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01.01.2011 Von: BNA GERMANY®

Adoor Gopalakrishnan – Filmemacher par excellence

Der Name des Malayalam - Filmregisseurs Adoor Gopalakrishnan steht für bedeutungsvolles Kino und Qualität. Er hat das Drehbuch für elf Spielfilme und fünf Kurz- und Dokumentarfilme geschrieben und diese auch gedreht. Seine Arbeiten haben ohne Ausnahme nationale und internationale Anerkennung und Lob gefunden, er ist ein Garant für Qualität und gutes Kino. Adoor hat daneben auch drei Bücher über das Kino geschrieben, sein Werk mit dem Titel „Cinemayude Lokam“ (Die Welt des Kinos) wurde mit dem National Award für das Beste Buch zum Thema Kino ausgezeichnet.


Adoor Gopalakrishnan

Adoor Gopalakrishnan

Anders als früher drehte Adoor seine letzten beiden Film innerhalb von 2 Jahren direkt hintereinander: „Nalu Pennumgal“ (Vier Frauen) und „Oru Pennun Randanum“ (Ein Klima für Verbrechen). „Vier Frauen“ erzählt die Geschichte von vier Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher sozialer Herkunft. Obwohl die Geschichte vor knapp einem halben Jahrhundert spielt, misst Adoor ihm zeitgemäße Relevanz bei. Dieser Film zeigt sehr pointiert, dass die Lebensbedingungen der Frauen sich sogar nach 5 Jahrzehnten nicht wesentlich verändert haben. Adoors letzter Film, „Ein Klima des Verbrechens“, erkundet detailliert die Motive hinter einem Verbrechen. Ein Polizist agiert wie ein Krimineller, beraubt einen armen Riksha-Zieher und beschuldigt ihn fälschlicherweise einer Straftat. Jeder Film enthält vier Geschichten von gleicher Länge, und zusammengesetzt ergibt sich das Gefühl einer einheitlichen langen Geschichte. Seine Präsentation ist feinsinnig und gleichzeitig kraftvoll.

Der Phalke Award hat über Adoor zum ersten Mal in seiner Geschichte Kerala und das Malayalam Kino erreicht, und das sogar wortwörtlich. Adoor, der erste Vorname des anerkannten Filmregisseurs, ist ebenfalls der Name einer Stadt, und zwar seiner Heimatstadt. Vielleicht ist Adoor der jüngste Empfänger dieser begehrten Auszeichnung. Als unzweifelhaft verdientester Kandidat auf dem Spielfeld des Malayalam Kinos, ist Adoor die sich aufdrängende und naheliegende Wahl für die Auszeichnung. In einer Laufbahn, die sich über zwei Jahrzehnte erstreckt, hat Adoor Gopalakrishnan nur neun Spielfilme gedreht, da ihm die Qualität wichtiger ist als die Quantität. Das ist auch der Grund, weshalb er immer eine zeitliche Lücke zwischen seinen Filmen gelassen hat. Er hat viele Dokumentarfilme gedreht und damit ein weites Themenspektrum abgedeckt.

Schon sein erster Film erhielt den National Award

„Kathapurushan“(Mann der Geschichte) handelt von den einschneidenden Wechsels und Umstürzen, die im Leben und den sozialen Strukturen Keralas während der letzten 50 Jahre stattgefunden haben. Der Film wurde in Pallikkal in der Nähe von Adoors Heimatstadt gedreht. Sein eigenes Elternhaus wurde für den Film auch erstmalig benutzt. Dieses Projekt wurde von der japanischen Broadcasting Corporation (JBC) finanziert und war Teil ihres Planes, den hundertsten Geburtstag des Kinos zu feiern und zu würden. JBC hatte fünf wichtige Regisseure aus den verschieden Ecken des Globus ausgesucht und diese gebeten, Filme für sie zu drehen. Adoor Gopalakrishnan war ihre Wahl für den asiatischen Kontinent. 

Adoor betrat 1972 die Bühne der Kino-Welt mit seinem kraftvollen Film „Swayamvaram“ (Hochzeit), der den National Award für den besten Film und den Award für die beste Kameraführung gewann. „Swayamvaram“ ist die Geschichte eines frisch vermählten Ehepaares und ihrer Mühen im Leben, der Film ist in das neo-realistische Genre einzuordnen. Das Paar sieht sich aufgrund der Heirat Problemen und Schwierigkeiten im Leben gegenübergestellt und der Film beginnt mit einer langen Busfahrt, die andeutet, dass sie aus der vertrauten Umgebung in eine unbekannte und teilnahmslose Zukunft reisen und ziehen. Zuerst beziehen sie ein ordentliches Hotel, nach einiger Zeit wechseln sie aufgrund finanzieller Probleme jedoch in eine günstigere Bleibe. Der Mann, der arbeitslos ist, geht auf Jobsuche, welche jedoch ergebnislos verläuft. Schließlich findet er einige Gelegenheitsjobs, mit welchen sie sich über Wasser halten können. Als er krank wird und stirbt, bleibt die Frau alleine zurück. Ihr Leben und ihre bloße Existenz werden in Frage gestellt. Geier kreisen über ihr. Adoor gibt dem Film ein offenes Ende, die Frage nach ihrem Schicksal verfolgt den Zuschauer. Ein einfaches Thema, das das normale Leben mit seinen Myriaden Problemen portraitiert, tritt so aus dem normalen Umfeld heraus und schafft sich eine eigene Nische.

„Elippathayam“ erhält den British Film Institute Award

Sein zweiter Film „Kodiyettom“ (Der Aufstieg) hat eine einfache Erzählstruktur. Adoors dritter Film, „Elippathayam“ (Die Rattenfalle) ist möglicherweise sein bisher bester. Dieser Film gewann den prestigeträchtigen British Film Institute Award; abgesehen von Satyajit Ray ist Adoor Gopalalkrishnan der einzige andere indische Regisseur, dem diese Anerkennung zuteil wurde. In „Elipathayam“ untersucht der Regisseur das Versagen eines Systems, das an Feudalismus grenzt und das Dilemma einer Person, die darin und in dessen Stagnation gefangen ist sowie die totale Trägheit des Opfers. Dieses verweigert sogar jeglichen Kampf und ergibt sich den kaltherzigen Methoden.

„Mukhamukham“ (Von Angesicht zu Angesicht) berührt ein politisches Thema, obwohl Adoor sich weigert, das ganze einen politischen Film zu nennen. Ein früherer Kommunistenführer, der nach einer langen Abwesenheit wieder auftaucht, wird inaktiv und gleichgültig gegenüber den Ereignissen und Geschehnissen um ihn herum. Sowohl seine Bewunderer als auch seine Gegner sind verblüfft. Adoor bietet keine Erklärung an, sondern versucht, die Lethargie des Individuums mit der der Zeiten zu verbinden und untersucht stichprobenartig seine Desillusionierungen und seine Frustration.

Sein nächstes Unterfangen war „Anantharam“ (Das Nachher), und dies war wieder ein Versuch, das Geheimnis einer komplexen Situation zu enträtseln, genau wie in seinem früheren Werk „Elipathayam“. Es ist ein Mix aus Träumen, Realität und Illusionen. Es ist eine Reise in den Geist und Verstand eines jungen Mannes, der verblüfft zurückbleibt, als seine Freundin plötzlich seine Schwägerin wird. Thematisch ist dieser Film ganz anders und nicht so kraftvoll umfassend wie „Elipathayam“.

Für sein nächstes Projekt wendete Adoor sich erstmalig einem literarischen Werk zu. Er wählte den Roman „Mathilukal“ (Die Mauern) des legendären Schriftstellers Vaikkom Mohammad Basheer und änderte einige Szenen; im Großen und Ganzen aber folgte er dem Muster des gutgeschriebenen Romans mit autobiographischen Elementen.

Adoor: "Ich mache Filme für jedermann"

Adoors siebter Film sah ihn erneut auf der Grundlage eines literarischen Stücks arbeiten. Er entschied sich für die Geschichte „Bhaskara patelar and My Life“, eine Kurzgeschichte von Paul Zacharia. Adoor änderte den Titel der Geschichte um in „Vidheyan“ (Der Diensteifrige). Er schrieb das Drehbuch selbst als Übung und ohne viele Änderungen an der Originalgeschichte vorzunehmen. „Vidheyan“ ist eine Untersuchung der Beziehung zwischen einem Herren und seinem Sklaven. Man kann in diesem gutgemachten Film eine ganze Menge über die verschiedenen Ebenen der Beziehung verstehen, manchmal auch mit einer Vertauschung der Rollen. Der Film endet mit dem Klang einer Befreiung.

Sein „Kathapurushan“ (Mann der Geschichte) ist auch eine kulturell besondere Arbeit, die die Geschichte der Befreiungsbewegung und der politischen Änderungen vom Nationalismus hin zum Extremismus in seiner ganzen Breite und Tiefe nachzeichnet. Es ist ein echter Malayalam Film in jedem Sinn dieses Wortes. „Kathapurushan“ mag einige autobiographische Elemente enthalten, dennoch verrät Adoor nicht viele Einzelheiten über den Film, Abgesehen vom Schwerpunkt auf den Handlungen des Individuums und seiner Interaktionen wird er soziale, politische und kulturelle Ereignisse im Hintergrund berühren.

Nach ‚Mann der Geschichte’ schuf Adoor „Nizhalkuth“ (Schattenmord) nach einer Pause von sechs Jahren. Tatsächlich lässt Adoor genug Zeit und Raum, manchmal sogar Jahre, zwischen den Filmen; hauptsächlich, weil er seine Projekte minutiös genau plant und mit meditativer Hingabe schließlich in Bilder umsetzt. „Nizhalkuth“ untersucht die Schuld eines Henkers und die ethischen Fragen eines Todesurteils. Diese zum Nachdenken anregende Arbeit trägt den Stempel eines Meisters und die Authentizität eines hervorragenden Fachmanns. Sie hat eine weitere Ausbreitung und breitere Dimension, als man in Malayalam oder indischen Filmen üblicherweise zu sehen bekommt. Wenn er über seinen idealen Zuschauer spricht, sagt Adoor: „Ich mache Filme für jedermann, auch wenn nicht jedermann sie auf die gleiche Art und Weise zu verstehen mag. Ich bin kein Märchenonkel. Als Filmemacher ist es meine Pflicht, die Intelligenz meines Publikums zu respektieren, dieses kann einen Film so verstehen, wie es das möchte.“


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