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04.08.2013 Von: BNA GERMANY®

Ein Tag am Set von „Chennai Express“ - Teil 2

Während sich Deepika und Shahrukh direkt in ihre Zelte begaben, sich dort umzogen und ihr Make-Up verpasst bekamen, besprach Regisseur Rohit Shetty mit den Statisten die erste Szene, die an diesem Tag gedreht werden sollte. Sie meisten Statisten kamen aus Südindien, um dem Film, der der Geschichte nach ja auch Großteils in Chennai spielt, mehr Authentizität zu geben. Als stille Beobachter platzierten wir uns seitlich der Shooting-Location und unterhielten uns mit den Crew-Mitgliedern, die für den Aufbau des Sets zuständig waren. Wir wurden mit Fragen überschüttet. Was das große Interesse an uns begründete, war zwar zum einen, dass wir die einzigen Weißen am Set waren, doch sicherlich auch, dass wir die einzigen Frauen, neben Deepika und drei anderen indischen Frauen waren…allein unter fast 300 Männern. An sich vielleicht eine beängstigende Situation, doch unter diesen Umständen und mit all der Fürsorge, die uns entgegengebracht wurde, fühlten wir uns absolut sicher. Und wir befanden uns zudem an einem der sicher schönsten Plätze ganz Goas und genossen einfach diese Landschaft und Natur. Einige freilebende Affen leisteten uns an der Shooting-Location Gesellschaft und wurden von uns mit Obst gefüttert.


"Chennai Express"

"Chennai Express"

Deepika Padukone

Deepika Padukone nach Drehschluss

Rohit Shetty

Rohit Shetty relaxt in der Zwangspause

Shahrukh Khan

Shahrukh Khan spielt Kricket

Währenddessen begannen bereits die Dreharbeiten für die erste Szene. Dies machte sich bemerkbar durch das plötzliche Laute Aufschreien der knapp 200 Statisten, die allesamt ihre gefakten Säbel in die Luft hoben und dabei eben diesem Schrei ausstießen. Wir verstummten, da wir diese Szene nicht stören wollten. „Das braucht ihr nicht. Ihr könnt ruhig weiterreden. Der Film wird später sowieso synchronisiert“, sagte uns Rohit Shettys Assistent James und ergänzte: „Ihr müsst lediglich darauf achten, nicht im Bild zu stehen.“ Und das konnte uns nicht passierten, da uns James bei jeder Szene eifrig erklärte, wie der Kamerawinkel ist und wo wir uns bewegen könnten, ohne im Bild zu sein. Und so zog sich die erste Szene, die mit den schreienden Statisten noch einige Male wiederholt wurde, insgesamt zwei Stunden hin. Gegen Mittag kam dann der Auftritt von Shahrukh und Deepika, die mittlerweile umgezogen und geschminkt waren und sich bis dahin angeregt in ihrem Zelt, das ihnen in der Hitze erholsamen Schatten bot, mit uns unterhielten. 

Sie gingen nun zusammen, begleitet von jeweils einem Mann, der ihnen einen Sonnenschirm hielt, zu der Stelle, an welcher ihre Szene, ein kurzer Dialog am Zug und mit den südindischen Statisten im Hintergrund, spielte. Wir befanden uns jedoch zu weit weg, als dass wir mitbekommen konnten, wie der Dialog ist. Doch allein schon die völlig überzogene Mimik und Gestik von Shahrukh und Deepika zu sehen, war lustig. Plötzlich erklang ein lautes Horn und jeder rannte hastig vom Bahnsteig und den Schienen weg. Der „Chennai Express“ fuhr los und verwand aus unserem Sichtfeld. Alle Kisten und Gegenstände, die sich nahe den Schienen befanden, wurden von dort weggeräumt. Etwas verwundert darüber, was das wohl zu bedeuten hatte, schauten wir drei uns gegenseitig fragend an. Und dann sahen wir auch schon den Grund dieser plötzlichen Räumungsaktion: ein regulärer Güterzug passierte die Brücke, auf welcher wir waren und die auch nur einen Schienenstrang hatte. „Der Chennai Express steht jetzt dort hinten, dort gibt es ein Abstellgleis“, erklärte uns James und deutete auf eine Biegung hinter der Brücke. 

Die Crew nahm diese Unterbrechung als Anlass für eine Mittagspause. Während wir, Shahrukh, Deepika, Rohit Shetty, James und die anderen drei Frauen super leckeres Essen serviert bekamen, erhielten der Rest der Arbeiter und die Statisten einfaches Dal mit Roti serviert, dazu viel Obst und Wasser. Und immer wieder kam einer der Köche vorbei und bot uns Chai an. Zwischenzeitlich war der Güterzug passiert und der Chennai Express stand wieder an Ort und Stelle. Shahrukh und Deepika spielten die Dialog-Szene noch zweimal durch, bevor die nächste Szene direkt vor unseren Augen gedreht wurde. Wir haben uns hierfür neben Rohit Shetty gesetzt und sahen zum einen Shahrukh direkt vor uns und zum anderen auf dem Bildschirm, der die Kameraeinstellung wiedergab. Rohit Shetty war sehr konzentriert; stand ein paar Mal auf und zeigte Shahrukh, mit welchen Bewegungen er die Szene zu spielen hatte. Hierbei handelte es sich um eine Szene zwischen Shahrukh und einem der südindischen Männer, der scheinbar den Anführer der Gruppe spielte. Diese Szene war nach fünf Durchgängen schnell im Kasten und der Set-Umbau für die letzte Szene des Tages begann. Es war mittlerweile 14 Uhr, und selbst im Schatten hatten wir noch 34 Grad. Wir wussten, dass wir um 15 Uhr Drehschluss hatten, weil der Zug um 16 Uhr wieder zur Kulem Railway Station fahren musste, wenn er den weiteren Güterverkehr nicht stören wollte. Doch erst 15.30 Uhr war die letzte Szene im Kasten und es wurde mit den Abbau- und Aufräumarbeiten begonnen. 

So schnell, wie die gesamte Shooting-Location in  den Morgenstunden aufgebaut wurde, passierte auch der Abbau. Wir begaben uns dann um 16 Uhr in den Zug. Shahrukh, Deepika und Rohit Shetty waren bereits eingestiegen. Und auch der Making-Of Director Parakram und James kamen zu uns. Da sich Shahrukh und Deepika, mittlerweile wieder in legeren Klamotten, in ihren Abteilen zum Schlafen hingelegt hatten, unterhielten wir uns angeregt mit den anderen drei Herren. Rohit Shetty drückte sein Bedauern aus, dass er erst so spät davon erfuhr, dass wir in Goa sind. Sonst hätte er uns gern bei den anderen Drehtagen, die bereits die Tage zuvor in Goa stattgefunden haben, dabeigehabt. Er erzählte uns, dass dies Shahrukhs letzter Drehtag in Goa sei und er nach der Abschlussfeier des IFFI Goa, bei welcher er als Ehrengast geladen war, nach Marakesh fliegen würde. Da fiel uns ein, dass auch wir uns ziemlich beeilen mussten, wenn wir wieder im Tal ankommen würden, schließlich fing die Closing Ceremony des IFFI Goa schon um 20 Uhr an. Das einzig beruhigende war jedoch, dass Shahrukh ja das gleiche Problem hatte, wie wir; schließlich saßen wir ja im gleichen Zug. Dieser kam dann auch endlich, gegen 17 Uhr, nachdem alles und jeder im Zug Platz gefunden hatte, in Bewegung. 

Doch nach nur einer viertel Stunde hielt der Zug plötzlich mitten im Nirgendwo. Ein Crew-Mitglied gab uns dann die Info, dass wir hier eine Stunde lang halten würden, da wir auf einen Gegenzug warten und dies hier die einzige Stelle weit und breit war, in der es zwei Gleise gab. So standen wir nun auf diesem einen Ausweichgleis und verharrten der Dinge, als langsam einige Crew-Mitglieder und einige Statisten den Zug verließen und ausstiegen. Shahrukh und Deepika sind wach geworden und haben sich ebenfalls entschlossen, auszusteigen. Und so folgen wir ihnen. Einige Männer brachten Plastik-Stühle nach draußen und so saßen wir alle in dieser Waldlichtung im Dschungel. Aus welchen Gründen auch immer fingen plötzlich Rohit Shetty und Shahrukh an, eine vereinfachte Form des Kricket zu spielen. Deepika und die drei anderen Frauen saßen bei uns und wir beobachteten amüsiert gemeinsam das Geschehen. Allmählich gesellten sich mehr und mehr Männer zu den beiden Kricket-Spielern und spielten mit. Die ganze Situation schien uns sehr surreal. Obwohl wir den Zeitdruck hatten, nahmen wir die Situation mit der indischen Gelassenheit hin und hatten ebenfalls unseren Spaß. Nachdem schließlich der Gegenzug nach überraschenderweise bereits 45 Minuten passiert war, stiegen wir alle wieder flugs in den Zug, der auch sofort die Fahrt wieder aufnahm. 

Um 18.30 Uhr erreichten wir schließlich die Kulem Railway Station, wo auch schon unser Fahrer auf uns wartete. Doch nicht nur unser Fahrer, sondern auch Shahrukhs Fahrer. Doch der Bahnhof war gefüllt mit Menschenmassen, mit Fans von Shahrukh und Deepika, die alle davon mitbekommen hatten, dass das Team hier dreht. So gelang es zwar noch Deepika, den Zug und Bahnhof schnell zu verlassen, doch Shahrukh kam nicht aus dem Zug heraus. Sicherheitsleute mussten für ihn einen Fluchtweg finden. Rohit Shetty, als Kapitän der Mannschaft, blieb so lange im Zug, bis er sicher war, dass Shahrukh unbeschadet zu seinem Auto gekommen war und verließ dann als letzter den Zug. Es war mittlerweile schon dunkel geworden und wir fuhren hinter Shahrukh in unserem Auto nach Panjim, wissentlich, dass nicht nur wir, sondern auch Shahrukh zu spät zur Closing Ceremony kommen würden. Um 20 Uhr erreichten wir unser Hotel und Shahrukh seins. Für uns alle hieß es jetzt, schnell duschen, umziehen und zurechtmachen für die abendliche Gala. Fix und fertig erreichten wir schließlich die Event-Location. Shahrukh war selbstverständlich schon vor uns dort und wurde bereits von den Festival-Gästen umlagert und in Beschlag genommen. Wir grinsten hingegen nur in uns hinein, hatten wir doch gerade den ganzen Tag mit dem King of Bollywood verbracht…


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