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Guten Abend lieber Besucher von BNA GERMANY, heute ist der 21.11.2017 :: English ::
Sie befinden sich hier: Eventankündigungen / Pressekonferenz mit Karan Johar / 

Karan Johar ist einer der erfolgreichsten Regisseure und Produzenten Bollywoods. Sein neuster Film "Kabhi Alvida Naa Kehna" brachte ihm gerade im eigenen Land jedoch nicht nur Zustimmung und Begeisterung entgegen. Der Film thematisiert den Ehebruch, ein Thema, welches in Indien totgeschwiegen wird. Der Regisseur will dieses Schweigen brechen und das Publikum dafür sensibilisieren, dass auch in einem Land wie Indien Ehen scheitern und außereheliche Affairen vorkommen. Für das westliche Publikum ist dies nichts Neues; im südasiatischen Raum bricht Karan Johar jedoch durch seinen Film das Schweigen.

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, bei welcher Indien Gastland war, wurde sein Film gezeigt, bevor er ab dem 26.Oktober offiziell in den deutschen Kinos anlaufen wird. Aus diesem Anlass kam Karan Johar nach Deutschland, um "KANK" persönlich vorzustellen und gab am 07.10.2006 eine Pressekonferenz, die BNA-Germany hier in Auszügen wiedergibt:

 

Was macht den weltweiten Erfolg des Indischen Kinos Ihrer Meinung nach aus?

Karan Johar: Zunächst einmal möchte ich sagen, dass es mich freut hier zu sein. Ich wurde schon oft gefragt, warum Bollywood auf dem europäischen Markt so gut ankommt. Bollywood Filme sind wie Achterbahnen: Sie heben dich hoch und ziehen dich runter, du bist während des gesamten Films in Bewegung. Die Filme zwingen einen zum Weinen aber auch zum Lieben. Es ist, als wäre man auf einer Reise, bei welcher man sämtliche Gefühle durchlebt. Danach kommt man zufrieden aus dem Film raus. Ich glaube, diese Zufriedenheit ist auch das, was das europäische Publikum oder das internationale Publikum wollen. Bollywood Filme stellen einen von innen heraus zufrieden. Und das ist der Erfolg unserer Filme.

 

Die meisten Ihrer Filme spielen irgendwo außerhalb Indiens in England oder den USA oder Kanada. Habe Sie vor, in einem ihrer nächsten Filme wieder zurück nach Indien zu kehren?

Karan Johar: Ich denke nicht über die Geografie nach, wenn ich einen Film schreibe. Meine Charaktere kommen von egal woher, haben aber ihre Wurzeln. Das versuche ich immer herauszuarbeiten. Aber natürlich drehe ich gern einen Film, der komplett in Indien gedreht wird, wie es bereits bei „Kuch Kuch Hota Hai“ der Fall war.

 

Lassen Sie uns über KANK reden: Für die meisten Inder ist das Thema des Films sehr ungewöhnlich; die beiden verheirateten Partner, die sich in ineinander verlieben und dafür mit ihrer Ehe Schluss machen. Normalerweise bleiben Paare in Indien doch trotzdem zusammen. Der Film ist nun auch im Westen in den Kinos. Was soll er dem westlichen Publikum vermitteln?

Karan Johar: In Indien läuft es genauso, wie überall auf der Welt. Natürlich waren viele Leute in Indien über meinen Film geschockt. Ich versuchte durch den Film die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen, über den wichtigen Schritt in die Ehe. Man kann aus verschiedensten Gründen heiraten: sei es aus finanziellen oder sozialen Gründen. Aber meiner Meinung nach gibt es nur einen wirklichen Grund, zu heiraten, und zwar, wenn man fühlt, den Partner seines Lebens gefunden zu haben. Nur einzig und allein aus Liebe. Alles andere wäre ein Kompromiss, der sich irgendwann bemerkbar macht und oft zum Scheitern vieler Beziehungen führt. „KANK“ zeigt den Leuten das, was wirklich im Leben passiert, worüber man jedoch nicht öffentlich redet. Das war auch der Grund, warum die Leute schockiert waren. Und dies ist erst der erste Film, eine Menge weiterer dieser Art werden folgen und versuchen, Barrieren zu brechen.

 

Viele andere indische Regisseure bedienen sich großartiger Romanvorlagen für ihren Film. Planen Sie auch einen Film, der auf einen Roman basiert, gibt es doch hier auf der Buchmesse eine Menge großartiger Romane?!

Karan Johar: Klar, das würde ich schon gern machen, das Filmskript von einem Roman zu schreiben. Und das wäre auch eine echte Herausforderung für mich, Filme wie „Namesake“ von Mira Nair zu drehen: Ich las das Buch und sah jetzt auch den Film und muss sagen ‚ Oh mein Gott, der Film ist so schön.

 

Warum ist es für Mädchen und Jungs außerhalb Indiens so schwer, zu einem Casting für einen Bollywood-Film eingeladen zu werden?

Karan Johar: In erster Linie musst du in Mumbai leben, um dort auch beim Film zu arbeiten. Arbeite als Modell oder so was in der Art. Wenn du gut bist, wird man dich wahrnehmen und vielleicht auch in die Filmwelt führen.

 

Hat sich für Sie etwas geändert, seit hier in Deutschland der Bollywood-Boom begann, als „Kabhi Kushi Kabhi Gham“ gezeigt wurde?

Karan Johar: Ja, darüber war ich informiert. Ich glaube, das war vor drei Jahren? Die Anzahl der E-Mails meiner Homepage sind gestiegen. Wir bekommen nun täglich über hundert Mails. Es macht uns jedenfalls sehr stolz, dass auch Nicht-Asiaten unsere Filme ebenso lieben, wie wir. Das ist ein großartiges Gefühl.

 

In Deutschland haben wir das Problem, dass die meisten Filme erst viel später bei uns veröffentlicht werden, als woanders.

Karan Johar: Das ist die Entscheidung des jeweiligen Vertriebs. Wir releasen unsere Filme überall in der Welt gleichzeitig. Es kann aber sein, dass das Datum aus irgendwelchen Gründen nicht zu dem Land passen, weil vielleicht die Leute zu dieser Zeit, zu welcher der weltweite Start ist, im Urlaub sind. Aber in Deutschland kommt ja „KANK“ ab dem 26. Oktober.

 

Warum haben die Darsteller in Ihren Filmen so selten irgendwelche Haustiere wie Hunde oder Katzen? Sie könnten doch einen Film über Pferde machen! Warum machen Sie das nicht? Ist es kein Teil Ihrer Kultur?

Karan Johar: Wir leben in so großen Familien, mit Großeltern und so. Wir haben also schon so genug zu tun. Außerdem würde es eher schwierig, ein Pferd in der Wohnung zu halten, Hunde und Katzen haben wir jedoch. Allerdings ist es schwierig, mit Tieren zu arbeiten, ohne gleich eine Anzeige zu bekommen. Aber jeder ist sensibel bezüglich Tieren, nur ist es bei uns so, dass wir halt mehr Kinder als Tiere zu Hause haben.

 

An welchen neuen Projekten arbeiten Sie gerade und was ist mit Ihrer Show „Koffee with Karan“? Wird es davon eine DVD geben?

Karan Johar: Ja, „Koffee with Karan“ wird im November oder Dezember auf DVD erhältlich sein. Der Fernsehsender wird noch über das Erscheinungsdatum entscheiden. Was ich noch sagen kann ist, dass ab Dezember die zweite Staffel der Show beginnt. Über neue Projekte werde ich mir erst Gedanken machen, wenn ich wieder zu Hause bin. Vielleicht werde ich ja einen Roman verfilmen.

 

Wann werden Sie ihren ersten Film in Deutschland drehen?

Karan Johar: Das hängt wirklich von der Geschichte ab, die der Film erzählen soll. Wenn ich nach Deutschland komme, sollte auch der Film in Deutschland spielen. Wenn es also eine gute Story gibt und man sie auch in anderen Ländern drehen kann, werde ich es machen. Da bestünde also schon eine Möglichkeit.

 

Sie sind noch so jung und haben schon soviel erreicht. Wenn Sie 30 Jahre in die Zukunft blicken, wo sehen Sie sich, wo möchten Sie sein?

Karan Johar: Danke, dass Sie mich noch jung finden. Nun, ich bete, dass ich dann noch immer Filme machen werde, dass ich noch immer Geschichten erzählen werde und die Leute noch immer emotional berühre. Das ist alles was ich mache und alles was ich kann. Es ist die einzige Leidenschaft, die ich habe. Das einzige worüber ich immer nachdenke, ist Filme zu machen und Geschichten zu erzählen. Wenn ich keine Filme drehe, fühle ich mich gehandicappt und dieses Gefühl mag ich nicht. Wenn Sie mich also fragen, wo ich mich in 30 Jahren sehe, was mein Traum wäre, dann ist es weiterhin Filme zu machen.

 

Schaut man sich die Entwicklung Ihrer Karriere an, vom ersten Film „Kuch Kuch Hota Hai“ bis jetzt, stellt sich die Frage, wie weit Sie noch gehen wollen. Vielleicht wären Sie eines Tages der erste Bollywood Regisseur, der ein völlig neues Film-Genre etabliert?

Karan Johar: Nein, ich mache keine Sachen nur der Sache wegen. „KANK“ drehte ich auch nicht mit der Absicht, etwas völlig Neues zu machen. Ich glaube an diesen Film und an die Geschichte, die ich versucht habe zu erzählen. Ich möchte nicht als wagemutig bezeichnet werden dafür dass ich der Gleiche bleibe. Ich mache Filme und immer Filme über Beziehungen. Daher werde ich immer Filme machen, an die ich glaube. Und das wird immer davon abhängen, welche Absicht ich mit dem Film habe.

 

Es ist offensichtlich, dass Sie es bevorzugen, immer mit den gleichen Schauspielern und der gleichen Crew zusammenzuarbeiten. So scheint es, als seien Sie alle eine große Familie. Liegt das an Ihnen persönlich oder ist dies generell so in der indischen Filmindustrie?

Karan Johar: Die Filmindustrie ist wie eine große Familie. Abhishek und ich kennen uns seit unserer Kindheit. Amitabh Bachchan ist wie ein Vater zu mir und ich wuchs mit der Yash Chopra Familie auf. So ist es, wie eine einzige große Familie. Es gibt Bereiche innerhalb dieser Familie, in welchen Konkurrenz oder Eifersucht herrscht, aber wir stehen uns alle sehr nahe. Wir machen Filme über Familien mit dieser Familie. Ich arbeite seit über zehn Jahren mit den gleichen Leuten zusammen und es gefällt mir. Warum sollte ich dann etwas ändern, das funktioniert?

 

Sie sind Kostümbildner, Schauspieler, Regisseur, Skript-Schreiber, Produzent und haben Ihre eigene Show. Glauben Sie, dass Sie typisch für die Filmindustrie sind?

Karan Johar: Nein, ich denke nicht. Es würde sich auch niemand wundern, wenn ich als 100-Meter Läufer bei den Olympischen spielen antrete. Als ich noch jung war, hatte ich viele Vorstellungen darüber, was ich alles machen wollte: mal Journalist, mal Filmkritiker oder Skript-Schreiber. Dann kam meine Mutter, die scheinbar blind ist, zu mir und meinte: ‚Du bist so hübsch und du siehst so gut aus. Du solltest Schauspieler werden.’ Das war der Punkt an dem ich wusste, dass alle Mütter blind sind… Aber mir gefällt es, hinter der Kamera zu stehen und ich bin glücklich darüber, dass ich die Möglichkeit habe über diese Plattform all das zu tun, wovon ich schon immer geträumt habe. Ich liebe es, meine Talkshow zu moderieren und bin absolut leidenschaftlich Regisseur. Schauspielern kann ich nicht so gut, tut mir leid. Von daher denke ich auch nicht daran. Aber ich bin glücklich mit all dem, was ich mache und genieße mein Leben. Das Leben ist so schön.

 

Warum dauerte es vier Jahre, bis Sie einen neuen Film produziert haben?

Karan Johar: Nein, ich habe viele Filme produziert. Jedoch arbeitete ich erst jetzt wieder als Regisseur nach so langer Zeit. Nach „Kabhi Kushi Kabhi Gham“ dauerte es eine Zeit, bis ich das ganze Geschäft eines Produzenten verstanden habe, alle Prozesse und die ganze Organisation. Darum kümmerte sich früher immer mein Vater, bis zu seinem Tod vor zwei Jahren. So brauchte ich also Zeit, alles zu verstehen und zu erlernen.

 

In „KANK“ arbeiteten Sie mit fünf der größten Stars Bollywoods zusammen. War es schwierig? Man könnte sich vorstellen, dass große Stars auch große Wünsche haben?

Karan Johar: Also, ich muss sagen, je größer die Stars, desto geringer sind auch die Probleme. Sie sind die wundervollsten Menschen, mit denen ich je gearbeitet habe und es ist wirklich leicht, mit Ihnen umzugehen. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu jeden von ihnen, da sie alle zu meiner Familie gehören. Ich fühlte mich mit ihnen immer wie bei einem Picknick und hatte auch keine Probleme während der Arbeit mit ihnen.

 

 

 

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