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01.02.2011 Von: BNA GERMANY®

Nana Patekar - Vom Leinwandbösewicht zum Helden im echten Leben

Bollywood ist ein Meer, in dem von Zeit zu Zeit die besten Talente auftauchen und auch wieder untergehen. Schauspieler, Regisseure, und Techniker sind gekommen und gegangen. Manche haben ihre Spuren hinterlassen, manchen gelang dies nicht. Mit einer fast nichtexistenten Rolle in „Gaman“ (1978) unter der Regie von Muzaffar Ali trat ein dunkelhaariger, großer und fast unscheinbarer Mann still ins Rampenlicht. Zwar nicht sofort, aber einige Filme und Jahre später, etablierte sich mit dem Film „Ankush“ (1986) Vishwanath „Nana“ Patekar als ernstzunehmender Schauspieler in diesem Chandra Film. Er bewies sich mit der Rolle des Ravindra Kelkar und seiner sehr intensiven Art, zu schauspielen, auf der Leinwand. Nanas nächste Station war die Rolle des Nathuram Godse, der Gandhi getötet hatte, im Film „Lord Mountbatten - Der letzte Vizekönig“ (1986). Er wurde sofort von Mira Nair bemerkt und landete so 1988 mit der Rolle des Zuhälters Baba in „Salaam Bombay“.


Nana Patekar

Nana Patekar

Das kommerzielle Mainstream Kino, oder Bollywood, wie wir es heute nennen, war noch weit außerhalb seiner Reichweite, aber dann erreichte ihn ein Angebot von Vidhu Vinod Chopra, einem Absolventen der Filmhochschule in Puna. Nana sagte zu und brachte in „Parinda“ (Der Vogel, 1989) die Schattierungen eines Unterwelt Dons, seine Wut, Sorgen, Zuneigung, Rücksichtslosigkeit und versteckten Ängste auf die Leinwand. Die Charakterisierung war so ausdruckstark und einzigartig, dass Nana damit eine Art Klischee schuf. Noch Jahre später kopieren andere Schauspieler ihn und seinen intensiven Stil. „ Parinda“ brachte ihm den National Award als Bester Nebendarsteller ein.

Nana wurde am 1. Januar 1951 geboren und feierte erst vor kurzem seinen 60. Geburtstag. In einer Karriere, die sich bisher über 32 Jahre erstreckt, hat er sehr unterschiedliche Charaktere gespielt: den Anwalt, Gangster, naiven Nachbar, Lehrer, Armee-Kommandanten, den gottesfürchtigen und gerechtigkeitsliebenden Moslem, Politiker, Frauenschläger, Erpresser, gehörlosen Vater, Polizeiinspektor, Wachmann, einen Schizophrenen und viele andere. Und doch ist er dabei jedes Mal ganz anders gewesen, nicht nur, soweit es seine Ausstattung und sein Aussehen angeht, sondern in einer ganzheitlichen Art und Weise, so wie der jeweilige Charakter es verlangte. Jedes Mal verschmolz er so sehr mit der Rolle, dass der echte Nana in der Rolle völlig aufging.

Dies hier ist ein Schauspieler, der jede seiner Rollen so ernst genommen hat, dass er sich intensiv darauf vorbereitet und sich alles selbst beigebracht hat, was er können und wissen musste, um den Charakter richtig zu spielen. Für „Prahaar“ (1991), in welchem er den Major Chahan spielt, meldete er sich tatsächlich für eine Militärausbildung an und absolvierte diesen strengen Kurs komplett, bevor er die Rolle auf Film bannte. Dies war ein Film, bei welchem er selbst Regie führen wollte, da das Thema ihm sehr nahe ging und er der Meinung war, nicht viele Regisseure währen fähig, dem Thema gerecht zu werden. Sogar heute noch dreht und übt er gerne, wenn er Zeit dazu findet. Ihm wurde der Rang „Hauptmann ehrenhalber“ von der Indischen Armee verliehen. Er trat in den frühen 90er Jahren den Landstreitkräften der Indischen Armee bei. Im Alter von 54 Jahren wurde er Sportschütze und gewann sogar eine Bronze Medaille bei der G.V. Malvankar Meisterschaft in Mumbai. Mehul Kumars „Krantiveer“ brachte ihm 1995 den National Award als Bester Schauspieler ein und zementierte seinen Ruf. Patho Ghoshs „ Agni Sakshi“ folgte 1997 mit einem weiteren National Award als Bester Nebendarsteller, seine Rolle war die eines betrogenen Ehemanns. Acht Filmfare Awards, drei National Awards und zwei Star Screen Awards später experimentiert Nana derzeit mehr mit der Form und spielt jede ernsthafte Rolle, die sich ihm anbietet.

Seine größten Trümpfe sind seine Augen, seine ausdrucksstarke Stimme und seine gezielte Art, die Dialoge zu sprechen. Sein Stil ist vielfach imitiert und von Comedians kopiert worden, aber die Schauspieler der Industrie verehren ihn für seine Freundlichkeit. Er änderte seinen Schauspielstil in „Ab Tak Chhappan“ (Bisher 56), in welchem er als Profiler der Mumbaier Polizei 56 Verbrecher tötet. Nana vollzog den Wechsel bewusst und sprach seine Einsätze in einer wohldosierten Art und Weise; eine Strategie, die ihm noch mehr Bewunderer eingebracht hat.

„Apaharan“ (2005) mit Prakash Jha und Ajay Devgn zeigte ihn als Politiker und Erpresser in Bihar. Nana spielte die Rolle entspannt und glaubwürdig; er gewann für die Darstellung einen Filmfare und einen Star Screen Award. „Welcome“ brachte ihn 2007 in einer komischen Rolle auf die Leinwand, als Gangster, der versucht, seine Schwester mit einem ehrenwerten Mann zu verheiraten, wobei allerdings jeder Angst vor ihm hat und vor jeder Art Kontakt zu ihm zurückschreckt. Er unterstützt Akshay Kumar, Katrina Kaif und Anil Kapoor im Film sehr gekonnt als Gangsterboss Uday Shetty.

Für seine Darstellung in „Tum Milo Toh Sahi“ (Du triffst mich nur einmal, 2010) erhielt er wie erwartet neben Dimple Kapadia gute Kritiken und viel Anerkennung. Durch seine Verkörperung des südindischen Pensionärs Subramaniam, der eine zynische Sicht auf das Leben sein eigen nennt, hauchte er dem Charakter Leben ein. In „Raajneet“ (Politik, 2010), - Regie führte wieder Prakash Jah -, agiert er überragend in der Rolle eines Friedensstifters und gewann durch seine rationale Darstellung des Mamaji sein Publikum.

„It´s My Life“ (2011) ist Nanas neuster Hindi-Film. Unter der Regie von Anees Bazmee spielen Harman Baweja und Genelia D´Souza neben ihm die Hauptrollen. Der Film ist ein Remake des Telugu Superhits „Bommarillu“, der bereits als Tamil Remake unter dem Namen „Santosh Subramaniam“ neu gedreht wurde. In beiden Filmen spielt Genelia D`Souza die weibliche Hauptrolle. Nana wird auch in Sangeeth Sivans nächstem Film, einem Remake des Telugu Films „Athadu“ aus dem Jahr 2005 zu sehen sein. Er erscheint im Film als Anjaneya Prasad, einem Ermittler, dessen Rolle in Originalfilm von Prakash Raj gespielt wurde.

Es ist klar, dass das Alter keinen Auswirkung auf Nana Patekars Darstellungskunst hat. Mit jedem Film reift er weiter als Schauspieler. Er hat mit nahezu jedem großen Regisseur des Hindi Kinos schon gearbeitet und ist doch so bescheiden, großzügig und großherzig geblieben, dass ihn jeder in der Filmindustrie verehrt. Er mag ein hartes und gewalttätiges Wesen auf der Leinwand verkörpern, aber im echten Leben ist er das genaue Gegenteil.

Für sein 61. Lebensjahr wünscht BNA Germany ihm alles Gute und zieht vor seinem Talent und Beitrag zum Indischen Kino den (nichtvorhandenen imaginären )Hut.


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