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01.03.2011 Von: BNA GERMANY®

Cover-Story: Vidya Balan

In einer Zeit, in der die meisten Schauspielerinnen alles dafür geben würden, um ein westliches Aussehen und eine Barbiepuppen - Garderobe zu haben, gewinnt ein typisch indisches Gesicht an Beliebtheit – Film für Film, Jahr für Jahr und Auszeichnung für Auszeichnung. Ein vertrautes Gesicht, und es wäre falsch zu sagen, ein „Mädchen von nebenan“, denn die Lady ist nicht nur attraktiv und atemberaubend schön, sondern auch noch außerordentlich talentiert. BNA Germany stellt in dieser Ausgabe das Gesicht vor, das schon so vielen Filmen Charakter verliehen hat: Viday Balan.


Vidya Balan

Vidya Balan

Geboren wurde sie am 1. Januar 1978 in Ottapalam, im Palakkad Distrikt in Kerala, dem südlichsten Bundesstaat Indiens, in eine tamilisch sprechende Familie hinein. Allerdings schloss sie ihre Ausbildung in Mumbai ab, und das als erfolgreiche Absolventin der Mumbai University in den Fächern Soziologie und Anthropologie. Als eine der wenigen gut ge- und ausgebildeten Schauspielerinnen begann Vidya Balan ihre Karriere mit Musikvideos von „Euphoria” Shubha Mudgal und Pankaj Udhas, Fernsehsendungen und vielen Werbeclips schon lange, bevor sie einen Auftritt in einem Spielfilm hatte. Eine ihrer bekannteren Fernsehrollen war die der Radhika Mathur in der TV-Serie „Hum Paanch“ (Wir fünf). Ihre Filmkarriere startete mit einem Malayalam Film namens „Chakram“, an der Seite Mohanlals, aber der Film wurde nicht fertig gestellt und damit auch nicht veröffentlicht. Später, als „Chakram“ mit Prithviraj in der Hauptrolle erneut gedreht wurde, fiel die Wahl auf Meera Jasmine anstelle von Vidya Balan. Wie man sieht, sind Vidya die Dinge nie in den Schoß gefallen. Sie kletterte jede Stufe vorsichtig hinauf und setzte auf harte Arbeit, eine ernsthafte Herangehensweise und den Wunsch, zu lernen.

2003 erschien sie im Bengali Film „Bhalo Theko“ (Alles Gute!), der von  Goutam Halder gedreht wurde und gewann dafür in Kolkata den Anandalok Puraskar Award als Beste Schauspielerin. Als er sie in diesem Film bemerkte, wählte der bekannte Regisseur Pradeep Sarkar sie für eine Rolle in seinem Hindi Film „Parineeta“ (Verheiratet) aus. Der Film wurde auf Hindi gedreht mit Saif Ali Khan und Sanjay Dutt in den männlichen Hauptrollen, basierte allerdings auf dem gleichnamigen Roman des großen bengalischen Literaten Sarat Chandra Chattopadhayaya.  Deshalb verlangte der Regisseur auch ein typisch indisches Gesicht, das zu dem Charakter des bodenstämmigen und häuslichen Mädchens in diesem Historienfilm passen sollte. Vidya hatte gerade zu diesem Zeitpunkt in „Bhalo Theko“ ihren Auftritt absolviert und so fand dieses tamilisch sprechende Mädchen den Zutritt zum Hindi Kino. Sie verkörperte den Charakter so gut, dass der Unterschied zwischen ihrer eigenen Persönlichkeit und der der Rolle verschwamm. Schon bald wurde sie für ihre Darstellung in der Rolle der „Lolita“ bemerkt und holte damit den Filmfare Award für die beste Nachwuchs¬schauspielerin. 

Als „Parineeta“ gerade fertig gestellt wurde, entschied der Produzent Vidhu Vinod Chopra, sie in einem weiteren seiner Filme zu besetzen, und zwar in „Lage Raho Munnabhai“ unter der Regie von Raj Kumar Hirani. Der erste Teil, „Munna Bhai M B B S“, war sehr erfolgreich gewesen und deshalb stellte dieser Nachfolger eine größere Herausforderung für Regisseur Raj Kumar Hirani und Produzent Chopra dar. Vidya wurde für die Rolle der „Jhanvi“ vorgesehen, einer selbstlosen Radiomoderatorin, die sich um ein Altersheim kümmert. Vidya erschien als angenehmes und frisches neues Gesicht im Film und hatte damit eine kontrollierte und diametral entgegengesetzte Rolle zu ihren früheren Filmen. Ebenso wie die Nominierung für den Filmfare Award als Beste Schauspielerin  wurde „Lage Raho Munnabhai“ der Kassenschlager des Jahres und Vidya wurde zur gefragten Darstellerin.

2007 sah man sie in Filmen wie „Guru“, in dem sie eine hilflose und an den Rollstuhl gefesselte Tochter eines Medienmoguls, dessen Geschäftsgebaren und private Einstellungen sie verachtet, spielt. „Salaam –E- Ishq“ und „Eklavya“ folgten, letzterer vor der Kulisse Rajasthans. „Eklavya“ wurde als Indiens offizieller Kandidat für die Oscars ausgewählt. Er gewann zwar keinen Academy Award, wurde aber sehr gelobt und ihre Darstellung auch sehr beachtet.

Auch 2008 setzte Vidya Balan  ihre gute Arbeit mit Filmen wie „Heyy Baby“ und „Bhool Bhulaiya“ fort, beides kommerzielle Erfolge, wobei der letztere ihr eine weitere Nominierung für einen Filmfare Award als Beste Schauspielerin einbrachte. R. Balkis „Paa“, in dem sie 2009 neben Abhishek und Amitabh Bachchan zu sehen war, war ein Meilenstein-Film in ihrer noch kurzen Film - Laufbahn, weil sie glaubwürdig die alleinerziehende Mutter eines Kindes, das an greisenhaftem Zwergwuchs leidet, spielte. Der Film  sorgte dafür, dass sie neben weiteren Auszeichnungen einen Filmfare Award als Beste Schauspielerin und einen Star Screen Award als Beste Schauspielerin erhielt. Vidya erkundete eine ganz neue Dimension als Krishna Varma in Vishal Bhardwajs und Raman Maroos „Ishqiya“, der von Abhichek Chaubev gedreht wurde. Ihre Co-Stars waren Schauspiel-Veteran Naseeruddin Shah und Arshad Warsi, der bereits in „Munnabhai…“ neben ihr zu sehen war. Mit einem Auftritt als Femme Fatale erschien Vidya als eine Mittdreißigerin, die mit einem Onkel - Neffen Duo (Shah und Warsi) spielt und sie für ihre eigenen Zwecke benutzt.

Das Jahr 2011 hat gerade erst ihren Film „No one killed Jessica“ hervorgebracht, in dem sie neben Rani Mukherjee zu sehen ist, der Film wurde von Raj Kumar Gupta gedreht. Er zeigt zwei unterschiedliche Stars, die zwei gegensätzliche Rollen spielen. Rani spielte eine bekannte Journalistin, während Vidya die Schwester eines Mordopfers spielte (ausführliche Review in Heft 2/2011, Anm. d. Red.). Die Rolle war sehr herausfordernd, da der Film auf einer vor wenigen Jahren passierten wahren Geschichte basiert und der Vorfall noch frisch im Gedächtnis der Leute war. Die Schwester des tatsächlichen Opfers ist ebenso wie die meisten Charaktere noch am Leben und taucht wie diese häufig in den Fernsehnachrichten und Gerichtsverhandlungen auf. Die Darstellung der Schwester des Opfers ist sehr unglamourös; völlig desinteressiert an der höheren Gesellschaft  lebt Vidya den Charakter mehr, als sie ihn nur spielt. Es ist nicht einfach für eine Schauspielerin, sich ihres Make-Ups und ihrer Schminkutensilien zu entledigen und in eine solche echte und bodenständige Rolle zu schlüpfen. Aber ein Blick in den Film reicht und man erkennt, was es braucht, um genau dies überzeugend darzustellen. Ihr Kreuzzug gegen die Großen, Mächtigen und Beziehungsreichen, ihre Enttäuschung über das System, ihre reduzierte Emotionsdarstellung, ihr stiller Schmerz waren nur zu offensichtlich in diesem Film, so dass ihr der Ruf als einer der fähigsten Schauspielerinnen des zeitgenössischen indischen Kinos auf dem Fuße folgte.

Zur Zeit dreht sie zwei Filme, „Kahani“  (Die Geschichte), unter der Regie von Sujoy Ghosh und „The dirty Picture“. Ihre Rolle ist wieder einmal sehr herausfordernd, sie verkörpert und portraitiert Silk Smitha, einen Star aus vergangen Zeiten. Sie wird vielleicht auch in „Chenab Gandhi“ zu sehen sein, der von Vibhu Puri gedreht und von Sanjay Leela Bhansali produziert werden soll, und dessen Geschichte sich um Khan Abdul Ghaffar Khan, auch bekannt als der „Grenz-Gandhi“, dreht.

Man kann sich auf zukünftige mitreißende Vorstellungen dieses liebenswerten Mädels  freuen, da die Auswahl ihrer Filme und Rollen sehr unterschiedlich ist und sie noch immer nach inhaltlich gewichtigen Rollen sucht. Hinter diesem hübschen Gesicht verbirgt sich ein denkender  und analytischer Verstand, und genau deshalb können wir von diesem Star der neuen Generation in den nächsten Jahren noch viel erwarten. 


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