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04.08.2013 Von: BNA GERMANY®

Shahrukh, John und Sanju setzen einen neuen Trend: Shootings in Chennai

Einst galt Mumbai als Wiege des Bollywood-Films, doch in letzter Zeit entstehen mehr und mehr Hindi-Filme in Chennai. Ja richtig, Chennai ist normalerweise Heimat des Tamil-Films und war bisher auch nicht besonders gut auf Hindi-Filme zu sprechen. Doch mehr und mehr Bollywood-Stars gehen jetzt nach Chennai, dem Mekka für Filmemacher aus Südindien und drehen dort Filme.


Sanjay Dutt

Sanjay Dutt am Set von "Policegiri"

Der wohl momentan prominenteste Film, der in Chennai gedreht wird, ist „Chennai Express“. Teile des Films wurden zuvor bereits in Goa und Mumbai gedreht. Die Hauptdarsteller des Films von Rohit Shetty sind Shahrukh Khan und Deepika Padukone. Für Shahrukh Khan ist dies das erste Shooting in Chennai überhaupt. Dass der Film ein Shooting in Chennai verlangt, legt der Titel schon nahe. Doch auch Schauspieler wie John Abraham zieht es nach Chennai. John Abraham drehte seinen Film „Madras Café“ dort, während Schauspieler Sanjay Dutt mit seiner neuen Produktion „Policegiri“ in Chennai drehte.

Am deutlichsten wird der Einfluss Südindiens im Hindi-Film vor allen durch spezifische Kleidung, wie dem Veshti, in Nordindien unter dem Namen Lungi bekannt. Dieser „Lendenschutz“ wird sowohl von Shahrukh Khan in „Chennai Express“ getragen, als auch von Sanjay Dutt. Selbst einen John Abraham sieht man in einigen Szenen seines Films mit diesem Kleidungsstück – sehr zum Vergnügen der Zuschauer. Manch einer mag jetzt vielleicht sagen, dass sich durch das Tragen des Veshti im Hindi-Film über die ärmlichen Verhältnisse der Bevölkerung von Chennai lustig gemacht werden würde, doch vielmehr ist es so, dass dieses einfache Kleidungsstück sofort und von jedem mit Südindien assoziiert wird. Viel interessanter hingegen ist die Tatsache, dass nicht nur der Hindi-Film eine große Fan-Base hat, sondern auch das südindische Kino. Und diese gilt es nun, auch mit Hindi-Filmen zu erreichen. Und wie ginge es einfacher, wenn nicht dadurch, dass Bollywood-Stars in Südindien Filme drehen? 

Die erste Welle des Trends, dass Bollywood Stars nach Chennai gehen, kam bereits vor vielen Jahren und fing wahrscheinlich mit Schauspieler Rajender Kumar an, der in Chennai in einer TV-Serie mitspielte, die sehr erfolgreich wurde und ihm den Beinamen „Jubilee Kumar“ einbrachte. Auch Dilip Kumar war sich der Macht des südindischen Kinos und Chennai als Geburtsstätte des Tamil-Films bewusst und drehte ebenfalls einige Filme in Chennai. In den 60er Jahren gab es einen weiteren Trend: Die weiblichen Schönheiten des südindischen Kinos wurden für das Hindi-Kino Bollywoods verpflichtet und brachten so einen exotischen Faktor mit ins Spiel und auf die Leinwand. Jahre später gingen auch Schauspieler wie Jeetendra und Amitabh Bachchan nach Chennai und drehten dort einige Filme. Für Jeetendra wurde Chennai sogar so etwas wie ein zweites Zuhause. Jeetendra schaffte es sogar, einige Produzenten Südindiens dazu zu bringen, in Hindi-Filmproduktionen zu investieren. So kamen namhafte Produktionshäuser aus Chennai und Bangalore nach Mumbai und viele Bollywood-Filme wurden in Chennai produziert. Auch Bollywood-Star Mithun Chakrabarty zog es nach Chennai, wo er einige Filme produzierte. Einen Einblick in genau diese Ära gewährt uns momentan Ajay Devgn neuster Film „Himmatwala“, ein Remake des gleichnamigen Originals aus Südindien. 

Die neue Trendwelle, die wir momentan beobachten können, zeichnet sich dadurch aus, dass selbst die Produzenten und Regisseure Bollywoods nun eine Basis in Chennai  haben. Seien es Regisseur Rohit Shetty mit „Chennai Express“, Regisseur hoojit Sarcar mit „Madras Café” oder Produzent T P Aggrawal und Regisseur K S Ravikumar mit „Policegiri“. Erstmalig zieht hier die komplette Produktion eines Hindi-Films nach Chennai um. Dies liegt auch nahe, da Chennai über ausgezeichnete Produktionsstudios verfügt, welche von den Bollywood-Produzenten direkt vor Ort genutzt werden können.

Was auch immer der Grund dafür sein mag, dass Südindien erneut als Shooting-Location und nun auch Produktionsort für Bollywood-Filme wiederentdeckt wurde; Fakt ist, dass hierdurch neue Landschaften, neue Kulturkreise, neue Städte und ein neues Feeling im Film vermittelt wird. Und das ist das, wonach der Zuschauer von Bollywood-Filmen verlangt: Neues. In den vergangenen zwei Jahren sahen wir umso öfter Kolkata als Shooting-Location. Nun ist eben Chennai an der Reihe und wir sind auch schon gespannt, welche indische Stadt als nächstes folgen wird. Interessant ist auch, dass Bollywood es scheinbar langsam leid wird, stets und ständig im Ausland nach neuen Locations zu suchen, getreu dem Motto „Wieso in die Ferne schweifen – liegt das Glück doch so nahe“. Im Bollywood-Film selbst erkennt man heute auch vielmals den neuen Trend „Back to the Roots“; das indische Kino wird wieder indischer. Und genau das ist es ja auch, was uns hier in Europa so an Bollywood fasziniert hat. Und der nette Nebeneffekt für Bollywood ist eben auch, dass es zu Zuschauer und Fans des südindischen Kinos erreichen kann – was von geschäftlicher Seite her sicher nicht schlecht ist.


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