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12.08.2010 Von: BNA GERMANY®

Jatinga - Der Ort an dem Vögel scheinbar Selbstmord begehen

Es mag seltsam und bizarr klingen, aber es gibt einen Ort in Indien, an dem Vögel zu Hunderten kommen und Selbstmord begehen. Dieser Ort heißt Jatinga und liegt im nord-östlichen Bundesstaat Assam. Jahr für Jahr und stets zur gleichen Zeit passiert hier ein bizarres Schauspiel: Vögel fallen wie Steine vom Himmel auf die Erde. Sie fliegen scheinbar absichtlich in Flammen und andere Lichtquellen und sterben dabei. Noch bis vor einigen Jahren wusste kaum jemand, außer den Bewohnern Jatingas selbst von diesem Phänomen. Bis heute ist noch nicht geklärt, wie und warum ganze Scharen von Vögeln in diese Region Assams kommen und Suizid begehen.


Jatinga

Jatinga

Jatinga ist ein kleines Dorf in den Bergen und gehört zum Kreis North Cachar Hills im indischen Bundesstaat Assam. 2.500 Angehörige des Jaintia Stammes wohnen in diesem Dorf, das 330 Kilometer südlich von der Bundeshauptstadt Guwahati liegt. Der Name "Jatinga" stammt aus der Sprache der Jeme-Naga und bedeutet "Weg des Regens und Wassers". Der Stamm der Jeme-Naga kam bereits um 1890 in diese Region, um die Gegend zu erkunden. Eines Tages stellten sie fest, dass die Vögel offenbar von dem Lagerfeuer, das sie errichteten, angezogen wurden und dann starben. Für die Jeme-Naga war diese Tatsache nicht nur wundersam, sondern auch interessant, präsentierte sich auf diesem Wege doch ihr Abendmahl. Und auch noch heute Leben die Dorfbewohner Jatingas hauptsächlich von getöteten Vögeln und sind sich auch keiner Schuld bewusst. Sie nutzen das sich ihnen jährlich dargebotene Schauspiel, um auf die Vögel Jagd zu machen. Sie errichten absichtlich künstliche Lichtquellen, die die Vögel anlocken sollen. Fliegen die Vögel dann in diese Lichtquellen und verletzen sich, werden sie von den Dorfbewohnern getötet, um anschließend als Essen zubereitet und serviert zu werden.  Für sie ist es ein Geschenk Gottes, dass die Vögel jährlich immer um die Monsunzeit in ihre Gegend kommen und scheinbar Selbstmord begehen, um sich als Nahrung den Dorfbewohnern anzubieten. Viele Menschen aus den Nachbarschaftsregionen hingegen meiden dieses Dorf weiträumig und glauben an einen bösen Fluch. Einige von ihnen glauben, dass es sich bei den tot herabfallenden Vögeln um verstorbene Seelen handelt, die zurück auf die Erde gekommen sind, um  die Bewohner zu terrorisieren.

Als Wissenschaftler und vor allem auch Ornithologen auf das Phänomen der scheinbaren Massenselbstmorde der Vögel in dieser Region aufmerksam wurden, wurde nach Erklärungen gesucht. Fakt ist, dass es vor allem in der Monsunzeit zwischen August und Oktober zu vermehrtem Vogelaufkommen in diesen Bergen kommt. Vor allem an mondlosen und nebligen Nächten versammeln sich die Vogelscharen um jegliche Lichtquellen. Sie fliegen gegen Straßenlaternen, gegen Autoscheinwerfer oder gehen Fensterscheiben von beleuchteten Hütten und verletzen sich dabei schwer oder sterben gar. Selbst Feuer hält sie nicht ab. Wie angezogen von dem Feuer stürzen sie sich in die Flammen. Dabei handelt es sich nicht nur um eine bestimmte Vogelart, sondern viele verschiedene Vogelarten, wie die Tiger-Rohrdommel, die Schwarze Rohrdommel, den Kleinen Reiher, den Fischreiher und den Eisvogel. Wie Ornithologen herausfanden, besteht ein Zusammenhang zwischen der Zeit der Vogelwanderung dieser Zugvögel und der Zeit der scheinbaren Massenselbstmorde. In der Zeit zwischen August und Oktober jeden Jahres ziehen die Vögel von dieser Bergregion in andere Regionen. Aus diesem Grunde befinden sich während der Monsunzeit besonders viele Vögel und Vogelarten in diesen Bergen, die sich auf ihrer Zugroute befinden. Das Klima, das dort vorherrscht, aufgrund der Höhe, der dortigen Winde und der Regenwetterbedingungen scheinen Untersuchungen des Zoological Surveys of India zufolge dazu zu führen, dass das Magnetfeld der Erde dort um diese Zeit verändert ist, was zu Desorientierungen bei den Vögeln führt. Möglicherweise ist dies ein Grund dafür, dass sich die Vögel plötzlich seltsam verhalten und entgegen ihren eigentlichen Instinkten nicht Licht und Feuer meiden, sondern geradewegs darauf stürzen. Dies ist bisher jedoch nur eine Annahme. 

Weitere Untersuchungen ergaben, dass nicht alle Zugvögel diesem Phänomen erlegen sind, sondern offenbar nur die einheimischen Zugvögel. Interessanter Weise findet dieses bizarre Schauspiel auch nicht in der gesamten Region statt, sondern lediglich im südlichen Teil der Region, einem Landstreifen von 1,5 Kilometern Länge und 200 Metern Breite. Die Vögel, die den dortigen natürlichen Bedingungen zum Opfer fallen, kommen allesamt aus dem Norden geflogen, auf ihrem Weg in den Süden. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Vögel die Lichtquellen für den Mond halten, der normalerweise in der Nacht scheint.Da das Schauspiel tatsächlich nur an mondlosen Nächten stattfindet, scheint es hier einen Zusammenhang zu geben, was allerdings nur eine These bleibt und noch nicht bewiesen werden konnte.

Die Untersuchungen werden fortgeführt, um endgültig Erklärungen für die Ursache des Phänomens der scheinbaren Selbstmorde der Vögel auf die Spur zu kommen, um daraus Möglichkeiten abzuleiten diesem Massensterben vorzubeugen und entgegenzuwirken.

 

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