumiére Brüder setzte seine Filmvorführungen bis zum 15. August 1896 im Watson's Hotel fort und wechselte dann in das Novelty Theatre, welches mehr Sitzplätze für die wachsende Zuschaueranzahl bot. Das Novelty Theatre war auch der Ort, an dem sich eine neue Art des Kinobesuchs entwickelte. Dies hat weniger mit dem Kino an sich oder der Technik zu tun, als vielmehr damit, wie der Kinobesuch als solcher von den Zuschauern zelebriert wurde und auch noch heute wird: Die Popularität des Kinos wuchs unaufhaltsam und zog sich durch alle Gesellschaftsschichten. Um dem Publikum die Zeit des Wartens angenehmer zu machen, wurde in den Kinos Musik gespielt. Der Kino-Besuch gestaltete sich so zu einem gesellschaftlichen Ereignis.


Der erste Kurzfilm in Schwarz/Weiss, der in Indien im Watson Hotel (Mumbai) gezeigt wurde: "Arrival of a Train".

Der Erfolg dieser Filmvorführungen öffnete Abenteurern und talentierten Indern, die das Potenzial dieses Wunders der bewegten Bilder und dieser neuen Technik erkannten, ungeahnte neue Möglichkeiten. Sie erkannten, welchen Einfluss das Kino auf die Menschen hat und welches großartige Geschäftspotenzial dahinter steckt. Geschäftstüchtige Inder forderten Kopien der Filme, um sie auch außerhalb Mumbais zeigen zu können. Es entstand das Wanderkino. Dafür brauchte es oftmals nicht mehr als ein Zelt und eine einfache Leinwand. Die Tickets kosteten zwischen vier Annas bis zu einer Rupie, umgerechnet zwischen einem halben Cent und etwas über einem Cent, je nach Veranstaltungsort; einem Preis der aus heutiger Sicht fast lächerlich erscheinen mag. Noch heute gibt es die "Halber Cent"-Klasse oder Chavanni Class, wie sie in Indien genannt wird - jene Gesellschaftsklasse, die zur untersten Unterschicht gehört und doch einen Großteil der Kinobesucher ausmacht und somit auch Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg eines Films am Box-Office ausübt.

Ende 1896 begann die Monopol-Stellung der Lumiére-Brüder zu schwinden und neue Geschäftemacher traten in den Markt ein. Obwohl die ersten Kurzfilme von Vitagraph und Pathé erst 1897 auf den Markt kamen, war die Entwicklung die das Kino Dank der Lumiére-Brüder genommen hat, hilfreich für den Filmmarkt. Schon bald wuchs die Konkurrenz unter den Filmemachern und Filmvorführern. Es wurde begonnen, Filmaufnahmen von indischen Gesellschaftlichen Events zu machen und diese Filme vor den eigentlichen Filmvorführungen in den Kinos zu zeigen. Damit konnte erreicht werden, dass die Gesamtdauer der Kinovorstellungen länger dauerte und gleichzeitig noch mehr Menschen in die Kinos gezogen wurden. Der Filmemacher Anderson beispielsweise nahm mit seiner Kamera "Arrival Of A Train At Bombay Railway Station" auf und ebenso "Poona Races"; beide Filme kamen beim Publikum sehr gut an und liefen erfolgreich in ganz Indien. Ein anderer Filmemacher, P.A. Stewart hingegen konzentrierte sich auf Events, die er Filme und anschließend in den Kinos zeigte.

Knapp sechs Monate nach der ersten Filmvorführung in Mumbai erreichte das Kino im Dezember 1896 auch Kalkutta, die Hauptstadt von British India. Allerdings fanden hier erst ab 1898 regelmäßig Filmvorführungen statt. Professor Stevenson organisierte die erste reguläre Vorführung im Star Theatre in Kalkutta. 1899 gründete Hiralal Sen, der junge Assistent und Filmvorführer von Stevenson "The Royal Bioscope" und wurde selbst zum Produzenten.

Jeder, ob groß oder klein, ob arm oder reich wollte unbedingt das Wunder der bewegten Bilder selbst erleben. Daher begannen die Vorführer, mit Ochsenkarren, einem Filmprojektor und einem Filmvorführer von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt zu wandern. Dieser Wanderungen waren in Indien nichts Ungewöhnliches, da es schon seit jeher in Indien Tradition war, auch mit Theatervorführungen durch die Lande zu reisen. Schon bald änderte sich die technische Ausstattung für Filmvorführungen und wurde damit auch handlicher und leichter transportierbar. Und so reisten die Filmvorführer, die "Bioscope-Companies" genannt wurden, ähnlich wie die Nautankis und Jatras - Volkstheater in Nordindien und Ostindien - durch Indien und campierten jeweils einige Tage in den Orten, in denen sie ihre Filmvorführungen hatten. Durch Trommeln und lauthalsen Bekanntmachungen auf den Straßen des Ortes kündigten sie ihre Filme an warben bei den Einwohnern dafür. Bevor die Filmvorführer einen Ort verließen und zum nächsten weiterzogen, versprachen sie, in den nächsten Monaten wiederzukommen und neue Filme zu zeigen.

So nahm der Sturm auf die Kinos und die Popularität des Films Ende des 19. Jahrhundert seinen Anfang in Indien und hat die indische Gesellschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten für immer verändert und zu einer Nation der Filmverrückten gemacht. Noch immer ist die Leidenschaft der Inder für den Film und das Kino legendär.

 

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