Über Bollywood
Cinema_History
Golden_Oldies
Special_Features
Cover_Stories
interviews_neu
profiles
Bollywood Dance
Musik & Musiker
Bollywood im Kino
Eventankündigungen
Indien - Allg. Infos
Heilige Tiere
states
Kurioses aus Indien
indian_cooking
BNA Magazin
Bollywood Reporter
Foto-Archiv
Interviews (bis 2010)
Suche



Guten Abend lieber Besucher von BNA GERMANY, heute ist der 27.05.2017 :: English ::
Sie befinden sich hier: 
< Vorheriger Artikel
01.02.2011 Von: BNA GERMANY®

Das Dorf der Gehörlosen

Haben Sie schon einmal von einem Dorf gehört, in dem jede Familie ein gehörloses Mitglied hat? Schwer zu glauben, aber lesen Sie nur weiter. Indiens Dschammu und Kaschmir Region ist meist aus politischen Gründen in den Nachrichten, aber hier gibt es auch ein soziales Problem, dass die Region erwähnenswert macht.


Dadhkai - Das Dorf der Gehörlosen

Dadhkai - Das Dorf der Gehörlosen

In Dadhkai, einem Dorf in Dschammu und Kaschmir, gibt es mindestens ein Mitglied in jeder Familie, das entweder nicht hören oder zusätzlich auch nicht sprechen kann. Es wurden Untersuchungen in der Region durchgeführt, um den Grund für die enorme Häufung herauszufinden, aber diese bleibt zum größten Teil bisher nicht erklärbar. Das Dadhkai Phänomen ist noch immer eine Herausforderung für Doktoren und Wissenschaftler, denen bisher jegliche Spur  fehlt. Stille regiert im pittoresken Dorf Dadhkai, 270 Kilometer von der Großstadt Dschammu entfernt. Im Schoße der mächtigen Himalaya Berge in Nordindien gelegen, wohnen im Dorf 47 Familien, in denen jeweils mindestens ein Mitglied taubstumm ist. Die Fälle datieren zurück bis ins Jahr 191, als der erste Fall gemeldet und bekannt wurde. Heute beträgt die Zahl der tauben oder zusätzlich auch stummen Menschen im Dorf 82 Personen.

In einem You-Tube Video des früheren Ministerpräsidenten von Dschammu und Kaschmir, Ghulam Nabi Azad, sagt dieser: „Jede Geburt einen Kindes ist ein glückliches Ereignis, das gefeiert werden sollte; unglücklicherweise führt hier die Geburt eines Kindes zu Verzweiflung und Leid. Das ganze Dorf betet für die Gesundheit des Kindes.“ Die Alten im Dorf sagen „Ein taubes und stummes Kind verschlimmert nur noch die Probleme und vergrößert das Leid und das Elend.“

Die Geschichte hätte auch anders verlaufen können, denn das Dorf liegt in den Himalaya-Bergen mit einer solchen Bilderbuchlandschaft und einem solchen Panorama, dass es mit Leichtigkeit auf jeder Postkarte für die Tourismuswerbung der Region hätte erscheinen und bekannt werden können. Die Verkehrsverbindungen sind jedoch ein Problem. Es wird durch einen reißenden Fluß von der Außenwelt und damit auch von der medizinischen Versorgung abgeschnitten, die Erreichbarkeit ist dadurch stark begrenzt und eingeschränkt.

Vor einigen Jahren kam ein Team Wissenschaftler und Doktoren von einer indischen Gesundheitsorganisation in das Dorf, um die Fälle zu untersuchen; bisher ist aber noch kein Ergebnis der Untersuchungen veröffentlich worden. Die unwissenden Dorfbewohner geben noch immer den verschiedensten Faktoren und Umständen die Schuld, wie z. Bsp. die Wasser- oder Luftverschmutzung, während andere es einen Fluch nennen, da in der näheren Umgebung des Dorfes keine weiteren Erkrankungen und Behinderungen aufgetreten sind. Allerdings konnte bisher auch nicht ausgeschlossen werden, dass der lange überlieferte und noch immer praktizierte Brauch, nur innerhalb der Dorfgemeinschaft zu heiraten sowie der fehlende Zugang zu ausreichender medizinischer Versorgung und notwendigen Impfungen eine Ursache sein könnte. Möglicherweise hätten eine rechtzeitige Hilfe und Routine-Impfungen nach der Geburt die Zahl der Erkrankungen niedrig halten können. Auch könnte eine mögliche genetische Vorbelastung durch Eheschließungen mit auswärtigen Partnern korrigiert werden, vermuten einige Sozialarbeiter, die in der Gegend ihren Dienst versehen.

Es gibt einen sichtbaren Mangel an Jod und Salz in der Region, was auch eine mögliche Ursache für eine solche Erkrankung sein könnte, die nichts mit genetischen oder sonstigen Gründen zu tun haben müsse, behaupten andere. Soziale Notfälle, fehlende Bildung und fehlende Vollbeschäftigung haben zu Armut geführt. Die Menschen sind desillusioniert, weil sie keine passenden Partner finden, mit denen sie ihre gesunden Kinder verheiraten können. Hörhilfen und andere medizinische Hilfen sind nicht wirklich hilfreich, solange die Wurzeln der Erkrankungen nicht festgestellt und ausgemerzt werden können.

„Heutzutage ist es so schwierig geworden, passende Partner für gut ausgebildete gesunde Mädchen zu finden, wie soll ich denn dann meine tauben und stummen Töchter verheiraten?“, sagt Lal Hussain, der zwei Töchter hat. Eine Zwangsehe zwischen einer gesunden Person mit einem tauben Partner ist eine frustrierende Erfahrung, aber die meisten Dorfbewohner Dadhkais müssen genau diese machen und ihre Familie ernähren.

Eine gewisse Bano Begum aus der Gegend ist ein solches Beispiel. Als gesundes Mädchen wurde Bano mit einem tauben und stummen Mann verheiratet. Nach ihrer eigenen Aussage war ihre Beziehung an Anfang ein enormer Kraftakt und sehr mühselig, weil die Kommunikation ein großes Problem war. Allerdings haben beide später einen gemeinsamen Weg gefunden. Ihre Kinder sind gesund. Bano hat drei gesunde Kinder geboren, die gelernt haben, mit ihrem Vater durch Zeichensprache zu kommunizieren.

Die Experten, die die Gegend besucht haben, sind der Auffassung, dass dorfübergreifende Eheschließungen die naheliegendste Lösung sind, um diese wahrscheinlich genetisch verursachte Erkrankung zu korrigieren, unterstützt durch eine bessere medizinische Versorgung, Impfungen direkt nach der Geburt und anderes mehr. Die Dorfgemeinschaft verweigert sich jedoch solchen Hochzeiten und leidet weiter. Es gab Versprechungen der politischen Führer, aber das Dorf wartet noch immer auf eine Erlösung aus seinem langen, langen Schweigen.


- Anzeigen -
BNA GERMANY