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19.11.2014 Von: BNA GERMANY®

Star-Interview mit Arjan Bajwa

Arjan Bawja zählt heute zu den begehrten Schauspielern in Bollywood, doch sein Weg in die obere Liga der indischen Filmindustrie war alles andere als einfach. Geboren und aufgewachsen in Delhi, als Sohn eines Parteiabgeordneten und ohne Kontakte zur Filminsustrie begann Arjan Bajwa seine Karriere als studierter Architekt und folgte damit dem Wunsch seines Vater. Doch Arjan selbst wollte immer schon Pilot werden, da er seit seiner Kindheit von der Fliegerei fasziniert ist. Sein gutes Aussehen brachte ihm verschiedenste Angebote als Model bis er 2001 sein erstes Filmangebot für einen Teligu-Film erhielt. 2007 gab er schließlich sein Bollywood-Debüt mit "Guru". Doch seinen großen Durchbruch feierte Arjan Bajwa erst zwei Jahre später mit Madhur Bhandakars Film "Fashion", wo er zusammen mit Priyanka Chopra die Hauptrollen übernahm. Momentan arbeitet er an seinem neusten Film "Himmat Singh", einem Action-Thriller, der Anfang 2015 in die Kinos kommen wird.


Arjan Bajwa

Arjan Bajwa

Deinen deutschen Fans bist Du vor allem bekannt durch Filme wie „Guru“, „Fashion“ oder „Son Of Sardaar“, hast aber auch einige Telugu-Filme gemacht. Doch bald wird man Dich in dem Punjabi-Film „Himmat Singh“ von Regisseur Baljit Singh Deo sehen. Wie kam es dazu, dass Du plötzlich einen Punjabi-Film machst?

Arjan Bajwa: Nun, vom meiner Kaste und Familie her bin ich ein Punjabi, von daher war es eigentlich ziemlich normal, dass ich gefragt wurde, in einem Punjabi-Film mitzuspielen, zumal ich auch fließend Punjabi rede und schreibe, da es ja meine Muttersprache ist. Ich bekomme einige Angebote für Punjabi-Filme, fand aber bisher keinen Film interessant genug, um ihn zu machen, bis ich das Angebot für „Himmat Singh“ bekam. Und so wurde ich vom Regisseur Baljit Singh Deo für den Film gecastet. 

Erzähl uns etwas über den Film und Deine Rolle im Film.

Arjan Bajwa: Der Hauptgrund, warum ich mich für den Film entschieden habe, ist der Regisseur. Baljit Singh Deo ist ein sehr erfahrener Techniker, der sich bestens mit Licht, Kameraführung und anderen technischen Aspekten auskennt und nicht nur ein ausgezeichneter Regisseur ist, sondern auch ein sehr liebenswerter und großartiger Mensch. Wir beide ergänzen uns super und haben viel über den Film geredet. Er wollte einen Action-Film machen, in welchem der Hauptdarsteller die Kampfkunst beherrscht und ich wollte schon immer so eine Rolle spielen und meine Fähigkeiten als erfahrender Taek-Wan-Do Kämpfer unter Beweis stellen. Es hat einfach zwischen uns beiden sofort gepasst. Ich habe die Action-Szenen im Film selbst choreografiert. „Himmat Singh“ handelt von einem armen Typen von der Straße, der aufgrund widriger Umstände zum knallharten Straßenkämpfer wird. Er ist ein gebrochener Mann und erlebt die übelsten Tiefschläge seines Lebens, doch schafft er es, wie der Phönix aus der Asche wieder aufzustehen und emporzusteigen. Wir planen, dass der Film im Februar 2015 in die Kinos kommen wird. Den Trailer zum Film kann man sich bereits jetzt schon anschauen.

In diesem Sommer kam „Bobby Jasoos“ in die indischen Kinos, wo wir Dich an der Seite der Hauptdarstellerin Vidya Balan sehen konnten. Wie war es für Dich, mit dieser großartigen und vielfach ausgezeichneten Schauspielerin gemeinsam vor der Kamera zu stehen?

Arjan Bajwa: Eingangs habe ich mir einige Sorgen darüber gemacht, wie es wohl sein wird, wie sie als Person sein wird. Immerhin wurde sie ja bereits mit dem National Award ausgezeichnet. Aber überraschenderweise ist sie die gleiche nette und liebenswerte Person geblieben, die sie schon immer war; sehr bodenständig, freundlich, mit jugendlichem Charme. Wir kannten uns schon vorher, auch wenn wir bis dahin noch nicht zusammen gearbeitet hatten. Jetzt sind wir Freunde und treffen uns sehr oft. Bei einem Kaffee oder gemeinsamen Abendessen diskutieren wir private Dinge und auch unsere Arbeit. Sie ist eine großartige Schauspielerin mit sehr viel positiver Energie und macht es einem leicht, das Beste aus Deiner Performance herauszuholen. Daher waren die Dreharbeiten zu „Bobby Jasoos“ die besten und wundervollsten Erfahrungen, die ich je bei einem Film gemacht habe. 

Du bist als totaler Außenseiter ohne jegliche Kontakte und Beziehungen in die Filmindustrie gekommen. Wie hast Du es dennoch geschafft, mit so großen Stars wie Abhishek Bachchan, Priyanka Chopra, Ajay Devgn und vielen anderen zu arbeiten?

Arjan Bajwa: Es freut mich, dass Du bemerkst und anerkennst, dass es für jemanden wie mich äußerst schwierig ist, einen Fuß in die Filmindustrie zu setzen, die von all jenen Familien beherrscht wird, die seit Ewigkeiten in dem Business arbeiten. Was mich betrifft, so denke ich, dass mir mein Talent, meine Leidenschaft, meine harte Arbeit, Disziplin, Geduld und stetige Weiterentwicklung sehr geholfen haben, eben weil ich keine Beziehungen hatte. Ich habe sehr hart daran gearbeitet, mich weiterzuentwickeln und stetig zu verbessern und eines Tages hat sich all die harte Arbeit für mich ausgezahlt, so dass ich die Möglichkeiten bekam, mit all diesen namhaften Darstellern in der Hindi-Filmindustrie zu arbeiten.

Kannst Du uns etwas über Deine Anfänge als Schauspieler erzählen und darüber, was der Wendepunkt in Deiner Karriere war?

Arjan Bajwa: Da ich aus keiner Schauspiel-Familie komme und zudem noch nicht einmal in Mumbai aufgewachsen war und gelebt hatte, war die ganze Filmindustrie komplettes Neuland für mich. Ich versuchte, mir ein Netzwerk mit Helfern und Unterstützern aufzubauen, viele Kontakte zu knüpfen und bei den Leuten, mit denen ich langfristig arbeiten wollte, Vertrauen zu mir aufzubauen. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, Schauspieler zu werden und von daher gehörte das für mich dazu, sodass ich es nie wirklich als harten Kampf ansah, sondern viel mehr als Investition in meine berufliche Zukunft. Ich bin ja nicht der erste und werde auch nicht der letzte sein, der als Außenstehender versucht, Fuß in der Filmindustrie zu fassen. Da mussten viele andere, heute große Stars durch. Mein Wendepunkt kam mit Madhur Bhandarkars Film „Fashion“, wo ich neben Priyanka Chopra als Hauptdarsteller gecastet wurde. Durch diesen Film erlangte ich die ersehnte Aufmerksamkeit und hatte damit meinen Durchbruch als angesehener Schauspieler in der Hindi-Filmindustrie.

Wie wichtig ist das Aussehen als männlicher Darsteller. Glaubst Du, dass es Dir geholfen hat, so gut auszusehen und ein erfolgreiches Model zu sein?

Arjan Bajwa: Ich nehme das jetzt als Kompliment, obwohl ich denke, dass ich nicht besonders gut aussehe, sondern lediglich ganz okay. Ich glaube auch nicht, dass gutes Aussehen überhaupt eine Rolle mehr spielt. Wo sind die Zeiten geblieben, so Stars wie Dharmendra, Vinod Khanna oder Suniel Dutt verdammt gutaussehend waren. Ich will nicht abwertend klingen, aber heute haben wir solche Stars nicht mehr. Du wirst geschockt sein, wenn ich Dir sage, dass ich schon viele Male sogar gerade wegen meines Aussehens für Filmrollen abgelehnt wurde, mit der Begründung, dass sie einen normal aussehenden Typen von der Straße suchen. Mir wurde gesagt, dass ich zu gut für diese oder jene Rolle aussehe, dass meine Augen zu hell sind und ich doch schwarze Kontaktlinsen tragen solle, oder dass sie keinen toll geformten Körper suchen, sondern lieber den kleinen, dickeren oder kahlköpfigen Typen, der zu der und der Filmfamilie gehört oder der Sohn oder Neffe von dem und dem ist. Man sieht also, dass Aussehen heute gar keine Rolle mehr spielt, nicht einmal Talent, harte Arbeit oder Professionalität zählen, sondern lediglich Beziehungen.  

Wie sieht Dein Tagesablauf ab und wie bereitest Du dich auf Deine Rollen vor?

Arjan Bajwa: Es heißt, wenn Du nicht am Film arbeitest, arbeitest Du an Kontakten. Das mag wie ein Klischee klingen, ist aber tatsächlich so, dass das Filmbusiness ausschließlich über Beziehungen und Kontakte funktioniert. Daher nimmt die Netzwerkpflege auch viel Zeit und Kraft in Anspruch, nicht nur körperlich, sondern auch mental und emotional. Das ist das, womit man als Schauspieler am meisten zu kämpfen hat. Zur Vorbereitung auf eine Rolle passe ich als erstes mein Aussehen und Auftreten der Rolle an, damit ist schon die halbe Miete gewonnen. Zudem arbeite ich an den spezifischen Charakterzügen meiner Rolle, an die Art des Redens, Gehens, Verhaltens und so weiter. Ich spiele gern Rollen, die mich herausfordern und mein wahres Ich verändern, sodass ich in der Rolle ein komplett anderer Mensch bin, als in Wirklichkeit.  Und das ist auch genau das, was mich als Schauspieler am meisten reizt.

Was sind Deine nächsten Filmprojekte? Welche Filme und Rollen stehen auf dem Plan?

Arjan Bajwa: Ich arbeite zurzeit an drei Filmen. Zum einen ein Action-Thriller, der vom gleichen Regisseur gedreht wird, wie mein Punjabi Film „Himmat Singh“, dann einen Thriller im Stil von „Delhi Belly“ und einen weiteren Film im Stil von Innaritu Gonsales. 

Was möchtest Du in Deiner Karriere erreichen und welche unerfüllten Träume hast Du?

Arjan Bajwa: Ich denke, ich würde gern nach 20 Jahren zurückblicken können auf eine Vielzahl großartiger Filme und großartiger Rollen, die ich gespielt habe. Ich möchte nicht nur in Indien Filme machen, sondern bin auch sehr daran interessiert auf den internationalen Markt für amerikanische oder europäische Produktionen zu arbeiten. Ich will mich selbst nicht auf ein einziges Land beschränken oder auf eine einzige Sprache. Bisher sind das unerfüllte Wünsche und Träume, weil der Wald so herrlich dunkel und tief ist, aber ich habe ja noch einige Kilometer zu gehen, bevor ich sterbe. 

Was kannst Du all denjenigen Menschen raten, die keine Beziehungen zur Filmindustrie haben und dennoch den Wunsch haben, dort Fuß zu fassen?

Arjan Bajwa: Ich bin, wie Millionen andere auch, nur ein Student des Kinos. Bisher hat noch niemand seinen Abschluss in diesem sich ständig ändernden Business gemacht. Was aber unabdingbar für jeden ist, der in der Filmindustrie arbeiten will, sind harte Arbeit, Talent und unsterbliche Leidenschaft. Nur so wird man Erfolg haben - die einen früher, die anderen später. Aber der Erfolg wird dann ganz gewiss kommen. ACTING IS BEHAVING TRUTHFULLY UNDER IMAGINARY CIRCUMSTANCES. Der Schmerz und die Umstände sind nur zeitweilig und gehen vorüber, Dein Talent und deine Filme bleiben jedoch für immer.


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