Über Bollywood
Cinema_History
Golden_Oldies
Special_Features
Cover_Stories
interviews_neu
profiles
Bollywood Dance
Musik & Musiker
Bollywood im Kino
Eventankündigungen
Indien - Allg. Infos
Heilige Tiere
states
Kurioses aus Indien
indian_cooking
BNA Magazin
Bollywood Reporter
Foto-Archiv
Interviews (bis 2010)
Suche



Guten Tag, heute ist der 16.12.2017 :: English ::
Sie befinden sich hier: Indien - Allg. Infos / Allgemeine Informationen / Wirtschaft / 
Indien: Starkes Wachstum - schlechte Infrastruktur

Seit den 1991 eingeführten wirtschaftlichen Reformen, deren Grund eine massive Finanzkrise war, zählt Indien zu einen der vielversprechendsten Märkte der Welt. Mit einem durchschnittlichen Jahreswachstum von sechs bis sieben Prozent zählt Indien zu einer der am schnellsten wachsenden Markwirtschaften und überholt sogar China, das im  vergangenen Jahr  lediglich ein Wachstum von vier Prozent erwirtschaften konnte. Doch will der Markt weiter wachsen, muss kräftig in die Infrastruktur investiert werden.

 

Denn neben der bürokratischen Hürden, die einem ausländischen Investor viel Zeit und Geduld abverlangen, schrecken viele ausländische Unternehmen auch vor den Zuständen der Infrastruktur zurück: veraltete Eisenbahnnetze und Flughäfen, mangelhafte Straßenverbindungen und schlechte Straßen, sowie überlastete Stromleitungen und Kraftwerke sind nicht gerade einladende Bedingungen für zukünftige Investoren.

 

Ausbau der Infrastruktur hat oberste Priorität

 

Um dieses Problem will sich in verstärkten Maße auch der indische Premierminister Manmohan Singh kümmern: er setzt verstärkt auf marktwirtschaftliche Reformen und will die Privatisierungen vorantreiben. Die Ausgaben für Bildung sollen erhöht werden und die Infrastruktur kräftig ausgebaut werden. Für die Flughäfen in Neu Delhi und Mumbai werden bereits private Betreiber gesucht. Um die Beteiligung konkurrieren unter anderem deutsche Firmen wie die Frankfurter Fluggesellschaft Fraport, der Münchner Flughafen oder auch das Bauunternehmen Hochtief. Eine Entscheidung für einen der insgesamt zehn Bewerber soll bereits Ende des Sommers fallen. Im Bereich Nahverkehr hat sich in den letzten Jahren schon einiges getan: So baute Siemens bereits 1975 das erste Stellwerk an der Station Bandra (Mumbai). Seitdem gab es dort auch keine technischen Pannen mehr. Wohl ein Grund dafür, dass Siemens erst kürzlich auch einen Auftrag für die elektonische Aufrüstung von 101 Zügen erhielt. Das Auftragsvolumen hierfür beträgt 168 Mio.Euro. Dass der deutsche Konzern in Indien einen guten Namen hat, zeigt sich auch darin, dass das Unternehmen Ende Juni auch mit den Bau eines neuen Gas- und Turbinen-Kraftwerks in Gujarat von der indischen Torrent Power Generation  beauftragt wurde.

 

USA und Japan erobern den indischen Markt für sich

 

Doch insgesamt fallen die Investitionen Deutschlands in Indien im Vergleich zu anderen Ländern eher gering aus. An der Spitze der Direktinvestitionen stehen vor allen die USA, Japan und Korea. Die USA investieren vor allem im IT- und Software-Bereich. So will IBM beispielsweise noch dieses Jahr 14.000 Mitarbeiter in Indien einstellen, gleichzeitig jedoch 13.000 Mitarbeiter in Europa und den USA entlassen. Als Gründe für die Verlagerung der Arbeitsplätze werden vor allem die gut ausgebildeten Fachkräfte in Indien und die niedrigen Lohnkosten genannt. So verdient ein IT-Spezialist in Indien nur ein Sechstel dessen, was ein amerikanischer Fachmann verdienen würde. Aus diesen Gründen überlegt derzeit auch der Chiphersteller Intel, eine Testanlage im Wert von über 400 Mio. Dollar in Indien zu errichten.

Die Japaner und Koreaner hingegen schätzen Indien vor allem als kommenden weltweit wichtigsten Standort der Automobilindustrie. Kein anderes Land verspricht langfristig ein stärkeres Wachstum im Automobilmarkt als Indien. Darin sind sich auch führende Wirtschaftsexperten einig. So wird der japanische Motorradhersteller Yamaha demnächst in Indien sein drittes Werk errichten und dabei rund 90 Mio. Dollar investieren. Der Automobilhersteller Nissan hat bereits im Februar diesen Jahres seine Geschäftstätigkeit in Indien aufgenommen. Nissan verfügt bereits über fünf unabhängige Händler in Mumbai, Chennai, Neu Delhi, Bangalore und Hyderlabad. Auch Toyota wird zusammen mit dem Tochterunternehmen Daihatsu in der Nähe des bestehenden Werks in Bangalore sein neues Werk errichten. Der südkoreanische Autohersteller Hyundai kündigt ebenfalls an, sein Produktion in Indien auszuweiten und ein neues Werk zu errichten.

 

Deutsche Investitionen liegen weit unter ihren Möglichkeiten

 

Europa tut sich mit dem Eintritt in den indischen Automarkt eher schwer. Ein Grund mag darin liegen, dass sich europäische Automarken wie Mercedes, BMW oder Audi auf dem Subkontinent schlecht verkaufen. Hier lassen sich vor allem billige Kleinwagen vermarkten. VW plante zwar für dieses Jahr, ein Werk in Indien zu errichten, diese Pläne wurden jedoch aufgrund des Korruptionsskandals erst einmal auf Eis gelegt und kann dazu führen, dass Deutschland im Automobilbereich den Anschluss schnell verlieren kann. Jedoch nicht nur als Absatzmarkt ist Indien vielversprechend, sondern auch als Produktionsstandort. Darum will französische Autohersteller Renault den Logan in Indien bauen und verkaufen. Zusammen mit den indischen Hersteller Mahindra&Mahindra gründete das französische Unternehmen zu diesem Zweck ein Joint Venture. Ein weiteres Joint Venture gründete Mahindra&Mahindra auch mit dem amerikanischen LKW-Produzenten Navistar zur Herstellung von LKW und Kleinbussen. 

Trotz oder gerade wegen der Dominanz der Amerikaner und Japaner mahnte Indiens Finanzminister Palaniappan Chidambaram deutsche Unternehmen, ihre Chance zum Markteintritt nicht zu verpassen. Vor allem der Mittelstand sollte sich angesprochen fühlen: „Um die Kosten zu senken, neue Märkte zu erobern und mit ihren Wettbewerbern mitzuhalten, sollten viel mehr Mittelständler Indien zum Produktionszentrum ausbauen.“ Der Finanzminister versprach zugleich, die administrativen Hürden durch raschere Genehmigungsverfahren abzubauen.

 

©Copyrights by BNA-Germany.com. All rights reserved.

- Anzeigen -