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01.04.2011 Von: BNA GERMANY®

Die Invasion Bollywoods

In Bollywood wird einmarschiert; dort, wo früher weder Mann noch Frau eingesetzt werden wollte, herrscht derzeit eine regelrechte Flut an männlichen und weiblichen Schauspielern und Technikern, die Arbeit suchen. Bollywood empfängt diese mit offenen Armen und obwohl dadurch der Platz für indische Künstler und Schauspieler schrumpft, ist dies kein Grund zur Sorge, sondern lediglich ein Begleiteffekt der Globalisierung. Es ist nicht so, dass jetzt auf einmal ausländische Schauspieler in Indien auftauchen. In den 70er Jahren sah man bereits Schönheiten wie Zahira auftauchen. In den 80ern sorgte ein Import aus Pakistan namens Salma Agha für glühende Leinwände in ihrem Debüt „Nikaah“. Viele Augenbrauen wurden hochgezogen, da die politischen Verknüpfungen mit Pakistan angespannt waren, dennoch wurden ihre Sangeskunst und ihr Schauspieltalent in Bollywood willkommen geheißen. Auch andere Sänger wie Ghulam Ali fanden in Mumbai ein Zuhause und waren in Bollywood und auf indischen Bühnen zu bewundern.


Toby Stephens in "Mangal Pandey"

Toby Stephens in "Mangal Pandey"

Giselle Monteiro in "Love Aaj Kal"

Giselle Monteiro in "Love Aaj Kal"

Kalki Koechlin in "Dev D"

Kalki Koechlin in "Dev D"

Heutzutage hat sich die ganze Situation verändert. Bollywood expandiert an der Basis, wird immer populärer und die Fangemeinde wächst stetig. Jeden Tag erschließt sich ein neues Territorium. Mit dem wachsenden internationalen Interesse am indischen Kino schwappte eine ganze Flut an Schauspielern nach Mumbai und damit in die indische Filmindustrie. Viele Künstler und Techniker haben sich Indien zur neuen Heimat gemacht. 

Es wird davon ausgegangen, dass diese Bewegung ihre Anfänge hat in „Lagaan“ (2001), als die Schauspieler Rachel Shelley und Paul Blackthorne in Indien aufschlugen, um dort ihre Dreharbeiten zu absolvieren. „Lagaan“ benötigte ausländische Schauspieler, da dies von der Story so vorgegeben wurde. Die Produzenten brachten sie der Authentizität zuliebe nach Indien. Rachel Shelley hatte vor „Lagaan“ hauptsächlich an Fernsehproduktionen mitgewirkt und an Britischen Filmen wie „Everybody loves sunshine“, „The Calling“, „Lighthouse“, „Photographing Fairies“ und „Royce“. Nach „Lagaan“ wuchs sie zu einem Star in Indien heran und wurde zu den Oscars eingeladen, um diesen Film in den USA zu promoten. Rachel konnte nach „Lagaan“ keine passenden Rollen in Bollywood finden und arbeitet so immer noch in England. Dennoch war sie in der Lage, mit der Tradition, ausländische Charaktere mit indischen Schauspielern zu besetzen, zu brechen.  

Ungefähr zur selben Zeit wurden von dem weniger bekannten Kino-Regisseur Biju Viswanath die beiden britischen Theaterschauspieler Simon Binns und Padd Fletcher für eine kleine Produktion namens „Déja vú“ gecastet. „Déjà vú“ war als Art House Film sehr erfolgreich und wurde auf verschiedenen internationalen Film Festivals gezeigt. Der Film war indisch und wurde auch in Indien gedreht, jedoch in englischer Sprache. Wenn man nach dem Inhalt geht, könnte der Film überall auf der Welt spielen. Das Wichtigste hierbei war der Beweis, dass indische und ausländische Talente als erfolgreiche Kooperation verschmelzen können. 

Seitdem streben Schauspieler aus aller Herren Länder nach Bollywood, sei es Tschechien, England, den USA, Australien, Südafrika, Spanien, Italien, Russland, Deutschland oder Frankreich. Sie alle finden Jobs in Bollywood. Eine Folge davon ist, dass in der Vergangenheit Bollywood gesegnet wurde mit Talenten wie Alice Patten, Barbara Mori, Lena Christensen, Toby Stephens, Giselli Monteiro, Linda Arsenio und Kalki Koechlin, die in Hindi- und anderssprachigen Filmen auftraten. Derzeit sorgt Barbara Mori, ein spanisches Model und Schauspielerin, für Glanz und Gloria mit dem indischen Film „Kites“, dem internationalen Debüt von Hrithik Roshan. Barbara sprach in dem Film spanisch, da die Rolle es ihr erlaubte, dennoch fühlten sich die meisten Inder mit ihr verbunden. Die Kehrseite davon ist, dass zwar Barbara Anerkennung gezollte bekommt, Hrithik dabei aber in den Hintergrund gerät. „Kites“ war international zwar erfolgreich, aber nicht so sehr wie von den Produzenten erhofft. 

Alice Patten ist eine weitere Schauspielerin, die zum ersten Mal mit „Rang De Basanti“ (2006) in Erscheinung trat. Alice, die Tochter von Chris Patten, dem letzten Gouverneur Hong Kongs, porträtierte die Hauptfigur Sue McKinley. Sue kommt nach Indien, um Nachforschungen anzustellen über die verschiedenen Märtyrer des indischen Freiheitskampfes. Das Indien, das sich ihr zeigt, ist so gänzlich anders als das Indien, von dem der Großvater sprach. Sie knüpft Kontakte zu der indischen Jugend. In dem neuen Indien fühlt sie sich verstanden, akzeptiert und als gleichwertig behandelt. Die Darstellung des Charakters stieß auf viel Zuspruch, Alice kehrte dennoch bald darauf nach England zurück. 

Bollywood hielt daran fest, in den letzten 7-8 Jahren Gastschauspieler zu verpflichten, doch auch dies ändert sich derzeit. Schauspieler, Künstler und Techniker streben danach, Indien zu einem zweiten Zuhause zu machen und sich permanent dort niederzulassen. Bisher spielten ausländische Schauspieler sich selbst oder fremdländische Charaktere. Dieser Trend wurde aber mit dem Film „Love Aaj Kal“ verändert. In dem Film von Imtiaz Ali tritt eine neue Schauspielerin ins Rampenlicht: Giselli Monteiro. Geboren wurde sie in Espirito Santo, Brasilien. Sie kam nach Indien auf der Suche nach einer Schauspielkarriere. Sie wandte sich für die Rolle der jo an Ali. Jo ist aber kein kaukasisches Mädchen, was die Rolle im Film verlangte. Ali konnte sie daher dafür nicht besetzen und gab ihr deswegen die Rolle von Harleen – dem Pandschabi Mädchen. Giselli bewies in dem Casting eine unglaubliche Performance und gab sich ganz der Rolle hin. Ihre Gestiken, die indische Art des Tanzes und die ganze Umsetzung des Charakters traf auf enorme Begeisterung nach Veröffentlichung des Filmes. Die Produzenten überlegten, ihre Identität geheim zu halten, da ein brasilianisches Mädchen nicht akzeptabel sei für ein indisches Publikum. Die Kritiken sprachen aber Bände, Giselli lief, tanzte, lachte und wich aus wie Harleen – ein Pandschabi Mädchen aus den 70ern. Ihre Identität wurde bekannt gemacht und das Publikum war angenehm überrascht. Giselli arbeitet auch heute noch als Model und Schauspielerin in Indien. Ihre neuen Filme sind u.a. „Always Kabhi Kabhi“ für Red Chillies Entertainment. Zudem tauchte sie auf den Titelseiten verschiedener Zeitschriften wie Femina, Elle oder Marie Claire auf. 

Linda Aresnio ist ein amerikanisches Model aus Texas und spielte in Tamil Filmen wie „Bhadra“, „Kana Kondaen“ und „Sachein“ mit, bevor sie es mit „Kabul Express“ ins Hindi Kino schaffte. Sogar ihre kleine Rolle als amerikanische Journalistin stieß auf Zustimmung und so kam sie an eine Rolle in „Aloo Chat“ (2009) und „Pazhassi Raja“ (2009). Sie arbeitet weiterhin in indischen Filmen und als Model. Kalki Koechlin, eine französische Schauspielerin, ist ein weiteres gutes Beispiel für ausländische Schauspieler, die es in Bollywood geschafft haben. Kalki spielte in Filmen wie „Dev D“ oder „That Girl In Yellow Boots“ und schuf sich mithilfe ihrer Darstellung einen eigenen Raum in Bollywood. Auch sie arbeitet als Model für indische Produkte und arbeitet derzeit an fünf verschiedenen Filmen in Bollywood. 

Unter all den halb-indischen Schauspielern ist Lisa Ray am interessantesten. Halb polnisch, halb indisch hat sich ihr Gesicht eingeprägt mit Filmen wie „I cant think straight“, „Toronto Diaries“ und „Water“. Wenn man bedenkt, dass ihr Bollywood-debüt 2001 nicht so richtig erfolgreich war, hat sie dennoch Erfolg in indischen Filmen gefunden und sie ist eine Stammschauspielerin, wann immer ein Crossover-Film zur Debatte steht. Katrina Kaif, eine andere angeblich halb britische / halb indische Schauspielerin, regiert quasi in Bollywood, und das trotz ihres erbärmlichen Hindi. Negra Khan, Yana Gupta, Hazel Crowney und Emma Brown Garett sind ebenfalls erfolgreich in Bollywood. 

Die Liste der Schauspieler, die in der Vergangenheit nach Indien kamen ist lang, und einige Namen bleiben dabei unvergessen. Lene Christensen in „Bombay to Bangkok“, Toby Stephens und Coral Beed in „Mangal Pandey“, Antonia Bernath in „Kisna“, Tania Zaetta in „Bunty Aur Babli“ und „Salaam Namastey“, Annabell Wallace in „Dil Ho bhi Kahe“, Emma Burton in „Pyar Mein Twist“. Ilene Hamann in „Rog“, Alexander Dyachenko in „7 Khoon Maaf“, Martin Handeron in „Popcorn Khao Mast Ho Jao“, Kylie Minoque in „Blue“ - dies sind nur ein paar Namen. Es gab auch Gastauftritte von Hollywoodstars wie Sylvester Stallone oder Drew Barrymore. 

Die Tage sind gezählt, in denen Bollywood nur Nährboden für indische Schauspieler war. Tag für Tag streben ausländische Künstler nach ihrer Chance in Bollywood. Es gibt sicherlich Argumente dafür und dagegen, was dabei aber über allem steht ist der Fakt, dass das indische Kino seinen Nutzen ziehen kann aus den Erfahrungen und dem Wissen dieser Künstler und Techniker.


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