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Guten Abend lieber Besucher von BNA GERMANY, heute ist der 21.10.2017 :: English ::
Sie befinden sich hier: Eventankündigungen / Im Gespräch mit Javed Akhtar / 

Der 1945 geborene Urdu-Dichter Javed Akthar kann auf eine lange Familientradition zurückblicken. Seit sieben Generationen besteht seine Familie aus Dichtern und Schriftstellern. Trotzdem war der Weg des heute so berühmten Bollywood Song-Lyrikers als Dichter nicht klar vorgezeichnet. Begonnen hatte Javed Akthar mit dem Gedichteschreiben erst nach den Tod seines Vaters im Jahre 1976. Ebenso berühmt wie Javed Akhtar ist sein Sohn Farhan Akhtar, der erfolgreicher Regisseur in Bollywood ist.

 

BNA-Germany traf Javed Akhtar im Rahmen der Buchmesse zu einem Interview. Hier können Sie Ausschnitte des Interviews nachlesen:

 

BNA: Zunächst einmal, herzlich willkommen in Deutschland und auf der Buchmesse. Ist dies das erste Mal, dass Sie auf der Buchmesse sind?

Javed Akthar: Ja, es ist das erste Mal, dass ich in dieser Stadt bin.

 

BNA: War es für Sie eine große Überraschung hierher eingeladen zu werden?

Javed Akhtar: Ja, es war eine große Ehre, da jeder die Frankfurter Buchmesse kennt. Sie ist ja die größte Buchmesse der Welt. Ich traf bereits ganz wunderbare Menschen hier, sodass es für mich ein sehr lohnender Besuch ist.

 

BNA: Zunächst waren Sie Skript-Schreiber, dann Lied-Texter und schließlich auch Dichter.

Javed Akthar: Nein, ich begann bereits 1978 Gedichte zu schreiben, habe sie aber nicht veröffentlicht. Es gab jedoch einige Menschen, die wussten, dass ich schreibe und die meine Gedichte kannten. Einer von ihnen war Yash Chopra, der bekannte Produzent und Regisseur. Eines Tages kam er zu mir und fragte mich, ob ich nicht die Texte für die Song seines Films machen wolle.

 

BNA: Welcher Film war das?

Javed Akthar: Silsila. Ich war sehr überrascht, denn ich hatte eigentlich nicht vor, Liedtexte zu schreiben und hätte auch nicht daran gedacht, dass mich eines Tages jemand darum bitten würde. Keine Ahnung wieso. Jedoch bestand er darauf. Ich hatte aber kein Interesse. Schließlich machte er mir ein gutes Angebot und ich nahm den Auftrag an. Als ich dann die Texte schrieb, habe ich Gefallen daran gefunden. Und so begann meine Karriere als Lied-Texter.

 

BNA: Die Filme von Yash Chopra sind aber sehr verschieden von Ihren Gedichten, was den Inhalt angeht. Auf der einen Seite stehen Liebesgeschichten im Vordergrund, auf der anderen Seite sind Ihre Gedichte, die sehr ernst und nachdenklich sind. Wie können Sie mit diesem Unterschied umgehen?

Javed Akhtar: Oh, das ist nicht so ungewöhnlich. Wenn ich einen Auftrag bekomme, dann schreibe ich für einen bestimmten Film, der eine besondere Geschichte und eine besondere Situation hat. Und das muss ich mit vor Augen führen. Ich muss mich in diese romantische Situation hineinversetzen und mir die Bilder, in welchen das Lied eingebettet ist, vorstellen. Aus diesem Blickwinkel sehe ich das. Wenn ich allerdings meine eigenen Gedichte schreibe, schreibe ich nur das, was ich wirklich stark im Tiefsten meines Herzens fühle, aus meiner Überzeugung heraus. Das heißt nun aber nicht, dass ich bei Auftragslyrik nicht auch etwas fühle. Um ein gutes Poster zu machen, oder einen Kalender, ist es gut, wenn man malen kann. Wenn dem nicht so ist, wird auch der Kalender oder das Poster nicht gut. Und es gibt gute Kalender und schlechte Kalender. Ebenso gibt es gute Liedtexte und schlechte Liedtexte. Man sollte aber versuchen gute Liedtexte zu schreiben.

 

BNA: Welchen Weg sind Sie gegangen von Skript-Schreiben, zum Liedertexten hin zum Veröffentlichen Ihrer Gedichte?

Javed Akhar: Ich kam zur Film Industrie, als ich 19 Jahre alt war, nach meinem Uni-Abschluss. Mein erstes Film Skript schrieb ich, als ich 20 war. Von 20 bis 35 war ich dann Skript-Schreiber, bis ich dann mein Interesse am Lied-Text-Schreiben fand. Und nun, seit 34 Jahren schreibe ich Lied-Texte und Gedichte.

 

BNA: Müssen Sie die Geschichte, das Skript oder die Darsteller kennen, bevor Sie für einen Film die Lied-Texte schreiben können?

Javed Akhtar: Nur die Geschichte. Ich muss die Story-Line kennen und die Situation, ich welcher die Song-Sequenz spielt. Ich schreibe also die Texte in Bezug auf die Situation und bezüglich dem, was der Schauspieler in seiner Rolle in der jeweiligen Situation gerade denken könnte.

 

BNA: Und wie leicht fällt es Ihnen, die Situation zu erfassen?

Javed Akthar: Wirklich sehr leicht.

 

BNA: In Ihrer Familie gibt es seit sieben Generationen Dichter. Ihr Vater war auch ein sehr bekannter Dichter. Sie schreiben seit seinem Tod auch Gedichte. Glauben Sie, dass Ihr Sohn Farhan Akhtar eines Tages in Ihre Fuß-Stapfen treten wird?

Javed Akthar: Er braucht nicht in meine Fuß-Stapfen treten. Er macht seine eigenen Sachen und ist sehr glücklich damit. Aber er schreibt auch Gedichte, allerdings nur in Englisch. Ich habe nicht meinen Vater nachgeahmt und er hat seinen Vater nicht nachgeahmt. Aber trotzdem wurde fast jeder in unserer Familie Poet. Aber ich imitiere nicht meinen Vater und mein Sohn imitiert mich nicht.

 

BNA: Welche Ihrer Film-Lyriks sind in Ihren Augen die besten? Macht Sie ihre Arbeit stolz?

Javed Akhtar: Ich weiß, dass ich gut bin. Aber was ich gemacht habe, ist Vergangenheit. Ich denke darüber nicht mehr nach. Ich schaue nur nach den Dingen, die kommen werden, als dass ich sage ‚wow waren diese Lied-Texte gut’. Das ist vorbei und meine Arbeit ist getan.

 

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