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04.08.2013 Von: BNA GERMANY®

Die Geschichte des Marathi-Kinos

Es ist schwer, mit sicherer Gewissheit zu sagen, wann das Marathi-Kino entstanden ist. Vielleicht begründete 1912 der Film „Pundalik“ das Marathi-Kino; vielleicht aber auch 1913 der Film „Raja Harishchandra“ von Phalke? Bei beiden genannten Filmen handelt es sich um Stummfilme. In „Pundalik“ geht es um einen Heiligen, der Gott auf sich warten lässt, da er immer erst seine Eltern zu Bett bringen will. Beide Filme waren typische Marathi-Filme, vom Lebensstil her, der gezeigt wurde und von der Atmosphäre der Filme. So können beide Filme sicher dem Marathi-Kino und seinen Anfängen zugeordnet werden. Fast alle frühen Marathi-Filme wurden ausschließlich von Maharashtra-Filmemacher produziert; von Filmemachern wie Phalke, Baburao Painter, Sairandhri, Singhagad, Savkari Pash oder V Shantaram. Letzterer sorgte mit seinem Film „Swarajya Toran“ bei den Briten für Ärger und sie forderten V Shantaram auf, den Filmtitel zu ändern. Der Film ist heute unter dem Titel „Udaykal“ bekannt. Sicher ist jedenfalls, dass im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts die Geschichte des Marathi-Kinos begann.


Sant Tukaram

Szene aus "Sant Tukaram"

V Shantaram

Regisseur V Shantaram

Prabhat als Pionier des Marathi-Kinos

Der erste Ton-Film des Marathi-Kinos ist jedoch „Ayodhyecha Raja“ von V Shantaram. Der Film wurde von Prabhat produziert und es gibt ihn in der Hindi-Version und der Marathi-Version. Der Film wurde über die Grenzen Maharashtras hinaus ein Hit. Die Frühen Marathi-Filme orientierten sich sehr an mythologischen Erzählungen, historischen Ereignissen oder Heiligen des Landes und gaben ihre Geschichten wieder. In den Anfängen des Marathi-Kinos war dies eine Tradition geworden. Die Filme handelten von Helden wie Eknath, Tukaram und Dhyaneshwar. Die meisten dieser Filme wurden in den technisch bestens ausgestatteten Studios von Prabhat produziert und zeugten von einer ausgezeichneten Qualität, die auch international Beachtung fand. So wurde der Marathi-Film „Sant Tukaram“ beispielsweise auf dem Venice International Film Festival 1936 mit einem Award ausgezeichnet. Und das zu einer Zeit, als kaum ein indischer Film je auf einem internationalen Filmfestival vorgestellt wurde. Und selbst noch heute besticht der Marathi-Film durch eine technische Brillanz. Prabhat gilt als Pionier des Marathi-Kinos. Auch sein Film „Dhyaneshwar“ fand weltweite Anerkennung, vor allem durch die eingesetzten Special Effects im Film. Bei beiden Filmen – „Sant Tukaram“ und „Dhyaneshwar“ – führten Damle und Fattelal Regie. Prabhat experimentierte auch schon früh, ab 1933, mit der Farbtechnologie, die er sich bei den Deutschen abgeschaut hatte. So wurde „Sairandhri“ der erste Multi-Colour-Film des Marathi-Kinos. Der Film war allerdings nicht erfolgreich. Auch wenn es sich in den frühen Filmen hauptsächlich um Mythologien und Geschichte drehte, so gab es dennoch auch einige Filme, die sich der Gesellschaft kritisch näherten und dem Zuschauer eine Message mit auf den Weg gaben. Zumeist sollten diese Filme das Publikum aufrütteln, sich gegen die Briten zu erheben. Die Zuschauer wurden an die eigene reichhaltige und traditionelle Kultur erinnern, an die eigenen Werte und den eigenen Glauben. Das Volk sollte aufstehen, sich vereinen und sich gegen die britische Vorherrschaft auflehnen.

Von der Mythologie zur Sozialkritik

1935 führte Vinayak, ein Assistent von Shantaram, Regie in „Vilasi Ishwar“, dem ersten sozial-kritischen Tonfilm. Der Film lehnte sich an die damals sehr bekannte Erzählung „Mama Warerkar“ an und erzählt die Geschichte eines Waisenkindes, das sich gegen die schlechte Behandlung von Waisen in der indischen Gesellschaft auflehnt. Der Film wurde zwar kein Hit am Box-Office, legte aber den Grundstein für alle weiteren sozial-kritischen Filme, die das Kino erreichten und somit die Bevölkerung. Der sozial-kritische Film wurde zum Instrument, um auf die Missstände im Land aufmerksam zu machen. Vinayak drehte in den Folgejahren noch viele weitere bedeutungsvolle Filme, wie „Chhaya“, „Devta“, „Brahmchari“, „Ardhangi“, „Lagna Pahave Karun“ und „Sarkari Pahune“. Er brachte mit seinen Filmen Satire in die Kinos. Auch wenn Filmemacher wie Vishram Bedekar sich ebenfalls in diesem Feld der Satire bemühten, so blieb Vinayak ungeschlagen ein wahrer Meister seines Fachs. Bhalji Pendharker, ein Marathi-Filmemacher, der sich ursprünglich auch auf mythologische Filme konzentrierte, wandte sich zu dieser Zeit auch der gesellschaftskritischen Satire zu. Sein Film „Soonbai“ wurde ein wahrer Hit an den Kinokassen. 

Shantaram führte zu dieser Zeit ebenfalls für sozial-kritische Filme Regie. Darunter die beiden Filme „Kunku“ und „Manoos“, die beide Shanta Apte in der Hauptrolle zeigen. Beide Filme wurden hochgelobt, aufgrund der guten schauspielerischen Performance und der Message der Filme. Beide Filme waren Frauen-orientierte Filme und sollten einen Protest der Frauen gegen die gesellschaftlichen Umstände darstellen. Heute gelten „Kunku“ und Manoos“ als Klassiker des Marathi-Kinos. Der nächste Film Shantarams war „Shejari“. Dieser Film lehnte sich an das Skrip von Vishram Bedekar an und befasste sich mit der Thematik von Hindu-Moslem-Mischehen; einen zeitgenössischen Problem der damaligen Zeit, in der die Politik des Hasses und die Hervorhebung der Verschiedenheiten an der Tagesordnung waren. Im Gegensatz zu Vinayak bediente sich Shantaram jedoch nicht der Satire als Hilfsmittel zur Überbringung der Message, sondern ließ seine Filme so realitätsnah wie möglich erscheinen. Sie sollten die ganze unverblümte Wahrheit zeigen. 

Schwere Zeiten in den 40er Jahren

Zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges kamen erstmals Fragen der Lizenzrechte auf und das Marathi-Kino litt zu dieser Zeit. Die Filmemacher konzentrierten sich fortan mehr auf die Produktion von Hindi-Filmen. Allerdings produzierten die Prabhat-Studios zu dieser Zeit, trotz aller Umstände, den Marathi-Film „Ramshastri“, der ein Riesenerfolg wurde. Regie führte Gajanan Jagirgar, der auch selbst im Film performte und in der Rolle des Ramshastri zu sehen war. Der Film erzählt die Geschichte eines Richters, der den Mut hatte, sich öffentlich für den Tod des regierenden Herrschers auszusprechen. Noch heute gilt dieser Film als einer der besten Historien-Filme Indiens.

Nach der Unabhängigkeit Indien blühte langsam auch wieder das Marathi-Kino auf und neue Regisseure und neue Filme eroberten die Kinos. Shantaram veröffentlichte „Amar Bhoopali“ und Shyamchi Aai brachte seinen Film „Acharya Atre“ auf den Markt, der sofort mit der ersten Goldmedaille durch den indischen Präsidenten ausgezeichnet wurde. Mit Regisseuren wie Raja Paranjpe, Anant Mane, Datta Dharmadhikari und Ram Gabale erreichte das Marathi-Kino eine neue Dimension. Sorgten diese Regisseure für Box-Office-Erfolge, so gab es einen Regisseur, der das Marathi-Kino wieder ins internationale Rampenlicht brachte: Anant Mane veröffentlichte seinen Film „Sangte Aika“, der ein Super-Erfolg wurde.

Aufstieg des Marathi-Kinos in den 70er Jahren

In den 60er Jahren verlor das Marathi-Kino dann allerdings einen Großteil seines Publikums an das Hindi-Kino. Der Staat Maharashtra wurde gegründet und die Regierung tat alles, um das Marathi-Kino am Leben zu erhalten. Nur wenige nennenswerte Filme entstanden in dieser Zeit in Marathi. Erst in den 70er Jahren begann das Marathi-Kino, sich wieder langsam von der Flaute zu erholen. Satyadev Dubey und Govind Nihalani kamen mit ihrem Film “Shantata Court Chalu Aahe” auf den Markt, einem Film, der sich an ein Theaterstück von Vijay Tendulkar lehnte und eine neue Ära des Marathi-Kinos einläutete. Ein weiterer wichtiger Regisseur dieser Zeit war Dr. Jabbar Patel, der 1975 „Saamna“ veröffentlichte; gefolgt von den Filmen „Jait Re Jait“ (1977), „Simhasan“ (1980) und „Umbartha“ (1981). Jabbar Patel sah das Kino als Medium, die Gesellschaft zu erreichen. In seinen Filmen zeigte er die Ideale der Gesellschaft. Die Filme von Jabbar Patel standen für Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Zu der gleichen Zeit, als er „Saamna“ veröffentlichte, kam Shantaram mit seinem Film „Pinjara“ zurück in das Marathi-Kino. Ein Regisseur fand jedoch seitens der Filmkritiker der damaligen Zeit unberechtigter Weise kaum Beachtung: Dada Kondke. Er sprach in seinen Filmen die Sprache des einfachen Mannes, mit Träumen und Wünschen. Er war der Filmemacher für das Volk und wurde daher von den meisten Filmkritikern und auch noch heute in den meisten Filmgeschichtsbüchern kaum erwähnt und anerkannt.

Amol Palekar, der seine Karriere als Hauptdarsteller vieler Arthouse-Filme begann, wandte sich ebenfalls der Regie zu. Sein Regiedebüt gab er 1981 mit dem Film „Akriet“. In diesem Film schaffte er es, die Schauspieler auf wunderbare Weise in Szene zu setzen und spielte selbst in dem Film  mit. Jeder Charakter in dem Film konnte wachsen und hatte die verschiedensten Dimensionen und Schattierungen. Zuvor hatte Amol Palekar bereits in Satyadev Dubeys Film „Shantata Court Chalu Aahe“ mitgespielt und etablierte sich nun langsam selbst als Erfolgsregisseur. Zu seinen weiteren Filmen zählen „Thoda Sa Roomani Ho Jaayen“, „Bandarwadi“, „Kairi“ und „Anahat“. Später wurde ihm angeboten, die Regie für Shahrukh Khans Hindi-Film „Paheli“ zu führen. Der Film war ein Remake des Films „Duvidha“ von Mani Kaul und basierte auf einer Erzählung von Vijay Dhan Deta.

Vijaya Mehta, die Schwiegertochter von Durga Khote, führte 1986 in dem Film „Rao Saheb“ Regie. Wie Amol Palekar lernte sie ihr Handwerk am Theater und eroberte das Marathi-Kino mit ihren Dramen. Auch das Filmemacher-Paar Nachiket und Jayu Patwardhan muss Erähnung in der Geschichte des Marathi-Kinos finden. Ihr Film „22 June 1897“, der von der Exekution der Chapekar-Brüder, die den britischen Offizier Walter Rand ermordeten, findet selbst heute noch viel Beachtung.

Rosige Zeiten für das Marathi-Kino

Heute ist das Marathi-Kino fester und etablierter Bestandteil des Indischen Kinos. Junge Filmemmacher wie Sanjay Surkar, Sandeep Sawant, Sumitra Bhave und Sunil Sukthanker produzieren provozierende und zum Nachdenken anregende Filme, verbunden mit bester Technik und neuen Mitteln. Sandeep Sawants Film „Shwaas“ ist nicht nur der erste Marathi-Film, der den National-Award gewonnen hat, sondern wurde zudem auch als Indiens offizieller Beitrag für die Oscars nominiert. Und auch das Team Sumitra Bhave und Sunil Sukthanker haben in jüngster Vergangenheit viele beachtenswerte Filme produziert, darunter Filme wie „Dahavi Pha“, „Devrai“, „Deool“ und „Harishchandrachi Factory“. Das Marathi-Kino hat heute Stars wie Atul Kulkarni, Sonali Kulkarni, Arun Nalawade, Vikram Gokhale, Mahesh Manjrekar, Bharat Jadhav, Dilip Prabhavalkar und Aditi Deshpandey neben Dr. Sreeram Lagoo, Nilu Phule, Reema Lagoo und Sulabha Deshpandey. Die Zukunft des Marathi-Kinos sah niemals rosiger aus als heute.


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